US-Luftfahrtbehörde sieht SchwÀchen in Boeings QualitÀtsmanagement
27.02.2024 - 06:00:03In der Verkehrsflugzeug-Sparte fand eine FAA-Kommission etwa keinen einheitlichen und klaren Weg fĂŒr die Mitarbeiter, ĂŒber QualitĂ€tsmĂ€ngel zu berichten. "BeschĂ€ftigte verstanden nicht, wie die verschiedenen Berichtssysteme zu bedienen sind - und welches System sie wann nutzen sollten", hieĂ es in einem am Montag veröffentlichten Bericht. Die Mitarbeiter hĂ€tten es auch vorgezogen, die formellen Verfahren zu meiden und Probleme eher ihren Vorgesetzten mitzuteilen.
Nach GesprĂ€chen mit der Belegschaft seien auch Zweifel daran aufgekommen, dass man fĂŒr interne Meldungen ĂŒber QualitĂ€tsprobleme keine negativen Konsequenzen befĂŒrchten mĂŒsse. Die Kommission zeigte sich besorgt, dass Boeing-BeschĂ€ftigte entmutigt werden könnten, Probleme zu melden. Insgesamt gebe es unter Mitarbeitern Verwirrung ĂŒber ihre Rolle im Sicherheitsmanagement, da Verfahren und Schulungen dafĂŒr komplex seien und sich stĂ€ndig Ă€nderten.
In der Verkehrsflugzeug-Sparte fand die FAA-Kommission keinen einheitlichen und klaren Weg fĂŒr die Mitarbeiter, ĂŒber QualitĂ€tsmĂ€ngel zu berichten. "BeschĂ€ftigte verstanden nicht, wie die verschiedenen Berichtssysteme zu bedienen sind - und welches System sie wann nutzen sollten", hieĂ es in dem Bericht. Die Mitarbeiter hĂ€tten es auch vorgezogen, die formellen Verfahren zu meiden und Probleme eher ihren Vorgesetzten mitzuteilen.
Als Teil der Untersuchung hatte die Kommission Boeing auch aufgefordert, zu belegen, dass die Sicherheit oberste PrioritÀt habe. Doch Unterlagen, Befragungen und GesprÀchen mit Mitarbeitern hÀtten nicht gezeigt, dass Boeing dem Ziel so grundlegend verbunden sei, wie der Konzern es selbst behaupte, hieà es.
Boeing betonte in einer Reaktion, man habe die FAA-Kommission in ihrer Arbeit unterstĂŒtzt und bereits MaĂnahmen zur Verbesserung der QualitĂ€tskultur ergriffen. Man werde den Bericht auswerten und daraus SchlĂŒsse fĂŒr weitere MaĂnahmen ziehen.
Der Flugzeugbauer steht aktuell nach einem dramatischen Zwischenfall unter verstĂ€rktem Druck, die QualitĂ€tskontrollen zu verbessern. Anfang Januar war bei einer so gut wie neuen 737-9 Max mit mehr als 170 Menschen an Bord kurz nach dem Start im Steigflug ein Rumpfteil an der Sitzreihe 26 herausgebrochen. Bei dem Vorfall mit einer Maschine der Fluggesellschaft Alaska Airlines wurde niemand ernsthaft verletzt - zufĂ€llig waren die beiden PlĂ€tze direkt an der Ăffnung leer geblieben.
Die US-Unfallermittlungsbehörde NTSB geht nach einer Untersuchung davon aus, dass an dem Fragment Befestigungsbolzen fehlten. Boeing-Chef Dave Calhoun ĂŒbernahm die Verantwortung fĂŒr den Fehler.
Die FAA-Kommission schrÀnkte ein, dass Untersuchungen einzelner VorfÀlle nicht zu ihren Aufgaben gehört habe. Doch die wÀhrend ihrer Arbeit bekannt gewordenen Probleme hÀtten ihre Besorgnis verstÀrkt.
Die Untersuchung hatte im MĂ€rz 2023 begonnen. Boeing war bereits vor fĂŒnf Jahren in die Kritik geraten, nachdem zwei Max-Maschinen abstĂŒrzten und dabei 346 Menschen starben. Das Problem lag laut Unfallermittlern in einer Assistenzsoftware. Behörden in aller Welt verhĂ€ngten deshalb Flugverbote fĂŒr den Typ: Ab MĂ€rz 2019 durften Max-Flugzeuge mehr als eineinhalb Jahre lang nicht abheben und wurden erst nach technischen Verbesserungen wieder zugelassen. Den Hersteller kostete das Debakel Milliarden.

