Katholische, Laien-PrÀsidentin

Katholische Laien-PrÀsidentin besteht auf Mitbestimmung

22.02.2024 - 04:16:55

Ein Machtwort des Vatikans stellt die deutschen Bischöfe vor die Wahl, ob sie sich Rom widersetzen oder auf versprochene Reformen verzichten. Laien-PrÀsidentin Stetter-Karp hat eine klare Botschaft.

Der Konflikt zwischen den deutschen Katholiken und dem Vatikan ĂŒber Kirchenreformen spitzt sich zu. Kurz vor dem Ende der FrĂŒhjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Augsburg hat die PrĂ€sidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, klargestellt, dass die Laien auf Mitbestimmung nicht verzichten wollen.

«Wir werden selbstverstĂ€ndlich in unseren Gremien die nĂ€chsten Schritte beraten. Ich will aber eine inhaltliche Grenze fĂŒr unsere Zusammenarbeit mit den Bischöfen schon heute markieren», sagte Stetter-Karp der Deutschen Presse-Agentur. «Wir halten als PrĂ€sidium des ZdK daran fest, dass unser Ziel gemeinsames Beraten und Entscheiden ist. FĂŒr Beratung allein – oder anders gesagt fĂŒr eine reine Simulation von SynodalitĂ€t – stehen wir nicht zur VerfĂŒgung.»  

Das ZdK ist die Vertretung der praktizierenden Katholikinnen und Katholiken in VerbĂ€nden und DiözesanrĂ€ten sowie von gewĂ€hlten Einzelpersönlichkeiten. Sie werden als «Laien» bezeichnet. Als Konsequenz aus dem Skandal um sexuellen Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche hat das ZdK 2019 gemeinsam mit der Bischofskonferenz einen Reformprozess angestoßen, den Synodalen Weg.

Er soll die Strukturen verĂ€ndern, die innerhalb der Kirche Missbrauch begĂŒnstigen. Eines der zentralen Projekte dieses Erneuerungsversuchs ist der Synodale Rat, in dem Bischöfe und Laien kĂŒnftig gemeinsam beraten und entscheiden sollen. Die Bischöfe bewahren dabei die rechtliche Vollmacht ĂŒber ihre BistĂŒmer, wie es das Kirchenrecht vorsieht. 

Abstimmung von der Tagesordnung gestrichen

Um den Synodalen Rat vorzubereiten, haben das ZdK und die Bischofskonferenz einen Synodalen Ausschuss gegrĂŒndet. Eine fĂŒr die FrĂŒhjahrsvollversammlung geplante Ratifizierung der Satzung des Synodalen Ausschusses wurde von Papst Franziskus jedoch faktisch blockiert. Drei hohe KurienkardinĂ€le aus dem Vatikan schrieben der Deutschen Bischofskonferenz einen entsprechenden Brief, woraufhin der Vorsitzende Georg BĂ€tzing die Abstimmung von der Tagesordnung strich.

Stetter-Karp warf den KurienkardinĂ€len vor, in ihrem Brief Zerrbilder zu zeichnen und Bischöfe wie Schuljungen zu behandeln. Absolut irrefĂŒhrend sei es, den deutschen Katholiken vorzuwerfen, Dinge ohne Abstimmung mit Rom im Alleingang voranzutreiben. «Wir bemĂŒhen uns gemeinsam mit den deutschen Bischöfen seit Jahren um einen intensiven Austausch, doch sind wir ZdK-Vertreter in dieser Angelegenheit bis heute nicht zu einem GesprĂ€ch im Vatikan empfangen worden.» Geradezu beschĂ€mend sei auch, dass die KardinĂ€le den Auslöser fĂŒr die ReformbemĂŒhungen – den sexuellen Missbrauch – mit keinem Wort erwĂ€hnten.

Mehr als 500.000 Menschen 2022 aus Kirche ausgetreten

Sie erwarte, dass die deutschen Bischöfe an ihren Reformversprechen festhielten und sich nicht einschĂŒchtern ließen, sagte Stetter-Karp. Die Abstimmung ĂŒber die Satzung könne gegebenenfalls auch im StĂ€ndigen Rat der Bischofskonferenz erfolgen, so dass man damit nicht bis zur Herbstvollversammlung warten mĂŒsse. «Unser Interesse ist, nicht weitere Zeit zu verlieren. Der Ball ist jetzt bei den deutschen Bischöfen.»

Die ZdK-PrÀsidentin erinnerte daran, dass allein 2022 mehr als eine halbe Million Menschen in Deutschland aus der katholischen Kirche ausgetreten seien. Die vor einigen Monaten veröffentlichte Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung habe ergeben, dass 96 Prozent der deutschen Katholikinnen und Katholiken dringend Reformen erwarteten. Die Blockade der Vatikanbehörde sei von daher nicht hinnehmbar und auch nicht verstÀndlich: «Teilhabe von GlÀubigen ist eine Ressource und keine Bedrohung. Unser Ziel ist es nach wie vor, mit den Bischöfen gemeinsam die Zukunft dieser Kirche zu gestalten.»

@ dpa.de