Arzneimittel, Gesetze

Dringender Handlungsbedarf gegenĂŒber niederlĂ€ndischen Arzneimittelversendern

30.03.2026 - 12:25:52 | presseportal.de

DĂŒsseldorf - Urteile legen strukturelle Defizite im Verbraucherschutz beim Arzneimittelversand offen

Dringender Handlungsbedarf gegenĂŒber niederlĂ€ndischen Arzneimittelversendern - Foto: presseportal.de
Dringender Handlungsbedarf gegenĂŒber niederlĂ€ndischen Arzneimittelversendern - Foto: presseportal.de

Der Versand von Arzneimitteln aus dem Ausland nach Deutschland birgt erhebliche Risiken fĂŒr Verbraucher. Aktuelle Gerichtsentscheidungen zeigen, dass Anbieter teilweise ohne ausreichende Kontrolle oder Zulassung tĂ€tig sind. Die Apothekerkammer Nordrhein (AKNR) fordert daher dringende gesetzliche Maßnahmen, um die Sicherheit der Arzneimittelversorgung zu gewĂ€hrleisten.

Zwei kĂŒrzlich von der Apothekerkammer Nordrhein gegenĂŒber einem in den Niederlanden ansĂ€ssigen Arzneimittelversender erwirkte Entscheidungen verdeutlichen, dass hinsichtlich der sicheren Arzneimittelversorgung dringender Handlungsbedarf besteht. Mit Urteilen des LG Köln vom 18. MĂ€rz 2026 (Az: 84 O 62/25) und vom 19. MĂ€rz 2026 (Az: 81 O 67/25) hat die AKNR gegen die in den Niederlanden ansĂ€ssige Apomeds B.V. zwei VersĂ€umnisurteile erwirkt. Insbesondere wurde dem Versender insgesamt verboten, Arzneimitteln nach Deutschland zu senden, da dieser nicht die Voraussetzungen zum Versand von Arzneimitteln besitzt.

Was auf den ersten Blick wie ein Erfolg erscheint, ist bei genauem Hinsehen jedoch ein Beispiel fĂŒr den fehlenden Verbraucherschutz beim grenzĂŒberschreitenden Arzneimittelversand und unterstreicht den dringenden Handlungsbedarf, der hier besteht. Denn insoweit hat sich der niederlĂ€ndische Arzneimittelversender, nachdem die AKNR ausreichend Beweise fĂŒr den rechtswidrigen Versand gesammelt hatte, schlicht vom Markt zurĂŒckgezogen. Die AktivitĂ€ten werden nunmehr durch eine in Großbritannien ansĂ€ssige Plattform und ĂŒber einen anderen Arzneimittelversender abgewickelt. Der Arzneimittelversender Apomeds B.V. der insbesondere auf den Vertrieb von Abnehmspritzen sich spezialisiert hatte, soll nach Aussagen seiner AnwĂ€lte liquidiert werden.

Dr. Armin Hoffmann, PrĂ€sident der Apothekerkammer Nordrhein und der Bundesapothekerkammer, hebt hervor: "Diese Verhaltensweisen verdeutlichen den dringenden Handlungsbedarf, der mit Blick auf den Arzneimittelversand besteht. Es existieren Dutzende von Anbietern, die aus Lagerhallen heraus mit ungelerntem Personal unter Missachtung sĂ€mtlicher Standards Arzneimittel nach Deutschland senden, insbesondere sensible Arzneimittel, wie etwa die Abnehmspritzen. Hier findet in den Niederlanden keine Kontrolle statt. Die GesetzesvorschlĂ€ge sind zwingend, um solchen Anbietern das Handwerk zu legen und Verbraucher in Deutschland vor unkontrolliertem Arzneimittelversand - mit allen Risiken und Nebenwirkungen - zu schĂŒtzen."

"Es ist wichtig, dass durch diese Verfahren die illegalen Machenschaften von Arzneimittelversendern wie Apomeds an die Öffentlichkeit gelangen", ergĂ€nzt Dr. Bettina Mecking, Justiziarin und GeschĂ€ftsfĂŒhrerin der AKNR. "Auch wenn diese Verfahren mĂŒhsam sind, zeigen sie, dass der unkontrollierte Arzneimittelversand aus den Niederlanden keine Einbildung ist, sondern eine real existierende Gefahr fĂŒr jeden Verbraucher. Mehr denn je muss die Politik nun handeln, um nicht die Kontrolle ĂŒber den Arzneimittelvertrieb endgĂŒltig zu verlieren."

Dr. Morton Douglas, der die Apothekerkammer auch in diesen Verfahren anwaltlich vertreten hat, ergĂ€nzt: "DocMorris und Shop-Apotheke wollen den unzutreffenden Eindruck erwecken, dass die Gesetzesvorhaben sich gegen sie richten wĂŒrden. Dies ist falsch. Diese Gesetze sind erforderlich, um die Standards zu gewĂ€hrleisten, die das europĂ€ische Recht an den Arzneimittelvertrieb fordert, und die jeden Tag tausendfach durch Anbieter wie Apomeds, Wellster oder Zava missachtet werden. Sollte die Politik hier nun nicht mittels der geplanten GesetzesĂ€nderung - die nur einen ersten Schritt darstellen können - tĂ€tig werden, werden nicht nur tĂ€glich Verbraucher unkalkulierbaren Risiken ausgesetzt, sondern die Versichertengemeinschaft durch die dadurch entstehenden BeratungsmĂ€ngel in der Zukunft zusĂ€tzliche Kosten entstehen. Überdosiert und unterversorgt - das sind die Folgen dieser Angebote. Und dies kann sich Deutschland nicht leisten."

Über uns: Apothekerkammer Nordrhein

Die Apothekerkammer Nordrhein (AKNR) ist als Körperschaft des öffentlichen Rechts TrĂ€gerin der berufsstĂ€ndischen Selbstverwaltung der Apothekerinnen und Apotheker, die in den Regierungsbezirken Köln und DĂŒsseldorf arbeiten oder leben. Sie vertritt die Interessen der ĂŒber 12.200 Kammerangehörigen, die in öffentlichen Apotheken, KrankenhĂ€usern, Wissenschaft, Industrie und Verwaltung oder bei der Bundeswehr tĂ€tig sind. Die Apotheke vor Ort ĂŒbernimmt eine hoheitliche Aufgabe: die sichere, vom Heilberuf getragene, wohnortnahe Versorgung der Menschen mit Arznei- und Hilfsmitteln, 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr.

Pressekontakt:

Jens A. Krömer
Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Apothekerkammer Nordrhein
Poststr. 4
40213 DĂŒsseldorf
Tel. 0211 8388-119
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