Deutschland, Nordrhein-Westfalen

Strom-Sabotage: Suche nach VerdÀchtigem lÀuft

Veröffentlicht am: 05.09.2026 um 01:49 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die versuchten Sabotageakte gegen das deutsche Stromnetz hĂ€ufen sich, es gibt Bekennerschreiben. Das Fahrzeug des mutmaßlichen Verfassers hat die Polizei gefunden - doch er selbst ist noch flĂŒchtig.

  • Dieser zu einem Wohnwagen umgebaute Lkw soll dem TatverdĂ€chtigen gehören. - Bild: Daniel Evers/WupperVideo/dpa
    Dieser zu einem Wohnwagen umgebaute Lkw soll dem TatverdÀchtigen gehören. - Bild: Daniel Evers/WupperVideo/dpa
  • In der Wohnung des TatverdĂ€chtigen wurde Sprengstoff gefunden.  - Bild: Christoph Reichwein/dpa
    In der Wohnung des TatverdÀchtigen wurde Sprengstoff gefunden. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
  • In den Bekennerschreiben wird die Verbrennung fossiler Brennstoffe kritisiert. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
    In den Bekennerschreiben wird die Verbrennung fossiler Brennstoffe kritisiert. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
  • Die Polizei war am Freitag in einem Wald im Einsatz, wo das Fahrzeug des TatverdĂ€chtigen gefunden wurde. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
    Die Polizei war am Freitag in einem Wald im Einsatz, wo das Fahrzeug des TatverdÀchtigen gefunden wurde. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
  • In den vergangenen Tagen hatte es mehrere versuchte Sabotagen gegen die Stromversorgung gegeben, unter anderem in Brandenburg. (Archivbild) - Bild: Frank Hammerschmidt/dpa
    In den vergangenen Tagen hatte es mehrere versuchte Sabotagen gegen die Stromversorgung gegeben, unter anderem in Brandenburg. (Archivbild) - Bild: Frank Hammerschmidt/dpa
Dieser zu einem Wohnwagen umgebaute Lkw soll dem TatverdÀchtigen gehören. - Bild: Daniel Evers/WupperVideo/dpa In der Wohnung des TatverdÀchtigen wurde Sprengstoff gefunden.  - Bild: Christoph Reichwein/dpa In den Bekennerschreiben wird die Verbrennung fossiler Brennstoffe kritisiert. - Bild: Christoph Reichwein/dpa Die Polizei war am Freitag in einem Wald im Einsatz, wo das Fahrzeug des TatverdÀchtigen gefunden wurde. - Bild: Christoph Reichwein/dpa In den vergangenen Tagen hatte es mehrere versuchte Sabotagen gegen die Stromversorgung gegeben, unter anderem in Brandenburg. (Archivbild) - Bild: Frank Hammerschmidt/dpa

Die Polizei fahndet weiter mit Hochdruck nach einem Mann, der Sabotageaktionen gegen das deutsche Stromnetz verĂŒbt haben soll. Nach Angaben der Polizei Köln dauerte die Suche nach dem 48-JĂ€hrigen am Morgen an. Die VorfĂ€lle konzentrieren sich auf Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und zuletzt Sachsen, wobei ein Zusammenhang noch untersucht wird. In allen drei BundeslĂ€ndern wird noch Braunkohle abgebaut und verstromt. 

Am Freitag hatten Beamte in der Wohnung des TatverdĂ€chtigen in Gevelsberg (NRW) Sprengstoff gefunden. SpĂ€ter stĂŒrmte ein Spezialeinsatzkommando am Nachmittag im rund 100 Kilometer entfernten Niederzier in einem Wald einen Lastwagen, der augenscheinlich zu einem Wohnmobil umgebaut worden war. Der Gesuchte wurde aber nicht vorgefunden.

Hintergrund der Fahndung sind zwei Bekennerschreiben, die bei mehreren MedienhÀusern eingingen und auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. «Das Wissen, was offenbart wird in diesen Schreiben, das ist eindeutiges TÀterwissen», sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). 

Das mögliche Motiv

Zum Motiv sagte Dobrindt, es handele sich sehr wahrscheinlich um «Klimaterrorismus» eines EinzeltĂ€ters. In einem Bekennerschreiben heißt es: «Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen.»

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, wer im Namen des Klimaschutzes die Stromversorgung von KrankenhÀusern gefÀhrde, der rette nichts, sondern gefÀhrde Leben. «Keine Ideologie taugt als Ausrede», betonte Reul.

AuffĂ€llig ist, dass sich die betroffenen Orte in der NĂ€he von Gebieten befinden, in denen noch Braunkohle abgebaut wird. Aktiven Tagebau in Deutschland gibt es nach Angaben des Branchenverbandes Debriv in Nordrhein-Westfalen, im SĂŒden Brandenburgs und Sachsen-Anhalts sowie im Osten und Westen von Sachsen. 

Erster Fundort im SĂŒden Brandenburgs 

Am Dienstagmorgen hatte es zunĂ€chst im SĂŒden Brandenburgs einen Angriff auf die Stromversorgung gegeben. Nach dpa-Informationen wurde mit mehr als 20 selbst gebauten Raketen leitfĂ€higes Material in Richtung der Höchstspannungsleitungen im Umspannwerk Turnow-Preilack unweit des Kraftwerks JĂ€nschwalde gelenkt. In zwei FĂ€llen kam es zu einem Kurzschluss. Einen Stromausfall gab es nach Angaben des Netzbetreibers nicht. Die Polizei ermittelt nach der Sabotage des Stromnetzes unter anderem wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung.

Zweiter Fundort in der NÀhe von Köln

Am selben Abend kam es dann zu einer Störung an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln. Auch hier wurden Abschussvorrichtungen und Pyrotechnik gefunden. Laut RWE Power gingen fĂŒnf Braunkohle-Kraftwerksblöcke an den Kraftwerksstandorten Niederaußem und Neurath vom Netz. Mehrere davon gingen spĂ€ter wieder in Betrieb, einer soll aber erst kommende Woche wieder ans Netz gehen. Die allgemeine Stromversorgung war aber jederzeit gesichert. 

Weitere FĂ€lle in NRW

Am Donnerstagabend entdeckte ein SpaziergĂ€nger an einem Umspannwerk in Dormagen zwischen Köln und DĂŒsseldorf mutmaßliche Abschussvorrichtungen und alarmierte die Polizei. Nach einem Hinweis aus einem Bekennerschreiben suchte die Polizei am Freitag auch das GelĂ€nde rund um das Kraftwerk Weisweiler bei Aachen ab.

Am Freitagabend gab es dann bei einer Stromanlage in Hamm einen grĂ¶ĂŸeren Polizeieinsatz. Wie ein dpa-Reporter berichtete, kamen zahlreiche Polizeiwagen zu dem Ort an einer Landstraße bei einem WaldstĂŒck. Es war auch ein Hubschrauber im Einsatz. Ein Sprecher der Polizei sagte, es handele sich um eine ehemalige Stromanlage, die seit lĂ€ngerem außer Betrieb sei.

Neuer Fall in Sachsen

Auch in Ostsachsen entdeckte die Polizei insgesamt zwölf Sprengvorrichtungen im Bereich von Hochspannungstrassen. «Diese sollten SchĂ€den an den elektrischen Hochspannungsleitungen durch einen Kurzschluss herbeifĂŒhren», informierten die Sicherheitsbehörden. FĂŒndig wurden die Ermittler sĂŒdlich des Umspannwerks BĂ€rwalde nahe Lippen sowie östlich des Umspannwerks Graustein nahe Schleife. Die Orte befinden sich in der Lausitzer Braunkohleregion nahe der Grenze zu Brandenburg.

Am Freitag war es in der Region zu einem grĂ¶ĂŸeren Polizeieinsatz gekommen. Auslöser waren «behördenĂŒbergreifende Informationen» und die Meldung eines aufmerksamen BĂŒrgers. Aktuell werde eine Verbindung zu den anderen FĂ€llen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen geprĂŒft, informierten die Polizei und die Generalstaatsanwaltschaft Dresden. Der Einsatz lĂ€uft weiter.

Können Stromanlagen besser geschĂŒtzt werden? 

NRW-Innenminister Reul forderte als Konsequenz aus den VorfĂ€llen, kritische Infrastruktur besser zu schĂŒtzen. DafĂŒr brauche man klare Rechte und moderne Technik, etwa Kameras, Sensoren und Alarmsysteme.

Unter kritischer Infrastruktur versteht man all jene Bereiche, deren BeeintrĂ€chtigung oder Ausfall zu VersorgungsengpĂ€ssen, Störungen der öffentlichen Sicherheit und weiteren dramatischen Folgen fĂŒhren kann. Dazu gehören beispielsweise Energie, Informationstechnik, Transport, Verkehr, Gesundheit, Wasser, ErnĂ€hrung, Finanz- und Versicherungswesen, Staat und Verwaltung sowie Medien.

«So machen wir es AttentÀtern unnötig leicht»

Der Chef des Übertragungsnetzbetreibers Amprion, Christoph MĂŒller, sieht die Politik gefordert. «Die Wirtschaft muss viele Angaben zu Strom- und Gasnetzen öffentlich machen und ins Netz stellen. So machen wir es AttentĂ€tern unnötig leicht - egal, aus welcher Ecke sie kommen», sagte MĂŒller der «Rheinischen Post». Er forderte entschĂ€rfte Transparenzvorschriften und eine Erlaubnis dafĂŒr, Leitungen regelmĂ€ĂŸig mit Drohnen abfliegen und ĂŒberwachen zu können. Auch mĂŒsse es Unternehmen erlaubt werden, mit Kameras nicht nur das eigene GelĂ€nde, sondern auch die Umgebung zu beobachten. 

Amprion ist einer von vier großen Übertragungsnetzbetreibern in Deutschland und vor allem im Westen und SĂŒdwesten aktiv. Das Übertragungsnetz von Amprion erstreckt sich nach Firmenangaben ĂŒber rund 11.000 Kilometer Höchstspannungsleitungen von der Nordsee bis zu den Alpen ĂŒber sieben BundeslĂ€nder, darunter Nordrhein-Westfalen.

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