Straße von Hormus, Vereinigte Arabische Emirate

Emirate setzen in Hormus-Krise auf Iran-Diplomatie und US-Sanktionen

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 16:42 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die Vereinigten Arabischen Emirate kündigen in der Krise um die Straße von Hormus einen pragmatischen Kurs gegenüber dem Iran an und wollen zugleich die US-Sanktionen mit voller Härte umsetzen. Der erste Staatsbesuch von Präsident Mohammed bin Zayed in Deutschland soll eine strategische Partnerschaft begründen und die Zusammenarbeit in Energie- und Sicherheitsfragen vertiefen.

Emirate werben für pragmatischen Umgang mit dem Iran
Anti-Iran-Protest (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die Vereinigten Arabischen Emirate werben in der aktuellen Krise rund um die Straße von Hormus für einen pragmatischen Umgang mit dem Iran. Zugleich kündigt die Führung in Abu Dhabi an, die US-Sanktionspolitik gegen Teheran vollständig und mit größtmöglicher Härte umzusetzen.

Emirate setzen auf Diplomatie und Druck

„Wir sind offen für eine diplomatische Annäherung und der Staat Katar leistet gute Arbeit als Vermittler“, sagte die Staatsministerin im Außenministerium der VAE, Lana Nusseibeh, der „Welt“. Man werde einen „pragmatischen Umgang mit dem Iran finden müssen“, fügte sie hinzu. Mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen betonte Nusseibeh, ihr Land sei sich der Ereignisse der vergangenen vier Monate des Krieges bewusst und auf jedes Szenario vorbereitet.

Gleichzeitig stellte sie klar, dass die Emirate die von den USA verhängten Sanktionen gegen den Iran „in vollem Umfang und mit größtmöglicher Härte“ umsetzen werden. Damit verbindet Abu Dhabi diplomatische Öffnung mit einer strikten Unterstützung des westlichen Drucks auf Teheran.

Strategische Partnerschaft mit Deutschland

Am Donnerstag trifft der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan, zu einem Staatsbesuch in Deutschland ein. Es ist der erste Besuch eines emiratischen Staatsoberhauptes in der Bundesrepublik. Beide Länder wollen im Zuge der Reise eine strategische Partnerschaft eingehen.

Nusseibeh betonte, die Emirate würden sich in der Hormus-Krise auch im Sinne Deutschlands für eine Beilegung der Blockade einsetzen, die die globalen Energiemärkte belastet. Die „Achtung für das Völkerrecht“ und das „Interesse an Versorgungssicherheit durch freie Schifffahrt“ verbinde Deutschland und die Emirate, sagte die Staatsministerin.

Freie Schifffahrt als gemeinsames Ziel

Mit ihrer Haltung positionieren sich die VAE als Akteur, der sowohl mit den westlichen Partnern als auch mit regionalen Staaten wie Katar zusammenarbeitet, um Spannungen rund um die Straße von Hormus zu entschärfen. Der angekündigte Staatsbesuch in Berlin unterstreicht den Anspruch Abu Dhabis, eine Rolle bei der Sicherung freier Handelswege und verlässlicher Energieversorgung zu übernehmen.

Die jüngsten Aussagen der emiratischen Staatsministerin Lana Nusseibeh fallen in eine Phase massiv verschärfter Spannungen rund um die Straße von Hormus. Die Meerenge ist einer der wichtigsten Engpässe des globalen Ölhandels, ein erheblicher Teil der weltweiten Rohölexporte aus dem Golf passiert diese Route.

Hintergrund der Hormus-Krise

Der Iran hat die Meerenge nach anhaltenden Gefechten weitgehend blockiert, während die USA ihrerseits eine Seeblockade iranischer Häfen durchsetzen. In den vergangenen Tagen ist der Schiffsverkehr dort auf den niedrigsten Stand seit Monaten gefallen, was die Versorgung der Weltmärkte einschränkt und die Ölpreise deutlich steigen lässt.

Der Iran kündigte zudem an, nahe der Straße von Hormus eine zusätzliche Sperrzone einzurichten. Schiffe, die diese Zone passieren, sollen auf Sanktionslisten gesetzt werden. Damit wächst das Risiko für Reedereien und Energieunternehmen weiter, die Route zu nutzen.

Bedeutung für Deutschland und Europa

Für Deutschland und die EU, die zwar weniger direkt vom Golföl abhängig sind als asiatische Staaten, wirken sich die Spannungen vor allem über die weltweiten Energiepreise aus. Teurere Ölimporte treiben Kraftstoff- und Logistikkosten, was wiederum Industrie und Verbraucher belastet. Experten gehen bereits von weiter steigenden Ölpreisen aus.

Vor diesem Hintergrund erhält der erste Staatsbesuch von Präsident Mohammed bin Zayed in der Bundesrepublik zusätzliches Gewicht. Die angekündigte strategische Partnerschaft mit den Emiraten berührt nicht nur klassische Wirtschafts- und Rüstungsthemen, sondern zunehmend auch Energie- und Sicherheitspolitik. Nusseibehs Hinweis auf gemeinsame Interessen an freier Schifffahrt und Versorgungssicherheit deutet darauf hin, dass Berlin und Abu Dhabi ihre Zusammenarbeit in der Golfregion vertiefen und dabei sowohl auf Abschreckung gegenüber dem Iran als auch auf diplomatische Kanäle – etwa über Katar – setzen wollen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „Iran will nahe Straße von Hormus "Sperrzone" einrichten" (07.09.2026)

Der Beitrag beschreibt die weitgehende Blockade der Straße von Hormus durch den Iran und die US-Seeblockade iranischer Häfen als Kern der aktuellen Krise. Er hebt hervor, dass Teheran eine zusätzliche Sperrzone ankündigt und jedes einfahrende Schiff sanktionieren will, was den Druck auf den globalen Handel und die Energiemärkte weiter erhöht. Im Vergleich zur dts-Meldung liegt der Schwerpunkt stärker auf den konkreten militärischen und wirtschaftlichen Maßnahmen Irans und der USA, während die Rolle der Emirate kaum thematisiert wird.

Deutschlandfunk: „Experten gehen von weiter steigenden Ölpreisen aus" (07.09.2026)

Dieser Artikel stellt die Auswirkungen der Hormus-Krise auf die internationalen Ölpreise und die Kraftstoffkosten in den Vordergrund. Er verweist auf stark gesunkene Schiffszahlen in der Meerenge und skizziert Szenarien, in denen der Ölpreis deutlich weiter steigen könnte. Während die dts-Meldung den diplomatischen und sicherheitspolitischen Ansatz der Emirate betont, ordnet der Deutschlandfunk dieselben Ereignisse primär aus wirtschaftlicher Perspektive ein und zeigt, wie der Konflikt Verbraucher und Unternehmen erreicht.

Gemeinsam machen die Beiträge deutlich, dass die Blockade der Straße von Hormus und die geplante Sperrzone des Iran den Kern der Krise bilden und bereits spürbare Folgen für Handel und Energiepreise haben. Unterschiede bestehen vor allem im Fokus: Die dts-Meldung beleuchtet die diplomatische Position und Sanktionspolitik der Emirate sowie deren Annäherung an Deutschland, während die anderen Artikel die militärische Zuspitzung und ökonomischen Auswirkungen stärker hervorheben. Offen bleibt, ob und wie die von Abu Dhabi angekündigten Vermittlungsbemühungen zur Entschärfung der Lage beitragen können.

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