Deutschland, Gastgewerbe

Mehrheit mag keine Trinkgeld-Optionen bei KartenlesegerÀten

19.12.2025 - 04:05:05

Digitale Trinkgeld-Optionen: Viele GĂ€ste fĂŒhlen sich von den BetragsvorschlĂ€gen am LesegerĂ€t einer Umfrage zufolge eher genervt als animiert. Was bringt es den BeschĂ€ftigten?

  • Die meisten Befragten geben ĂŒblicherweise Trinkgeld in Höhe von 6 bis 10 Prozent der Rechnungssumme. (Archivbild) - Foto: Sina Schuldt/dpa

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  • Vorgegebene Trinkgeld-Optionen bei der Kartenzahlung kommen bei vielen Menschen einer Umfrage zufolge nicht gut an. (Archivbild) - Foto: Gregor Tholl/dpa/dpa-tmn

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  • Der Hotel- und GaststĂ€ttenverband Dehoga sieht in der digitalen Trinkgeld-Variante eine Reaktion auf sich verĂ€ndernde Zahlungsgewohnheiten. (Archivbild) - Foto: Britta Pedersen/dpa

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Die meisten Befragten geben ĂŒblicherweise Trinkgeld in Höhe von 6 bis 10 Prozent der Rechnungssumme. (Archivbild) - Foto: Sina Schuldt/dpaVorgegebene Trinkgeld-Optionen bei der Kartenzahlung kommen bei vielen Menschen einer Umfrage zufolge nicht gut an. (Archivbild) - Foto: Gregor Tholl/dpa/dpa-tmnDer Hotel- und GaststĂ€ttenverband Dehoga sieht in der digitalen Trinkgeld-Variante eine Reaktion auf sich verĂ€ndernde Zahlungsgewohnheiten. (Archivbild) - Foto: Britta Pedersen/dpa

Viele Restaurants und Imbissstuben zeigen bei der Kartenzahlung auf dem LesegerĂ€t inzwischen VorschlĂ€ge fĂŒr bestimmte TrinkgeldbetrĂ€ge an - und stoßen damit bei vielen GĂ€sten auf Ablehnung. Bei einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur gab mehr als die HĂ€lfte der Befragten an, solche digitalen Auswahlfelder fĂŒrs Trinkgeld «schlecht» oder «eher schlecht» zu finden. Knapp ein Drittel hĂ€lt die Auswahloptionen fĂŒr «gut» beziehungsweise «eher gut». 

Mehr als 20 Prozent geben weniger Trinkgeld

Mehr als jeder fĂŒnfte Befragte antwortete, aufgrund der Auswahlfelder im Display inzwischen weniger Trinkgeld zu geben. Lediglich sechs Prozent lassen hingegen seither mehr Geld fĂŒr die Bedienung zurĂŒck. Fast 30 Prozent sind dem PhĂ€nomen bisher offenbar nicht begegnet: Sie gaben an, die Funktion nicht zu kennen. 

GrundsĂ€tzlich hat sich am Trinkgeld-Verhalten von Kundinnen und Kunden der Umfrage zufolge in den vergangenen Jahren wenig geĂ€ndert. Mehr als die HĂ€lfte (57 Prozent) der Befragten gab an, heutzutage genau so viel Trinkgeld zu zahlen wie noch vor fĂŒnf Jahren. Jeder FĂŒnfte gibt demzufolge weniger, 16 Prozent geben mehr. Wer extra zahlt, gibt in der Regel zwischen 6 und 10 Prozent der Rechnungssumme - mehr als die HĂ€lfte der Befragten handhabt es so. Jeder Zehnte gibt sogar mehr, zwischen 11 und 15 Prozent. Höher fĂ€llt das Trinkgeld indes nur selten aus. 

Zahlungsgewohnheiten haben sich geÀndert

Der Hotel- und GaststĂ€ttenverband Dehoga sieht in der Auswahlmöglichkeit am Display eine Reaktion auf die verĂ€nderten Zahlungsgewohnheiten der GĂ€ste. «Immer mehr Menschen sind bargeldlos unterwegs und bezahlen mit Karte oder Smartphone», teilte GeschĂ€ftsfĂŒhrer JĂŒrgen Benad mit. Die Integration von Trinkgeld-Optionen in moderne Kartenterminals sei Ausdruck dieser Entwicklung. «Sie erleichtert es GĂ€sten, auch ohne Bargeld Trinkgeld zu geben, etwa ĂŒber vordefinierte Auswahlmöglichkeiten.»

Die modernen Bezahlsysteme böten gleichwohl lediglich eine zusĂ€tzliche, freiwillige Möglichkeit, WertschĂ€tzung auszudrĂŒcken. «Wer kein Trinkgeld geben möchte, kann selbstverstĂ€ndlich jederzeit die Option "Kein Trinkgeld" wĂ€hlen», sagte Benad. 

Gewerkschaft bei digitalen Auswahloptionen ebenfalls skeptisch

Nicht nur die Kunden, auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-GaststĂ€tten (NGG) sieht die digitale Aufforderung zur Trinkgeld-Abgabe skeptisch. Durch den digitalen Prozess sei den GĂ€sten nicht immer klar, was mit der Trinkgeldzahlung passiere und ob diese tatsĂ€chlich auch bei den BeschĂ€ftigten ankomme, teilte NGG-Referatsleiter Mark Baumeister auf dpa-Anfrage mit. Das könne dazu fĂŒhren, dass Kundinnen und Kunden eher negativ auf die Auswahlmöglichkeiten reagierten und gar kein Trinkgeld gĂ€ben. 

Zudem warnt Baumeister vor einer weiteren Entwicklung: «Immer öfter schildern BeschÀftigte, dass ihr Arbeitgeber mit Verweis auf Trinkgeld höhere (tarifliche) Löhne vorenthÀlt.» Die digitale Auswahlmöglichkeit habe also Einfluss auf die eigentliche Bezahlung der Bedienungen.

Vor allem in der Systemgastronomie, also etwa bei den großen Fast-Food-Ketten, sei die Zahlung von Trinkgeld unĂŒblich. «GrundsĂ€tzlich widerspricht so eine Zahlungsmethode der gelebten deutschen Praxis, als Dank fĂŒr eine Dienstleistung Trinkgeld in bar zu geben oder aufzurunden», hieß es von der NGG weiter. 

FĂŒr die Umfrage wurden zwischen dem 15. und dem 17. Dezember insgesamt 2.060 Personen befragt. Die Ergebnisse sind reprĂ€sentativ fĂŒr die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.

@ dpa.de