EU-Energielabel: Wie gut lÀsst sich mein Handy reparieren?
Veröffentlicht am: 19.06.2025 um 16:46 Uhr | dpa.deDoch wie einfach ist das wirklich? Damit Verbraucherinnen und Verbraucher kĂŒnftig schon vor dem Kauf einschĂ€tzen können, wie langlebig und reparaturfreundlich ein GerĂ€t ist, werden von Freitag an neue Smartphones und Tablets mit neuen EU-Energielabeln gekennzeichnet. Auch die Produkte selbst sollen verbessert werden. Was Ă€ndert sich? Ein Ăberblick:
Was genau gibt das Energielabel an?
Smartphones und Tablets, die ab Freitag neu in der EU auf den Markt kommen, mĂŒssen mit dem Energielabel gekennzeichnet sein. Es gibt an, wie energieeffizient ein GerĂ€t ist - so wie es bei Waschmaschinen, GlĂŒhlampen oder Fernsehern bereits der Fall ist. Die europĂ€ische Energieeffizienzskala geht dabei von A (dunkelgrĂŒn) fĂŒr besonders energieeffiziente Produkte, bis G (rot) fĂŒr weniger effiziente.
Auf dem Label steht auch, wie viele Stunden und Minuten der Akku nach vollstĂ€ndiger Ladung hĂ€lt und wie viele Ladezyklen der Akku ĂŒbersteht, bis er nur noch 80 Prozent der ursprĂŒnglichen KapazitĂ€t hat. Wie robust das GerĂ€t bei StĂŒrzen ist und wie leicht man es reparieren lassen kann, wird jeweils auf Skalen von A bis E angegeben. Je höher die Klasse, desto robuster und leichter zu reparieren.
Eine weitere Skala auf dem Energielabel gibt an, wie geschĂŒtzt das GerĂ€t bei Staub (0 bis 6) und bei Feuchtigkeit (0 bis 8) ist. Ein Handy mit einem Schutzgrad von "68" ist demnach am besten geschĂŒtzt.
Wo finde ich das Energielabel?
Lieferanten und HĂ€ndler mĂŒssen nach Angaben der Kommission dafĂŒr sorgen, dass sich das Etikett sichtbar und in der NĂ€he des Produkts befindet - sowohl online als auch im Laden. Die Deutsche Umwelthilfe kĂŒndigte an, die Einhaltung der Vorgaben stichprobenartig im Handel zu ĂŒberprĂŒfen.
Gibt das Label an, wie teuer eine Reparatur ist?
Nein. "Je einfacher es ist, ein Produkt zu zerlegen und Ersatzteile zu finden, desto höher ist die Reparaturklasse", sagte ein Sprecher der europĂ€ischen Verbraucherschutzorganisation Beuc. "Die Verbraucher sollten jedoch wissen, dass der Preis fĂŒr Ersatzteile und Reparaturdienste nicht in die Endnote einflieĂt." Ein Smartphone der Reparaturklasse A bedeute nicht unbedingt, dass es billiger zu reparieren ist.
Sollen auch die GerÀte besser werden?
Ja. Parallel zum Energielabel gelten fĂŒr Hersteller auch neue Anforderungen fĂŒr ein sogenanntes Ăkodesign. Smartphones und Tablets sollen widerstandsfĂ€higer und die Akkus langlebiger werden. Hersteller mĂŒssen fĂŒr sieben Jahre nach dem Kauf wichtige Ersatzteile wie Displays, Akkus und Kameramodule innerhalb von fĂŒnf bis zehn Werktagen bereitstellen. Softwareupdates mĂŒssen mindestens fĂŒnf Jahre lang angeboten werden.
Was soll die Ănderung bringen?
Das Energielabel soll nach Angaben der EuropĂ€ischen Kommission den Verbraucherinnen und Verbrauchern dabei helfen, fundiertere und nachhaltigere Kaufentscheidungen zu treffen. Smartphones und Tablets lieĂen sich vor dem Kauf besser vergleichen. Mit den neuen Vorgaben sollen zudem groĂe Mengen CO2 und Strom eingespart werden.
Die Verbraucherschutzorganisation Beuc zeigte sich erfreut ĂŒber die nĂŒtzlichen Informationen auf dem Label: "Das Energielabel kann den Verbrauchern helfen, die leistungsstĂ€rksten Produkte zu finden", sagte ein Sprecher. Lob kam auch von der VizeprĂ€sidentin des EU-Parlaments, Katarina Barley (SPD): "Niemand muss mehr rĂ€tseln, ob das neue Smartphone beim ersten Defekt gleich in den MĂŒll wandert. Das bringt Klarheit, schĂŒtzt den Geldbeutel und ist ein echter Schritt hin zu mehr Nachhaltigkeit im Alltag."
Die Vorsitzende des Binnenmarktausschusses im EU-Parlament, Anna Cavazzini (GrĂŒne), hĂ€lt die neuen Regelungen fĂŒr einen groĂen Erfolg. "Jetzt kommen wir in der Kreislaufwirtschaft endlich in die Umsetzung- und das ist bitter nötig, um von dem riesigen Ressourcenverbrauchder EU runterzukommen", sagte sie. "Das macht Nachhaltigkeit zur Norm an der Ladentheke." Zudem appellierte sie an die Kommission, Vorgaben fĂŒr weitere Produktgruppen zu erarbeiten.
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) begrĂŒĂte die Ănderung, forderte aber eine Ausweitung der Vorgaben auf alle ElektrogerĂ€te. "Die neuen Regelungen fĂŒr Smartphones und Co. sind ein wichtiger Schritt zu umweltfreundlicheren Produkten und einer verbesserten Verbraucherinformation", sagte DUH-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrerin Barbara Metz. "Aber was ist mit all den anderen ElektrogerĂ€ten? Die Schrottberge aus kurzlebigen und reparaturfeindlichen GerĂ€ten werden von Jahr zu Jahr gröĂer."
Kommt das Energielabel auch fĂŒr Laptops?
Ja - zumindest ist das wohl geplant. Nach Angaben des Fraunhofer-Instituts fĂŒr ZuverlĂ€ssigkeit und Mikrointegration in Berlin, das an der Entwicklung des Energielabels beteiligt war, wird derzeit ein vergleichbares Label fĂŒr Laptops erarbeitet. Es soll voraussichtlich ab 2028 eingefĂŒhrt werden.
