Sensation bleibt aus: DHB-Team scheitert im EM-Halbfinale
26.01.2024 - 22:05:55Deutschlands Handballer blieben wie versteinert stehen und blickten enttĂ€uscht auf den Hallenboden. Den aufmunternden Beifall von Bundestrainer Alfred Gislason registrierte im Moment der gröĂten EnttĂ€uschung niemand der völlig ausgelaugten DHB-Profis.
Die deutsche Mannschaft hat den Einzug ins Finale der Heim-EM nach groĂem Kampf verpasst. Die DHB-Auswahl musste sich dem Top-Favoriten DĂ€nemark 26:29 (14:12) geschlagen geben und spielt am Sonntag bei der Heim-EM um die Bronzemedaille. Dort trifft die deutsche Sieben voraussichtlich auf Schweden.
«Ich bin sehr stolz auf Jungs, sie haben eine phÀnomenale erste Halbzeit geliefert. In der zweiten Halbzeit haben wir zu viel verworfen», sagte Gislason im ZDF: «Letztendlich hat sich die Routine der DÀnen durchgesetzt, sie sind die beste Mannschaft der Welt.»
«Heute war nicht der perfekte Tag»
Auch KapitÀn Johannes Golla war stolz auf die insgesamt gute Leistung, meinte aber auch: «Heute war nicht der perfekte Tag.» Den soll es nun im Spiel um Platz drei geben.
Schweden hatte sich im Halbfinale den Franzosen zunĂ€chst 30:34 geschlagen geben mĂŒssen - wenig spĂ€ter legten die Skandinavier aber Protest gegen die Wertung ein. Sofern es fĂŒr das DHB-Team zum Duell mit Schweden kommt, geht es neben Bronze auch um ein Direktticket fĂŒr die Olympischen Sommerspiele in Paris. Eine Entscheidung steht noch aus.
Deutschland muss nach dem Triumph 2004 in Slowenien sowie dem Gold-Rausch vor acht Jahren in Polen weiter auf seinen dritten Titel bei Europameisterschaften waren. Dennoch bietet sich fĂŒr das DHB-Team, bei dem Renars Uscins mit fĂŒnf Toren bester Werfer war, erstmals seit fĂŒnf Jahren wieder eine Medaillenchance. Damals verlor Deutschland bei der Heim-WM das kleine Finale gegen Frankreich und wurde Vierter.
Deutschland zaubert in der Anfangsphase
Gislason hatte von seiner Mannschaft «das beste Spiel der letzten Jahrzehnte» gefordert, seine Spieler hofften auf einen «magischen Tag». Und tatsĂ€chlich versprĂŒhte die deutsche Sieben im Kölner Hexenkessel zunĂ€chst einen gewissen Zauber. Die Abwehr mit dem Innenblock-Duo Johannes Golla und Julian Köster stand kompakt, die Chancenverwertung war deutlich verbessert - und DĂ€nemark wirkte gegen auftrumpfende DHB-Profis ideenlos.
Deutschland war hellwach und zwang das nordeuropĂ€ische Star-Ensemble um die FĂŒchse-Profis Hans Lindberg und Mathias Gidsel zu zahlreichen technischen Fehlern. Die Handball-Ăbermacht DĂ€nemark wackelte, die Zuschauer begleiteten jeden ihrer Angriffe mit einem gellenden Pfeifkonzert.
HĂ€fner abgereist, Kastening krank
Deutschland hielt seine knappe FĂŒhrung, leistete sich aber ohne den angeschlagenen RechtsauĂen Timo Kastening und den aus privaten GrĂŒnden bereits abgereisten Routinier Kai HĂ€fner immer mehr Fehler im Angriffsspiel. Verlass war in dieser SchwĂ€chephase einmal mehr auf TorhĂŒter Andi Wolff und die deutschen Abwehrspieler, die DĂ€nemark immer wieder den Ball abluchsten. Zweieinhalb Minuten vor der Halbzeit baute das DHB-Team seinen Vorsprung erstmals auf drei Tore aus. Die Halle tobte.
DHB-Sportvorstand Axel Kromer lobte zur Halbzeit den Mut der deutschen Mannschaft. «Wahnsinnig intensiv, emotional, gnadenlos in der Abwehr und Renars Uscins ist wie Phönix aus der Asche gekommen», befand Kromer ĂŒber den U21-Weltmeister, der viele erfolgreiche Akzente setzte.
Emil Nielsen in Höchstform
Der Mut verlieĂ Deutschland unmittelbar nach der Halbzeit und DĂ€nemark drehte das Spiel. Dass der Weltmeister nicht komplett davoneilte, lag am einmal mehr ĂŒberragend parierenden Wolff. Das DHB-Team fing sich kurzzeitig wieder und die Abwehr bewegte sich erstklassig. Auf den Sitzen hielt es in der Kölner Arena niemanden mehr.
Auf dĂ€nischer Seite lief Keeper Emil Nielsen jetzt zur Höchstform auf und vereitelte einen deutschen Angriff nach dem anderen. Die Mannschaft von Gislason kĂ€mpfte, wirkte aber erschöpft. Die Bewegungen waren lĂ€ngst nicht mehr so flĂŒssig wie in der ersten Halbzeit. Rund 14 Minuten vor Spielende ging der Top-Favorit erstmals mit drei Toren in FĂŒhrung. Der Olympia-Zweite gab diesen Vorsprung nicht mehr her und zerstörte so die deutschen TrĂ€ume von einer Goldmedaille bei der Heim-EM.













