Deutschland, Rente

BundesbĂŒrger gehen spĂ€ter in Rente

22.08.2023 - 12:17:34

Die Rente ist unter Druck - deshalb wurden zuletzt immer wieder Forderungen nach einem spÀteren Renteneintritt laut. Dabei hat sich durch höhere Altersgrenzen hier schon etwas bewegt.

Die Menschen in Deutschland gehen im Schnitt immer spĂ€ter in Rente. So stieg im vergangenen Jahr das Alter des Rentenbeginns im Schnitt auf 64,4 Jahre, wie der neue Rentenatlas der Rentenversicherung zeigt. Hauptgrund fĂŒr den Anstieg ist, dass die Altersgrenze fĂŒr eine abschlagsfreie Rente fĂŒr besonders langjĂ€hrige Versicherte gestiegen ist, wie ein Sprecher der Rentenversicherung in Berlin sagte. Gewerkschafter und der Sozialverband Deutschland (SoVD) forderten vor dem Hintergrund, die Debatte ĂŒber eine weitere Heraufsetzung des Rentenalters zu beenden.

Laut Rentenatlas lag das Zugangsalter zu Altersrenten bei MĂ€nnern im Jahr zuvor noch 64,1 Jahren und 2001 erst bei 62,4 Jahre. Bei den Frauen stieg das Rentenzugangsalter von 62,5 Jahren 2001 und 64,2 Jahren 2021 auf wie bei den MĂ€nnern 64,4 Jahre im vergangenen Jahr.

Rente mit 64 statt mit 63

Die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren galt zunĂ€chst als «Rente mit 63», weil zunĂ€chst Menschen mit Geburtsjahr vor 1953 so bereits mit 63 Jahren ohne AbschlĂ€ge in Rente gehen konnten. Im vergangenen Jahr lag die Altersgrenze bei 64 Jahren, wie der Sprecher erlĂ€uterte. Ab Geburtsjahrgang 1964 gibt es die abschlagsfreie Rente dann frĂŒhestens mit 65 Jahren.

Ein vorzeitiger Rentenbeginn ist nach wie vor gefragt. Mit Blick auf die enormen Summen, die die Rentenkasse aus BeitrĂ€gen und Steuern braucht, hatte ArbeitgeberprĂ€sident Rainer Dulger eine sofortige Abschaffung der abschlagsfreien Rente fĂŒr besonders langjĂ€hrige Versicherte gefordert. Die Chefin der Bundesagentur fĂŒr Arbeit (BA), Andrea Nahles, hatte vergangene Woche in einem Interview eine Abschaffung von FrĂŒhverrentungsprogrammen fĂŒr Ă€ltere BeschĂ€ftigte in deutschen Firmen gefordert. Die BeschĂ€ftigungsquoten Älterer seien zwar seit 2015 spĂŒrbar gestiegen - bei Älteren stecke aber noch ein erhebliches ArbeitskrĂ€ftepotenzial gegen den FachkrĂ€ftemangel.

Zu den weiteren GrĂŒnden fĂŒr den spĂ€teren durchschnittlichen Rentenbeginn zĂ€hlt vor allem die Heraufsetzung des generellen Rentenalters auf 67 bis 2031, wie der Rentenatlas hervorhebt. Menschen mit Geburtsjahrgang 1956 konnten zum Beispiel mit 65 Jahren und zehn Monaten in Rente gehen.

LĂ€ngerer Rentenbezug

Gleichzeitig dĂ€mpfte die steigende Altersgrenze bis zur Rente den Anstieg bei der Dauer des Rentenbezugs. So erhielten die Rentnerinnen und Rentner in den vergangenen Jahren im Schnitt immer lĂ€nger ihre BezĂŒge. Bei den MĂ€nnern stieg die Dauer des Rentenbezugs binnen zehn Jahren von 16,7 auf 18,8 Jahre im vergangenen Jahr. Im Vergleich zum Vorjahr blieb der Anstieg aber konstant. Die Frauen erhielten im Schnitt 22,2 Jahre lang ihre Rente, etwas lĂ€nger als im Vorjahr und knapp ein Jahr lĂ€nger als zehn Jahre zuvor. Den lĂ€ngeren Rentenbezug fĂŒhrte die Rentenversicherung auf die steigende Lebenserwartung zurĂŒck.

Debatte ĂŒber Rentenreform

Die Bundesregierung will in den kommenden Wochen ein Reformkonzept fĂŒr die langfristige Stabilisierung der Renten vorlegen. Geplant ist unter anderem, einen kĂŒnftigen Beitragsanstieg durch ErtrĂ€ge von Anlagen auf dem Aktienmarkt abzufedern. Gleichzeitig flammte in den vergangenen Wochen immer wieder eine Debatte ĂŒber lĂ€ngeres Arbeiten auf.

So hatte sich die «Wirtschaftsweise» Veronika Grimm zuletzt dafĂŒr ausgesprochen, das Renteneintrittsalter bei steigender Lebenserwartung automatisch anzuheben. Entsprechende Forderungen waren mehrfach erhoben wurden.

SoVD-Chefin Michaela Engelmeier hielt solchen Forderungen entgegen: «Nur wenige können sich den frĂŒheren Renteneintritt leisten.» Denn das Renteneintrittsalter steige zwar, liege aber immer noch deutlich unter der regulĂ€ren Altersgrenze. Dies sei ein Zeichen dafĂŒr, dass die Menschen gesundheitlich nicht mehr könnten. «Eine weitere Anhebung der Regelaltersgrenze ist darum sinnlos», sagte Engelmeier der Deutschen Presse-Agentur. Hans-JĂŒrgen Urban vom Vorstand der IG Metall sagte der dpa: «Jede Anhebung des Rentenalters auf dem Papier bedeutet in der RealitĂ€t fĂŒr Versicherte weniger im Geldbeutel durch RentenabschlĂ€ge.» Das durchschnittliche Rentenzugangsalter steige ohnehin - damit verbiete sich «jede Diskussion» um weitere Erhöhungen der Regelaltersgrenze.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte auf einer Wahlkampfveranstaltung in MĂŒnchen eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters bereits ausgeschlossen. CDU-GeneralsekretĂ€r Carsten Linnemann hatte steuerliche Entlastungen bei Hinzuverdienst in der Rente gefordert.

@ dpa.de