Deutschland, Migration

Expertin: Migrationspolitik von Schwarz-Rot wenig effektiv

11.11.2025 - 18:17:39

Die neue Bundesregierung fĂŒhrt den RĂŒckgang der Asylzahlen auf ihre Politik zurĂŒck. Eine Expertin hĂ€lt dagegen.

Die Migrationspolitik der schwarz-roten Bundesregierung hat nach Angaben der Migrationsforscherin Victoria Rietig wenig Auswirkungen auf die Zahl der Asylbewerber in Deutschland. Die im Vergleich zum Vorjahr stark gesunkene Zahl von ErstantrĂ€gen auf Asyl sei viel stĂ€rker auf die verĂ€nderte politische Lage in Syrien sowie auf die Auswirkungen internationaler Abkommen als auf die nationale Politik in Deutschland zurĂŒckzufĂŒhren, sagte die Leiterin des Zentrums fĂŒr Migration bei der Deutschen Gesellschaft fĂŒr AuswĂ€rtige Politik (DGAP) bei den NĂŒrnberger Tagen fĂŒr Migration. Die Veranstaltung wurde vom Bundesamt fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge (BAMF) organisiert. 

Nach der Statistik des Bundesamtes wurden in den ersten zehn Monaten in Deutschland 142.495 AsylantrĂ€ge gestellt, davon 97.277 ErstantrĂ€ge. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch etwa doppelt so viele ErstantrĂ€ge. Bereits von Januar bis April - also vor dem Regierungswechsel - war bei den ErstantrĂ€gen ein RĂŒckgang um rund 43 Prozent verzeichnet worden. 

Starker Anstieg bei FolgeantrÀgen

Die Zahlen der ErstantrĂ€ge seien unter Schwarz-Rot weitgehend stabil. Die Zahlen hĂ€tten sich seit dem Antritt von Schwarz-Rot sogar verdoppelt, wenn man nicht nur die ErstantrĂ€ge, sondern auch die FolgeantrĂ€ge zĂ€hle. Hier wirke ein offenbar ungewollter Nebeneffekt: Vor allem Afghaninnen stellten diese FolgeantrĂ€ge, vermutlich weil sie durch die Wegnahme des Familiennachzugs zu subsidiĂ€r GeschĂŒtzten nun hoffen, ihren Schutzstatus erhöhen und diesen Familiennachzug wieder beantragen zu können, erklĂ€rte die Expertin. Nach BAMF-Zahlen gingen die FolgeantrĂ€ge im Jahresvergleich um 153 Prozent nach oben. 

ZurĂŒckweisungen wenig effektiv

Die Zahl der ZurĂŒckweisungen von Asylbewerbern direkt an den deutschen Außengrenzen spiele mit rund 1.000 in den ersten sechs Monaten der neuen Regierung - etwa sechs pro Tag - keine große Rolle, sagte Rietig. Die neue Politik verursache große Kosten an der Grenze, der numerische Nutzen habe sich bisher nicht eingestellt. «Die Migrationswende ist an den Zahlen gemessen wenig effektiv», sagte Rietig. Die Expertin tritt stattdessen fĂŒr mehr internationale Abkommen, etwa nach dem Vorbild des EU-Tunesien-Abkommens ein.

@ dpa.de