Produktion/Absatz, Wettbewerb

Tiktok im Visier der EU-Kommission

15.05.2025 - 14:32:09

(Durchgehend ergÀnzt, etwa mit einem Statement von Tiktok im 4.

Absatz und einem Zitat von Henna Virkkunen im 5. Absatz.)

BRÜSSEL (dpa-AFX) - Die Online-Plattform Tiktok verstĂ¶ĂŸt nach einer vorlĂ€ufigen EinschĂ€tzung der EuropĂ€ischen Kommission wegen intransparenter Werbung gegen EU-Digitalregeln. Demnach stellt das soziale Netzwerk aus China etwa nicht die erforderlichen Informationen ĂŒber den Inhalt von Werbeanzeigen auf der Plattform bereit und riskiert damit eine hohe Geldstrafe.

Der BrĂŒsseler Behörde zufolge schreibt der Digital Services Act (DSA) festgelegte Verpflichtungen zur Veröffentlichung eines Anzeigenspeichers vor. Dies sei fĂŒr Forscher und die Zivilgesellschaft von entscheidender Bedeutung, um betrĂŒgerische Werbung, hybride Bedrohungskampagnen sowie koordinierte Informationsoperationen und gefĂ€lschte Werbung zu erkennen.

Kommission bemÀngelt Anzeigenregister bei Tiktok

Tiktok veröffentlicht der Kommission zufolge jedoch kein Anzeigenregister. DarĂŒber hinaus ermögliche das Anzeigenarchiv der Plattform der Öffentlichkeit keine umfassende Suche, wodurch der Nutzen des Tools eingeschrĂ€nkt sei.

Tiktok sieht das anders: "Obwohl wir die Ziele der Verordnung unterstĂŒtzen und unsere Instrumente zur Anzeigentransparenz weiter verbessern, sind wir mit einigen Auslegungen der Kommission nicht einverstanden und stellen fest, dass die Leitlinien eher in Form von vorlĂ€ufigen Feststellungen als in Form von klaren, öffentlichen Leitlinien gegeben werden", sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Man wolle nun die vorlĂ€ufigen Feststellungen der Kommission zum Anzeigenspeicher prĂŒfen und den Dialog fortsetzen.

Strafe von bis zu sechs Prozent des Jahresumsatzes

KommissionsvizeprĂ€sidentin Henna Virkkunen teilte mit, dass Transparenz in der Online-Werbung - wer zahle und wie die Zielgruppen angesprochen wĂŒrden - fĂŒr die Wahrung des öffentlichen Interesses unerlĂ€sslich sei. "Ob wir nun die IntegritĂ€t unserer demokratischen Wahlen verteidigen, die öffentliche Gesundheit schĂŒtzen oder die Verbraucher vor betrĂŒgerischer Werbung bewahren, die BĂŒrger haben ein Recht darauf zu wissen, wer hinter den Botschaften steht, die sie sehen."

Das Social-Media-Unternehmen - dessen EigentĂŒmer Bytedance in China ansĂ€ssig ist - wurde ĂŒber die vorlĂ€ufigen Ergebnisse informiert und riskiert eine Geldstrafe von bis zu sechs Prozent des gesamten weltweiten Jahresumsatzes, wie die Kommission mitteilte.

Die vorlÀufigen Feststellungen basierten auf einer Untersuchung, die unter anderem die Analyse interner Unternehmensdokumente, Tests der Tiktok-Tools und GesprÀche mit Experten auf diesem Gebiet umfasse.

FrĂŒhere VorwĂŒrfe gegen Tiktok

Die EU-Kommission hatte im vergangenen Jahr Ermittlungen gegen Tiktok im Zusammenhang mit der ersten Runde der PrĂ€sidentschaftswahlen in RumĂ€nien aufgenommen. BrĂŒssel warf der Plattform vor, Inhalte des damaligen prorussischen und ultrarechten Kandidaten Calin Georgescu nicht als politische Werbung gekennzeichnet zu haben. Ein rumĂ€nisches Gericht erklĂ€rte die Wahl wegen mutmaßlicher russischer Wahleinmischung und UnregelmĂ€ĂŸigkeiten bei der Finanzierung fĂŒr ungĂŒltig.

Ermittlungen auch gegen US-Plattformen

Gegen die Plattform X des US-MilliardĂ€rs Elon Musk laufen auf EU-Ebene bereits mehrere Verfahren wegen mutmaßlicher VerstĂ¶ĂŸe gegen den DSA. Mit dem Gesetz soll auch sichergestellt werden, dass konsequent gegen Hassrede vorgegangen wird. Auch gegen den Facebook- und Instagram-Mutterkonzern Meta US30303M1027 laufen DSA-Ermittlungen in BrĂŒssel.

@ dpa.de | US30303M1027 PRODUKTION/ABSATZ