Brokstedt, Messerattacke

Messerangriff von Brokstedt: Angeklagter streitet Tat ab

07.07.2023 - 11:41:31 | dpa.de

Ein junges Paar stirbt bei einer Messerattacke in einem Zug bei Brokstedt, die Tat sorgt fĂŒr Entsetzen. Jetzt beginnt der Prozess. «Ich möchte nur soviel sagen, dass ich unschuldig bin», sagt der Beschuldigte.

Der Angeklagte Ibrahim A. wird von Justizbeamten an seinen Platz im Gerichtssaal gebracht. - Foto: Christian Charisius/dpa
Der Angeklagte Ibrahim A. wird von Justizbeamten an seinen Platz im Gerichtssaal gebracht. - Foto: Christian Charisius/dpa

Unter großem öffentlichen Interesse hat der Prozess um die tödliche Messerattacke in einem Regionalzug im schleswig-holsteinischen Brokstedt begonnen.

Der PalÀstinenser Ibrahim A. muss sich vor dem Landgericht Itzehoe wegen zweifachen Mordes und vierfachen versuchten Mordes verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 34-JÀhrigen vor, am 25. Januar nahe des Bahnhofs von Brokstedt eine 17-JÀhrige und ihren zwei Jahre Àlterer Freund erstochen zu haben. Zwei weitere Frauen und zwei MÀnner erlitten schwere Verletzungen.

Ibrahim A. streitet die Messerattacke ab: «Ich möchte nur soviel sagen, dass ich unschuldig bin», sagte er. Er rĂ€umte zwar ein, im Zug gewesen zu sein, bestritt aber, den Messerangriff verĂŒbt zu haben.

Aus Frust ĂŒber einen erfolglosen Behördentermin

Zuvor hatte StaatsanwĂ€ltin Janina Seyfert die Anklageschrift verlesen und dabei detailliert den Ablauf der Bluttat am 25. Januar geschildert, bei der zwei Menschen starben und vier weitere schwer verletzt wurden. Demnach stach Ibrahim A. aus Frust ĂŒber einen erfolglosen Behördentermin in Kiel zunĂ€chst auf eine 17 Jahre alte Jugendliche ein. Sie starb nach 26 Messerstichen, bei denen unter anderem die Oberschenkelarterie durchtrennt wurde. Anschließend soll der Angeklagte zwölf Mal auf den 19 Jahre alten Freund der Jugendlichen eingestochen haben. Er erlitt unter anderem einen tödlichen Stich ins Herz.

Im weiteren Verlauf der Tat soll Ibrahim A. dann in verschiedenen Waggons des Zuges vier weitere FahrgĂ€ste angegriffen und schwer verletzt haben. Schließlich gelang es einem Mann, den TĂ€ter mit einer Aktentasche und einer Laptoptasche so zu schlagen, dass er das Messer verlor und umringt von Zeugen aufgab. Seyfert warf dem Angeklagten zweifachen Mord und vierfachen versuchten Mord aus niederen BeweggrĂŒnden und in HeimtĂŒcke vor.

Verteidiger: Wahnerkrankung des Angeklagten zentraler Punkt

Im Prozess ist die Frage einer möglichen Wahnerkrankung des Angeklagten nach Auffassung des Verteidigers zentraler Punkt der kommenden Beweisaufnahme. Das erklÀrte der Verteidiger des 34-JÀhrigen, Björn Seelbach.

Seelbach verwies darauf, dass ein psychiatrischer SachverstĂ€ndiger eine schwere psychische Erkrankung beim Angeklagten festgestellt habe. Der Gutachter sei aber noch nicht sicher, ob auch zum Tatzeitpunkt ein akuter wahnhafter Schub bestanden habe. KĂ€me der Gutachter auch in dem auf etwa 40 Verhandlungstage terminierten Verfahren zu dem Schluss, wĂ€re Ibrahim A. möglicherweise schuldunfĂ€hig gewesen. Damit stĂŒnde am Ende des Verfahrens dessen Unterbringung in der Psychiatrie.Ibrahim A. verglich sich mit Anis Amri

Derzeit sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft. Dort fiel er mehrfach wegen aggressiven Verhaltens auf und gilt als schwieriger Gefangener.

Der Mann war erst wenige Tage vor der tödlichen Messerattacke aus einer Untersuchungshaft entlassen worden, die er in Hamburg wegen einer anderen Straftat abgesessen hatte. WÀhrend dieser Zeit hatte er sich wegen psychischer AuffÀlligkeiten 16 Mal mit einem Psychiater getroffen.

Der Fall Ibrahim A. beschĂ€ftigte auch mehrere Landesparlamente, weil es MĂ€ngel beim Austausch von wichtigen Informationen zwischen Behörden in Hamburg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen gegeben hatte, wo Ibrahim A. jeweils lebte und auch Straftaten beging. Wenige Monate vor seiner Entlassung aus dem Hamburger GefĂ€ngnis soll sich der mutmaßliche Mörder mit dem AttentĂ€ter vom Berliner Breitscheidplatz, Anis Amri, verglichen haben.

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