Bund bis 2035 barrierefrei
08.07.2025 - 13:35:3520 Jahre nach dem Start des Behindertengleichstellungsgesetzes hat Bundessozialministerin BĂ€rbel Bas (SPD) eine entsprechende Reform in die regierungsinterne Ressortabstimmung gegeben, wie es in Regierungskreisen hieĂ. Auch die letzten baulichen Barrieren sollen in zehn Jahren in allen Behörden des Bundes abgebaut sein, geht aus dem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Entwurf hervor. Ihre MaĂnahmen sollen die GebĂ€udebesitzer ab Ende 2026 regelmĂ€Ăig veröffentlichen.
Rund 13 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer BeeintrĂ€chtigung, weit mehr als die HĂ€lfte davon mit einer schweren Behinderung. FĂŒr viele von ihnen sind nicht nur Treppen, Stufen oder schmale DurchgĂ€nge ein Problem, sondern zum Beispiel auch digitale Inhalte ohne leichte Sprache oder Videos ohne Untertitel. Auch hier soll das neue Gesetz fĂŒr Verbesserungen sorgen - und zwar nicht nur bei Behörden.
Private Dienstleistungen sollen barrierefrei sein
Barrierefreiheit soll mehr und mehr auch fĂŒr den privaten Bereich gelten - rĂ€umlich und in der Kommunikation. Bas sagte dazu der dpa: "Unternehmen sind verpflichtet, individuelle, praktikable Lösungen anzubieten, mit denen Menschen mit Behinderungen bei Bedarf Zugang zu gewerblich angebotenen GĂŒtern und Dienstleistungen verschafft wird."
Die Firmen, Transportgesellschaften und andere Anbieter sollen somit keine neuen detaillierten Vorschriften vorgegeben bekommen. Statt Zwang will Bas auf Eigenverantwortung und mehr Dialog setzen. "Dies trĂ€gt auch der Tatsache Rechnung, dass schon heute viele private Anbieter den Zugang zu ihren Angeboten barrierefrei gestalten", heiĂt es im Entwurf. Der gleichberechtigte Zugang zu GĂŒtern und Dienstleistungen bedeute neue Kundengruppen, Innovation und WettbewerbsfĂ€higkeit. "In einer Ă€lter werdenden Gesellschaft gewinnt Barrierefreiheit zudem an ökonomischer Relevanz."
Bas sagte: "Damit gehen wir einen wichtigen Schritt hin zu mehr gelebter Inklusion in Deutschland." Die Ministerin betonte: "Je mehr Barrieren wir fĂŒr Menschen mit Behinderungen abbauen, desto stĂ€rker sind wir als Land." Entsprechende PlĂ€ne hatte auch die Ampel-Regierung verfolgt, sie hatte sich aber vor ihrem vorzeitigen Ende nicht darauf einigen könne.
Neues Bundeskompetenzzentrum
Im Streitfall soll laut Gesetzentwurf zunĂ€chst ein kostenloses Schlichtungsverfahren helfen. Ein neues Bundeskompetenzzentrum fĂŒr Leichte Sprache und Deutsche GebĂ€rdensprache soll eingerichtet werden. Es soll die Bundesministerien und ihre nachgeordneten Behörden beraten, damit sie mehr Informationen in GebĂ€rdensprache und leichter Sprache zur VerfĂŒgung stellen. AntrĂ€ge, AntragsbegrĂŒndungen sowie Nachfragen und Hinweise seitens der Behörden mĂŒssen laut den PlĂ€nen kĂŒnftig barrierefrei sein.

