Deutschland, Rente

Riester-Nachfolger: Was fĂŒr die private Vorsorge gelten soll

24.03.2026 - 15:23:19 | dpa.de

Die schwarz-rote Koalition zeigt sich reformfÀhig: GerÀuschlos einigen sich Union und SPD auf eine neue private Altersvorsorge. Was kann der Riester-Nachfolger?

Die Riester-Rente wird abgelöst. (Symbolbild) - Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
Die Riester-Rente wird abgelöst. (Symbolbild) - Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Privat fĂŒrs Alter vorsorgen, das soll sich kĂŒnftig auch fĂŒr Menschen mit wenig Geld und fĂŒr SelbststĂ€ndige stĂ€rker lohnen. Union und SPD haben sich auf Details fĂŒr eine neue staatliche Förderung geeinigt. Damit soll es ab Januar 2027 einen attraktiven Nachfolger fĂŒr die immer unbeliebtere Riester-Rente geben. 

Warum ist das nötig?

Die Riester-Rente sollte BĂŒrgern Sicherheit bringen, deren gesetzliche Rente perspektivisch nicht ausreichen wird. Sie wird mit staatlichen Zulagen und Steuervorteilen gefördert. Außerdem sind Anbieter verpflichtet, eingezahlte BeitrĂ€ge zu 100 Prozent zu garantieren, sodass man kein Risiko eingeht. Deswegen sind aber die Renditechancen auch enorm eingeschrĂ€nkt. Zugleich fallen hohe Abschluss- und Verwaltungskosten an, die an Versicherungen und Finanzinstitute gehen.

Viele haben sich daher bereits entschieden, nicht weiter in ihre Riester-VertrĂ€ge einzuzahlen oder sie ganz zu kĂŒndigen. Ende 2024 gab es nach Zahlen des Bundesarbeitsministeriums noch knapp unter 15 Millionen – doch in geschĂ€tzte 20 bis 25 Prozent davon wurde ĂŒberhaupt nicht mehr eingezahlt. 

Welche Möglichkeiten soll es kĂŒnftig geben?

Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat Folgendes vorgeschlagen: Es soll weiterhin eine private Altersvorsorge geben, bei der 100 Prozent der eingezahlten BeitrĂ€ge garantiert auch ausgezahlt werden. Dazu kommt eine Variante mit 80-prozentiger Garantie. Damit können die Versicherer die BeitrĂ€ge schon etwas gewinnbringender am Kapitalmarkt anlegen. Neu eingefĂŒhrt wird jedoch vor allem ein Altersvorsorgedepot, das hohe Renditen am Kapitalmarkt ermöglicht, aber keine Garantien gibt. 

Was wurde im Bundestag nachgebessert?

Klingbeil hatte vorgeschlagen, dass die Kosten fĂŒr ein Standarddepot (fĂŒr alle, die wenig Erfahrung am Kapitalmarkt haben) auf 1,5 Prozent gedeckelt werden sollten. Daran gab es breite Kritik: Hohe Renditen seien so nicht möglich. Union und SPD einigten sich nun auf einen Kostendeckel von 1 Prozent der Effektivkosten. 

Außerdem neu: Auch SelbststĂ€ndige sollen die Möglichkeit zur Vorsorge mit Förderung bekommen. «Denn auch bei den SelbststĂ€ndigen haben wir prekĂ€re Situationen im Alter», machten die KoalitionĂ€re klar. 

Wieviel schießt der Staat zu?

Auch hier besserte die Koalition noch einmal nach, vor allem fĂŒr Familien und fĂŒr Sparer, die keine hohen Summen einzahlen können. 

Klingbeil hatte vorgeschlagen, dass der Staat fĂŒr jeden eingezahlten Euro bis jĂ€hrlich 1.200 Euro 30 Cent zuschießt (ab 2029 35 Cent). FĂŒr jeden eingezahlten Euro zwischen 1.201 und 1.800 Euro sollte es 20 Cent geben. Die Grundzulage könne damit bis zu 480 Euro jĂ€hrlich betragen, rechnete das Finanzministerium.

Jetzt einigten sich Union und SPD auf ein anderes Modell: FĂŒr jeden eingezahlten Euro bis jĂ€hrlich 360 Euro soll es 50 Cent vom Staat geben. FĂŒr jeden eingezahlten Euro zwischen 360 und 1.800 Euro dann 25 Cent. Die maximale Grundzulage steigt damit auf 540 Euro jĂ€hrlich. Am grĂ¶ĂŸten ist der Vorteil fĂŒr Sparer, die monatlich nur bis zu 30 Euro zurĂŒcklegen können. 

Außerdem sollen Eltern schon ab einem monatlichen Sparbeitrag von 25 Euro den vollen Kinderzuschlag von 300 Euro pro Kind und Jahr erhalten können. Der Staat gebe Eltern, die nur sehr wenig zurĂŒcklegen könnten, damit fĂŒr jeden Euro Eigenbeitrag einen Euro hinzu, rechnen die KoalitionĂ€re vor.

Was bedeutet das fĂŒr die Staatskasse?

Durch die von Union und SPD ausgehandelten Änderungen wird die neue Altersvorsorge teurer. Allein, dass kĂŒnftig auch SelbststĂ€ndige gefördert werden, kostet nach Angaben der Koalition rund 370 Millionen Euro zusĂ€tzlich. Die Anhebung der FördersĂ€tze kostet den Staat demnach weitere 15 Millionen. 

Was hÀlt der Finanzminister davon?

Klingbeil lobte den Kompromiss. «Wir machen es fĂŒr alle Generationen und alle Einkommen leichter, privat fĂŒrs Alter vorzusorgen», erklĂ€rte er. Die private Altersvorsorge werde gĂŒnstiger, einfacher und unbĂŒrokratischer. Und er versprach: Die Bundesregierung arbeite auch an der Umsetzung der sogenannten FrĂŒhstartrente. Perspektivisch sollen alle Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren damit monatlich zehn Euro vom Staat fĂŒr ein Altersvorsorgedepot bekommen. Los geht es mit dem Geburtsjahrgang 2020. Ab 2029 sollen auch Ă€ltere JahrgĂ€nge berĂŒcksichtigt werden – welche genau das betrifft, ist noch offen. 

Ab wann kann man die neue Vorsorge abschließen?

Der Bundestag soll das Gesetz noch in dieser Woche beschließen, danach ist der Bundesrat am Zug. Zum 1. Januar 2027 sollen die neuen Vorsorge-Produkte dann auf dem Markt sein. 

Bis dahin haben auch Inhaber alter Riester-VertrĂ€ge also noch Zeit, ĂŒber einen Wechsel nachzudenken. FĂŒr die AltvertrĂ€ge gibt es zwar einen Bestandschutz, man kann aber auch in ein neues Modell wechseln, ohne die bisherige Förderung zurĂŒckzahlen zu mĂŒssen. Es können allerdings Wechsel-, Abschluss- und Vertriebskosten anfallen, die laut Finanzministerium gesetzlich gedeckelt werden.

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