Diesel-Deal: Trump und Putin vereinbaren russische Lieferungen fĂŒr USA
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 21:43 Uhr | dpa, AD HOC NEWSUS-PrĂ€sident Donald Trump hat nach einem GesprĂ€ch mit Kremlchef Wladimir Putin umfangreiche russische Diesellieferungen fĂŒr die USA und den Weltmarkt angekĂŒndigt, wĂ€hrend Deutschland und die EU an ihren Sanktionen festhalten.
Lieferungen in mehreren Etappen
Trump teilte auf Truth Social mit, umgehend sollten mehr als 300.000 Tonnen Diesel bereitgestellt werden. Im November solle eine weitere halbe Million Tonnen folgen, danach eine Million Tonnen; abhÀngig vom Zustand russischer Raffinerien stellte er zusÀtzlich drei Millionen Tonnen in Aussicht.
Putin bestĂ€tigte die Vereinbarung und erklĂ€rte, Russland sei bereit, Erdöl und Erdölprodukte auf den amerikanischen und die WeltmĂ€rkte zu liefern. Die russische Regierung hob daraufhin ihr Exportverbot fĂŒr Dieselkraftstoff teilweise auf und ermöglichte zunĂ€chst die Ausfuhr von 500.000 Tonnen.
EU warnt vor Finanzierung des Krieges
Die EU kritisierte den Schritt. AuĂenbeauftragte Kaja Kallas erklĂ€rte, eine Lockerung der Sanktionen verschaffe Moskau zusĂ€tzliche Einnahmen zur Finanzierung des Krieges gegen die Ukraine. Russland hatte das Exportverbot zuvor verhĂ€ngt, um den eigenen Markt nach EngpĂ€ssen infolge ukrainischer Angriffe auf Raffinerien zu versorgen.
Selenskyj spricht von falschem Signal
Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Vereinbarung als ânicht fair und nicht ehrlichâ. Die Erlaubnis fĂŒr Russland, Erdölprodukte zu verkaufen, sei eine Investition in den Krieg; eine AbschwĂ€chung der Sanktionen sei ein Zeichen offensichtlicher SchwĂ€che.
Die USA erlaubten Verkauf, Lieferung, Entladen und Import russischen Diesels vorĂŒbergehend bis zum 7. April 2027. Trump begrĂŒndete den Schritt mit seinem Ziel, die Dieselpreise insbesondere fĂŒr Landwirte, ViehzĂŒchter und Lastwagenfahrer zu senken.
Berlin hÀlt an Sanktionen fest
Die Bundesregierung erklĂ€rte, Deutschland beziehe seit 2023 kein russisches Ăl und keine russischen Ălprodukte. Die UnterstĂŒtzung der Ukraine bleibe ungebrochen, die Versorgungssicherheit sei gewĂ€hrleistet. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie erwartet keine gröĂeren Auswirkungen auf deutsche Tankstellenpreise.
Trump wegen Spritpreisen unter Druck
Trump steht wegen gestiegener Kraftstoffpreise vor den US-Zwischenwahlen in weniger als einem Monat unter Druck. Nach Angaben der US-Energiebehörde EIA wĂŒrden 300.000 Tonnen Diesel rechnerisch den US-Verbrauch von gut 14 Stunden decken.
Auch aus den Reihen der US-Demokraten und der deutschen GrĂŒnen kam scharfe Kritik an der Vereinbarung. In Berlin verwies die Bundesregierung zugleich auf ihre unverĂ€nderte UnterstĂŒtzung fĂŒr Kiew und die geltenden europĂ€ischen Sanktionspakete.
US-Innenpolitik trifft Sanktionspolitik
Der Diesel-Deal fĂ€llt in eine Phase hoher Kraftstoffpreise in den USA. PrĂ€sident Donald Trump steht wenige Wochen vor den Zwischenwahlen unter innenpolitischem Druck und stellt niedrigere Preise fĂŒr Farmer, ViehzĂŒchter und Lastwagenfahrer in den Mittelpunkt. Der russische Diesel soll kurzfristig zusĂ€tzliches Angebot schaffen, die angekĂŒndigten Mengen bleiben im VerhĂ€ltnis zum US-Verbrauch jedoch begrenzt.
Begrenzter Preiseffekt möglich
Nach Angaben der US-Energiebehörde EIA decken 300.000 Tonnen rechnerisch etwa den US-Dieselverbrauch von gut 14 Stunden. Damit kann die erste Lieferung den angespannten Markt entlasten, sie ersetzt aber keine dauerhafte Versorgungslösung. Ob weitere Mengen tatsÀchlich exportiert werden können, hÀngt laut den vorliegenden Berichten vom Zustand russischer Raffinerien ab, die durch ukrainische Drohnenangriffe beeintrÀchtigt worden sind.
Signal an Europa und die Ukraine
FĂŒr Deutschland bleibt der unmittelbare wirtschaftliche Effekt gering, weil die EU seit Februar 2023 ein Importverbot fĂŒr russischen Diesel hat. Politisch verschĂ€rft die US-Ausnahmegenehmigung jedoch den Gegensatz zwischen Washingtons kurzfristigem Preisziel und der europĂ€ischen Sanktionslinie. FĂŒr Kiew ist entscheidend, dass Einnahmen aus Energieexporten den russischen Staat trotz des Angriffskriegs erreichen können. Die ukrainische Bereitschaft zu einem Stopp der Raffinerieangriffe im Gegenzug fĂŒr ein Ende russischer Angriffe auf ukrainische Energieanlagen verweist zugleich auf eine mögliche Verbindung von Energie- und Sicherheitsfragen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: âTrump kĂŒndigt russische Diesellieferungen anâ (10.10.2026)
Der Bericht bestĂ€tige die angekĂŒndigten Liefermengen, die russische Zustimmung und die befristete US-Ausnahme von den Sanktionen. Einen anderen Schwerpunkt setze er auf die begrenzte Wirkung fĂŒr den US-Markt: Experten zufolge entspreche die erste Menge rechnerisch nur rund 14 Stunden Verbrauch; offen bleibe, ob die Lieferungen zu einem nachhaltigen PreisrĂŒckgang fĂŒhrten.
n-tv: ââNicht fair und nicht ehrlichâ: Selenskyj zĂŒrnt ĂŒber Trumps Diesel-Deal mit Putinâ (10.10.2026)
Der Artikel bestÀtige den Deal und die Kritik des ukrainischen PrÀsidenten. Er betone stÀrker den innenpolitischen Zeitdruck durch die hohen US-Spritpreise sowie den Widerspruch zu den erst im September ausgeweiteten Sanktionsbefugnissen; zusÀtzlich stelle er Selenskyjs Vorschlag eines gegenseitigen Stopps von Angriffen auf Energieanlagen heraus.
Beide Berichte stellten die Vereinbarung als politisch umstritten und wirtschaftlich zunÀchst begrenzt wirkend dar. Unterschiedliche Akzente lÀgen bei der Marktanalyse und bei der Frage, ob der Schritt vor allem der Preisentlastung in den USA oder Russland politisch zugutekomme.

