EU-Kommission, Corona-Hilfen

EU-Kommission untersucht Corona-Hilfen fĂŒr Lufthansa erneut

08.07.2024 - 15:15:47

Die Pandemie ist lĂ€ngst vorbei, doch noch einmal nimmt die EU die Corona-Hilfen des deutschen Staats fĂŒr den Lufthansa-Konzern unter die Lupe. Auch andere Airlines mĂŒssen zittern.

Die EU-Kommission untersucht erneut die Milliardenstaatshilfen fĂŒr die Lufthansa wĂ€hrend der Corona-Pandemie. In einem vertieften PrĂŒfverfahren soll geklĂ€rt werden, ob die lĂ€ngst zurĂŒckgezahlten Hilfen des deutschen Staats aus dem Jahr 2020 im Einklang mit europĂ€ischen Wettbewerbsregeln standen.

Hintergrund der Untersuchung ist ein Urteil des Gerichts der EU von vor gut einem Jahr, das ĂŒber Klagen der Lufthansa-Konkurrenten Ryanair und Condor entschieden hatte. Die Richter in Luxemburg urteilten damals, dass die Kommission die deutschen Staatshilfen im Umfang von rund sechs Milliarden Euro nicht hĂ€tte genehmigen dĂŒrfen. Den Beamten seien bei ihrer Beurteilung mehrere Fehler unterlaufen, sodass die Genehmigung der Kommission fĂŒr nichtig erklĂ€rt wurde. 

Auch andere Airlines betroffen 

Mit Ă€hnlichen Urteilen sind auch die Staatshilfen der Niederlande und Frankreichs fĂŒr ihre miteinander verbundenen Airlines KLM und Air France als rechtswidrig bewertet worden. Ob die Kommission wie bei Lufthansa erneute Untersuchungen wegen der Urteile einleitet, ist noch offen. SĂ€mtliche Fluggesellschaften haben Rechtsmittel gegen die jeweiligen Urteile eingelegt. 

Die WettbewerbshĂŒter hĂ€tten im Lufthansa-Fall genauer prĂŒfen mĂŒssen, ob die Gesellschaft noch eigene Sicherheiten hatte, um sich selbst Kredite zu verschaffen. Außerdem rĂŒgte das Gericht, dass die Marktmacht der Lufthansa an mehreren FlughĂ€fen zu niedrig geschĂ€tzt wurde.

Neuerliche Untersuchung auch zur Marktmacht an FlughÀfen

Jetzt ĂŒberprĂŒft die Kommission ihre Entscheidung nochmals und will dabei besonders die Marktmacht der Lufthansa an den FlughĂ€fen in Wien und DĂŒsseldorf berĂŒcksichtigen. Die Behörde betont aber, dass die Einleitung einer Untersuchung noch nichts ĂŒber deren Ergebnis aussagt. 

Offen bleibt zunÀchst die Frage, welche Folgen ein anderes Untersuchungsergebnis und eine neue Beihilfeentscheidung haben könnten. Denkbar sind Nachforderungen zu Zinsen oder auch neuerliche Auflagen wie die Abgabe von Start- und Landerechten (Slots) an den beherrschten FlughÀfen. 

Lufthansa hat neue PrĂŒfung erwartet

Die Lufthansa hat bereits in ihrem GeschĂ€ftsbericht zum Jahr 2023 erklĂ€rt, dass sie mit einem förmlichen PrĂŒfverfahren der EU rechne. Am Montag verwies eine Sprecherin auf die vollstĂ€ndige RĂŒckzahlung der Hilfen. Die Stabilisierungsmaßnahmen seien bereits zum Zeitpunkt des Urteils des europĂ€ischen Gerichts vollstĂ€ndig beendet gewesen. 

Die ReisebeschrĂ€nkungen in der Pandemie hatten die GeschĂ€fte der Lufthansa nahezu zum Erliegen gebracht. In dem Konzern mit rund 138 000 BeschĂ€ftigten standen Zehntausende ArbeitsplĂ€tze auf der Kippe. Deswegen unterstĂŒtzte die Bundesregierung im FrĂŒhjahr 2020 die grĂ¶ĂŸte deutsche Fluggesellschaft. 

Staatshilfen nicht vollstĂ€ndig abgerufen - Inzwischen komplett zurĂŒckgezahlt

Deutschland, Österreich, die Schweiz und Belgien hatten dem Lufthansa-Konzern insgesamt neun Milliarden Euro Hilfen zugesagt, die aber nicht vollstĂ€ndig abgerufen wurden. Der Löwenanteil der Summe stammte aus Deutschland, dem Heimatland der Lufthansa. Sechs Milliarden Euro einschließlich eines 20-prozentigen Aktienpakets und stillen Beteiligungen entfielen auf den bundeseigenen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF), wĂ€hrend die staatliche KfW-Bank einen Kredit ĂŒber eine Milliarde Euro beisteuerte. Die europĂ€ischen Partner sind erst zu einem spĂ€teren Zeitpunkt dem Hilfspakt beigetreten.

Der gerettete Konzern hatte die Hilfen bis Ende 2022 vollstĂ€ndig zurĂŒckgezahlt und teils mit eigenen Schulden ersetzt. Er sei lieber am Markt als beim Steuerzahler verschuldet, hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr dazu erklĂ€rt. Der deutsche Staat hat unter dem Strich kein Geld verloren, sondern sogar einen Gewinn von rund 760 Millionen Euro aus Zinsen und AktienverkĂ€ufen erzielt.

@ dpa.de