ROUNDUP, Trump

Trump und Musk starten Feldzug gegen humanitÀre Hilfe

03.02.2025 - 06:35:07

Die Regierung von PrĂ€sident Donald Trump nimmt beim Umbau des Staatsapparats die Behörde fĂŒr internationale Entwicklung USAID ins Visier und stellt die humanitĂ€re Hilfe der USA damit grundsĂ€tzlich infrage.

Nach dem vorĂŒbergehenden Stopp der meisten Entwicklungshilfezahlungen wurden in den vergangenen Tagen Hunderte Mitarbeiter der Behörde entlassen oder beurlaubt und Dutzende FĂŒhrungskrĂ€fte mit sofortiger Wirkung freigestellt, wie mehrere US-Medien berichteten. Die neue Regierung erwĂ€gt demnach, die bislang unabhĂ€ngige Behörde, die in der globalen Entwicklungszusammenarbeit eine wichtige Rolle spielt, ganz aufzulösen. Die Webseite der Behörde war plötzlich nicht mehr zugĂ€nglich, ebenso der X-Account von USAID.

Trump wetterte gegen die Behörde: "Sie wird von einem Haufen radikaler VerrĂŒckter gefĂŒhrt. Und die holen wir raus." Danach werde er eine Entscheidung ĂŒber USAID treffen.

Musks Feldzug

Tech-MilliardĂ€r und X-Chef Elon Musk, ein enger Vertrauter Trumps, der fĂŒr den PrĂ€sidenten die Regierungsausgaben kĂŒrzen soll, begann auf seiner Plattform einen verbalen Feldzug gegen die Behörde. In diversen Posts verunglimpfte er USAID unter anderem als "böse" und verbreitete unbelegte Anschuldigungen und Verschwörungstheorien ĂŒber die Behörde.

"USAID ist eine kriminelle Organisation. Es wird Zeit, dass sie stirbt", schrieb Musk, der enormen Einfluss in der Regierung hat, obwohl er auf dem Papier eine Rolle als "externer Berater" hat und ĂŒber keinerlei politisches Mandat verfĂŒgt. In einem anderen Beitrag sprach Musk in der Vergangenheit ĂŒber die Behörde: "USAID war ein Schlangennest von linksradikalen Marxisten, die Amerika hassen."

Der reichste Mann der Welt hatte Trump im Wahlkampf mit Millionen unterstĂŒtzt, weicht dem Republikaner seither kaum mehr von der Seite, bekommt erstaunliche ZugĂ€nge und hat inzwischen viel politische Macht. Mit dem Gremium "Department of Government Efficiency" soll Musk VorschlĂ€ge machen, um die US-Staatsausgaben zu kĂŒrzen. Nun will er offenkundig an Entwicklungszusammenarbeit und humanitĂ€re Hilfen Hand anlegen.

Mehrere US-Medien, darunter der Sender CNN und die "New York Times", berichteten, Mitarbeiter von Musks Gremium hÀtten versucht, sich in der USAID-Zentrale in der Hauptstadt Washington Zugang zu vertraulichen Informationen zu verschaffen. Zwei hochrangige Sicherheitsbeamte hÀtten das verweigert und seien kurz darauf freigestellt worden.

Ein Schritt mit Symbolkraft

Das rabiate Vorgehen bei USAID steht beispielhaft fĂŒr das, was derzeit in vielen Ministerien und Behörden vor sich geht. Seit seinem Amtsantritt hat sich Trump daran gemacht, den Staatsapparat komplett umzukrempeln. In Ministerien und Behörden werden Mitarbeiter geschasst. In extrem ungewöhnlicher Manier drĂ€ngt die Regierung Bundesbedienstete auch dazu, zu kĂŒndigen und freiwillig ihren Posten zu rĂ€umen. Fast alle Mitarbeiter von Ministerien und Behörden erhielten eine Mail mit einem entsprechenden "Angebot".

Finanziell und personell spielt USAID gemessen an der gesamten Regierung und deren Haushalt nur eine kleine Rolle. Doch fĂŒr die internationale Entwicklungszusammenarbeit hat die Behörde große Bedeutung. Dass Musk der Behörde derart viel Aufmerksamkeit widmet, hat vor allem politische GrĂŒnde.

FĂŒr Trump und sein Umfeld ist die Attacke auf USAID auch ein Schritt mit Symbolkraft: Der Republikaner verfolgt eine extreme Amerika-zuerst-Agenda, also eine isolationistische Politik, die Amerika bedingungslos an erste Stelle setzt. Trump wettert regelmĂ€ĂŸig dagegen, dass die USA unter FĂŒhrung der demokratischen VorgĂ€ngerregierung zu viel Geld fĂŒr Migranten und Menschen ĂŒberall auf der Welt ausgegeben und gleichzeitig die eigenen StaatsbĂŒrger vernachlĂ€ssigt hĂ€tten. Das heißt, die Behörde USAID, deren Kernaufgabe es ist, SchwĂ€cheren und Benachteiligten auf der ganzen Welt zu helfen, ist ihm per se ein Dorn im Auge.

Nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt stoppte Trump Entwicklungshilfezahlungen fĂŒr das Ausland vorerst. Alle auslĂ€ndischen Hilfsprogramme sollen innerhalb von 90 Tagen ĂŒberprĂŒft werden. Ausgenommen wurden laut Regierung Mittel fĂŒr lebensrettende Hilfen. Damit liegt die Arbeit von USAID derzeit weitgehend auf Eis.

"So etwas macht nur ein Despot"

Diverse demokratische Senatoren Ă€ußerten sich besorgt ĂŒber das Vorgehen: Hochrangige FĂŒhrungskrĂ€fte in der gesamten Behörde zu beurlauben, laufende Programme zu beenden und die laufende Auslandshilfe einzufrieren, ohne das mit dem Kongress abzustimmen, habe "einen Strudel von Problemen geschaffen, der unsere Nation gefĂ€hrdet und die GlaubwĂŒrdigkeit Amerikas auf der ganzen Welt untergrĂ€bt", schrieben mehrere demokratische Mitglieder des AuswĂ€rtigen Ausschusses im Senat in einem gemeinsamen Brief an den geschĂ€ftsfĂŒhrenden USAID-Leiter Jason Gray.

Der demokratische MinderheitsfĂŒhrer im Senat, Chuck Schumer, schrieb auf der Plattform X: "Trump hat Mitarbeiter von USAID entlassen und eingeschĂŒchtert. Jetzt gibt es das GerĂŒcht, dass er USAID als unabhĂ€ngige Behörde auflösen will." Das wĂ€re illegal und gegen die nationalen Interessen der USA, mahnte er.

Der demokratische Senator Chris Murphy schrieb auf X: "Ich habe gehört, dass Trump die Verfassungskrise noch verschÀrfen will." Ein PrÀsident könne eine Bundesbehörde nicht einfach per Anordnung abschaffen. "So etwas macht nur ein Despot - der das Geld der Steuerzahler stehlen will, um seine MilliardÀrs-Clique zu bereichern."

@ dpa.de