Migration, D-Ticket - Ergebnisse des Bund-LĂ€nder-Gipfels
07.11.2023 - 04:44:55EindĂ€mmung irregulĂ€rer Migration, mehr Tempo bei Planungen, Deutschlandticket: Bei ihrem mit Spannung erwarteten Spitzenreffen haben die Regierungschefs der 16 BundeslĂ€nder und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zahlreiche BeschlĂŒsse gefasst. Ein Ăberblick:
Asylverfahren
Insgesamt soll die Zahl der im Wege der Fluchtmigration nach Deutschland Kommenden deutlich und nachhaltig gesenkt werden. Asylverfahren fĂŒr Angehörige von Staaten, fĂŒr die die Anerkennungsquote weniger als fĂŒnf Prozent betrĂ€gt, sollen zĂŒgiger als bisher abgeschlossen werden. Ziel ist, das Asyl- und das anschlieĂende Gerichtsverfahren bei ihnen jeweils in drei Monaten abzuschlieĂen. In allen anderen FĂ€llen sollen die Asylverfahren regelhaft nach sechs Monaten beendet sein.
Grenzkontrollen
Grenzkontrollen an den Landesgrenzen zu Ăsterreich, zur Schweiz, zur Tschechischen Republik und zu Polen sollen aufrechterhalten werden. Die LĂ€nder und die Bundespolizei wollen weiter eng bei der BekĂ€mpfung der SchleusungskriminalitĂ€t und der irregulĂ€ren Einwanderung zusammenarbeiten.
Kosten fĂŒr die Versorgung von FlĂŒchtlingen
Die bestehende FlĂŒchtlingspauschale des Bundes soll ab dem nĂ€chsten Jahr zu einer von der Zahl der Schutzsuchenden abhĂ€ngigen Pro-Kopf-Pauschale weiterentwickelt werden («atmendes System»). Ab 2024 zahlt der Bund fĂŒr jeden Asylerstantragssteller eine jĂ€hrliche Pauschale von 7500 Euro. In der ersten HĂ€lfte des Jahres 2024 soll es eine Abschlagszahlung von 1,75 Milliarden Euro geben.
Die neue Pauschale und Anpassungen bei Leistungen fĂŒr Asylbewerber wĂŒrden laut dem Beschlusspapier im kommenden Jahr zu einer Entlastung bei LĂ€ndern und Kommunen von rund 3,5 Milliarden Euro fĂŒhren - basierend auf den Zugangszahlen dieses Jahres.
Leistungen fĂŒr Asylbewerber
Barauszahlungen an LeistungsempfĂ€nger nach dem Asylbewerberleistungsgesetz sollen eingeschrĂ€nkt werden. Das soll den Verwaltungsaufwand bei den Kommunen minimieren. Hierzu soll eine Bezahlkarte eingefĂŒhrt werden. Bis zum 31. Januar 2024 soll dafĂŒr ein Modell erarbeitet werden. FĂŒr Asylbewerber, die seit mehr als eineinhalb Jahren in Deutschland sind, sollen Leistungen eingeschrĂ€nkt werden: Wenn sich ein Asylverfahren lange hinziehe, sollten nicht 18, sondern 36 Monate lang Leistungen aus dem Asylbewerberleistungsgesetz gezahlt werden. Bislang steigen die SĂ€tze nach eineinhalb Jahren ungefĂ€hr auf Höhe der regulĂ€ren Sozialhilfe - dieser Schritt soll kĂŒnftig spĂ€ter erfolgen.
Asylverfahren in Drittstaaten
Die Bundesregierung will prĂŒfen, ob Asylverfahren auĂerhalb Europas möglich sind. GeprĂŒft werden soll, ob die Feststellung des Schutzstatus von GeflĂŒchteten unter Achtung der Genfer FlĂŒchtlingskonvention und der EuropĂ€ischen Menschenrechtskonvention zukĂŒnftig auch in Transit- oder Drittstaaten erfolgen kann.
Kommission fĂŒr Migration
Die Bundesregierung wird zu Fragen der Steuerung der Migration und der besseren Integration in Abstimmung mit den LĂ€ndern eine Kommission einrichten. Dabei sollen gesellschaftliche Gruppen einbezogen werden - zum Beispiel Kirchen und Gewerkschaften sollen teilnehmen, aber auch Wissenschaftler und Vertreter von Organisationen, die sich fĂŒr die Belange von Asylbewerbern einsetzen.
Weitere MaĂnahmen zur Migration
Intensiv sollen GesprĂ€che zu Migrationsabkommen mit weiteren HerkunftslĂ€ndern gefĂŒhrt werden. Der Zuzug an den europĂ€ischen AuĂengrenzen soll begrenzt werden und dafĂŒr das Zustandekommen des Gemeinsamen EuropĂ€ischen Asylsystems auf EU-Ebene vorangetrieben werden. FlĂŒchtlinge sollen an den AuĂengrenzen der EU strikt ĂŒberprĂŒft und registriert werden.
Schnellere Planung
Mehr Tempo in Planungs- und Genehmigungsverfahren soll den Bau von WindrÀdern, Stromtrassen, Bahnstrecken und Wohnungen beschleunigen. Bund und LÀnder einigten sich auf einen Beschleunigungspakt zur Verschlankung von Verfahren und zur Reduzierung von Genehmigungsverfahren. So soll etwa der Bau von Wohnungen, der Ausbau von Dachgeschossen und das Aufstellen von Mobilfunkmasten erleichtert werden. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sprach von rund 100 Einzelregelungen, die das Paket umfasse.
Deutschlandticket
Zur Finanzierung des Deutschlandtickets im Nahverkehr sollen in diesem Jahr nicht verbrauchte Mittel 2024 fĂŒr den Ausgleich finanzieller Nachteile bei Verkehrsunternehmen eingesetzt werden können. AuĂerdem sollen die Verkehrsminister beauftragt werden, ein Konzept zur DurchfĂŒhrung des Tickets ab 2024 vorzulegen. In den Blick rĂŒckt dabei auch der Preis von bisher 49 Euro im Monat, der von vornherein als «EinfĂŒhrungspreis» bezeichnet worden war.


