Ost-LĂ€nder fordern bessere Flug- und Bahnverbindungen
29.02.2024 - 14:59:43Die ostdeutschen MinisterprĂ€sidenten fordern eine bessere Bahnanbindung ihrer LĂ€nder an Berlin und mehr internationale LangstreckenflĂŒge von den FlughĂ€fen Berlin-Brandenburg (BER) sowie Leipzig/Halle.
«Da mĂŒssen internationale LinienflĂŒge her, es muss nicht alles ĂŒber Frankfurt geschippert werden», sagte Sachsen-Anhalts Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) nach Beratungen in Berlin. AuĂerdem mĂŒssten Defizite bei den Bahnstrecken behoben werden. Es gebe einen «dringenden Investitionsbedarf», auch mit Blick auf Verbindungen nach Osteuropa, sagte Haseloff.
Tempo 160 fĂŒr ZĂŒge als Ziel bis 2030
Laut den Vorstellungen der MinisterprĂ€sidenten sollen ZĂŒge auf allen Bahnstrecken zwischen Berlin und den gröĂeren StĂ€dten in Ostdeutschland bis spĂ€testens 2030 mindestens mit Tempo 160 unterwegs sein können. Berlin habe eine Leuchtturmfunktion fĂŒr die umliegenden LĂ€nder, sagte Haseloff, der aktuell Vorsitzender der MinisterprĂ€sidentenkonferenz-Ost ist.
Wichtig ist den ostdeutschen LĂ€ndern zudem eine verlĂ€ssliche Finanzierung des Bus- und Bahnverkehrs in der FlĂ€che. Sie fordern «eine zeitnahe VerstĂ€ndigung ĂŒber eine weitere Anhebung und langfristige Dynamisierung der Regionalisierungsmittel» sowie kurzfristig mehr Geld vom Bund fĂŒr den öffentlichen Personennahverkehr 2025. Der Bund mĂŒsse auch «seiner Verantwortung fĂŒr eine dauerhafte Finanzierung des Deutschlandtickets nachkommen», hieĂ es in einer ErklĂ€rung.
Auch beim Flugverkehr fordern die Regierungschefs Verbesserungen. «Mehr als 30 Jahre nach der Wiedervereinigung ist es untragbar, dass von westdeutschen FlughĂ€fen tĂ€glich 172 LangstreckenflĂŒge starten, wĂ€hrend es in ganz Ostdeutschland lediglich drei sind, die ĂŒber den Flughafen Berlin-Brandenburg abgewickelt werden», sagte Berlins Regierender BĂŒrgermeister Kai Wegner (CDU). «Damit ist die Region fast komplett vom interkontinentalen Luftverkehr abgeschnitten. Das darf nicht sein.»
Bedeutung Berlins fĂŒr die ostdeutschen LĂ€nder
Berlin habe besondere Bedeutung fĂŒr die ostdeutschen LĂ€nder, man habe ein Interesse daran, dass sich die Stadt gut entwickele, betonte auch Haseloff. Die geringe Zahl von LangstreckenflĂŒgen sei eine historische Unwucht, nötig sei eine bessere internationale Anbindung Berlins.
Weiterhin drĂ€ngen die Regierungschefs darauf, dass die Herausforderungen der Menschen im lĂ€ndlichen Raum stĂ€rker in den Blick genommen werden. Mecklenburg-Vorpommerns MinisterprĂ€sidentin Manuela Schwesig (SPD) sagte, mehr als die HĂ€lfte der deutschen Bevölkerung lebe im lĂ€ndlichen Raum. «Deshalb darf er nicht abgekoppelt werden.» Schwesig forderte Lösungen beim Streit um die Netzentgelte sowie beim Agrardiesel. AuĂerdem wollen die LĂ€nder eine Erhöhung der Pendlerpauschale, um Pendler von steigenden Treibstoffpreisen zu entlasten.
Demografische Herausforderungen und FachkrÀftemangel
Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider (SPD), verwies auf die demografischen Herausforderungen. In den fĂŒnf ostdeutschen FlĂ€chenlĂ€ndern nimmt die Bevölkerung tendenziell ab und sie wird Ă€lter. Schneider sagte, nach 1990 seien viele Menschen aus dem lĂ€ndlichen Raum weggezogen. Man mĂŒsse Menschen zum Zuzug bewegen, es sei eine FachkrĂ€fterĂŒckwanderung nötig.
Um dem drohenden Ărztemangel zu begegnen, forderte Haseloff mehr Freiheiten bei der Vergabe von MedizinstudienplĂ€tzen. Man stehe vor einem absoluten Dilemma bei der Gesundheitsversorgung, sagte der CDU-Politiker. Bis 2030 gehen viele Ărzte im Osten in den Ruhestand. In mehreren LĂ€ndern wird bemĂ€ngelt, dass viele junge Menschen, die aus anderen Teilen Deutschlands zum Studium in den Osten kommen, die Region nach dem Abschluss wieder verlassen.
MedizinstudienplĂ€tze im Osten mĂŒssten stĂ€rker mit Menschen aus den jeweiligen LĂ€ndern besetzt werden können, schlug Haseloff vor. Die Absolventen sollen nach dem Studium stĂ€rker gehalten werden. Ohne Ănderung der bisherigen Praxis wĂŒrden 50 Prozent der Arztpraxen in den nĂ€chsten zehn Jahren keinen Nachfolger finden, warnte der sachsen-anhaltische Regierungschef. «Wir brauchen hier einen Aufbruch.»


