Ermittler, Gewalttat

Ermittler gehen von islamistischer Gewalttat aus

14.02.2025 - 13:52:44

Ein Mann fÀhrt mit einem Auto in eine Gruppe Demonstranten. Zahlreiche Menschen werden teils schwer verletzt. Auf der Suche nach dem Motiv haben Ermittler Anhaltspunkte.

  • Mit seinem Auto ĂŒberfuhr der Mann mehrere Menschen. - Foto: Christoph Trost/dpa

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  • Das Auto des TĂ€ters wurde abtransportiert. - Foto: Matthias Balk/dpa

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  • BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier (M) besuchte den Tatort. - Foto: Daniel Löb/dpa

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  • Die Ermittler geben erste Erkenntnisse bekannt. - Foto: Jason Tschepljakow/dpa

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Mit seinem Auto ĂŒberfuhr der Mann mehrere Menschen. - Foto: Christoph Trost/dpaDas Auto des TĂ€ters wurde abtransportiert. - Foto: Matthias Balk/dpaBundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier (M) besuchte den Tatort. - Foto: Daniel Löb/dpaDie Ermittler geben erste Erkenntnisse bekannt. - Foto: Jason Tschepljakow/dpa

Nach dem Anschlag auf eine Gruppe von Demonstranten in MĂŒnchen gehen Ermittler von einem islamistischen Motiv des Autofahrers aus. Das sagte die Leitende OberstaatsanwĂ€ltin der Zentralstelle zur BekĂ€mpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) der Generalstaatsanwaltschaft MĂŒnchen, Gabriele Tilmann, bei einer Pressekonferenz. Der Mann habe «Allahu Akbar» gerufen und nach seiner Tat gebetet. In seiner Vernehmung habe er «eingerĂ€umt, bewusst in die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Demonstrationszugs gefahren zu sein».

Die Zahl der Verletzten stieg laut Polizei unterdessen auf 36. Darunter seien zwei lebensgefĂ€hrlich Verletzte, unter ihnen ein erst zwei Jahre altes Kind. Die Verletzten seien zwischen zwei und 60 Jahren alt, vier Opfer seien weiblich, der Großteil mĂ€nnlich. BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier besuchte den UnglĂŒcksort am Tag nach der Tat. «Die BrutalitĂ€t dieser Tat wĂŒhlt uns auf, macht fassungslos!», sagte er. 

Es gebe bisher keine Hinweise darauf, dass der 24 Jahre alte Afghane in ein Netzwerk eingebunden gewesen sei, sagte Tilmann. Die Ermittler hĂ€tten auch keine Spuren zu einer Verbindung zum Beispiel zur Terrororganisation Islamischer Staat, zu weiteren Beteiligten oder zu einer zunehmenden Radikalisierung des jungen Mannes in der jĂŒngeren Vergangenheit. 

Aussagen deuten auf religiöse Motivation hin

Die Ermittlungen stĂŒnden zwar noch am Anfang, betonte Tilmann. Sie traue sich aber, nach derzeitigem Stand von der Annahme eines islamistischen Hintergrunds zu sprechen. Seine Aussagen deuteten auf eine religiöse Motivation hin, sagte Tilmann. Weitere Details zu den Äußerungen wĂ€hrend der Vernehmung wollte sie nicht nennen. Unter anderem seien Chats auf dem Smartphone des Fahrers ausgewertet worden, die meisten in der afghanische Amtssprache Dari.

Antrag auf Haftbefehl wegen versuchten Mordes in 36 FĂ€llen

Die Generalstaatsanwaltschaft will nun Haftbefehl unter anderem wegen versuchten Mordes in 36 FĂ€llen beantragen. Zudem bestehe ein Verdacht auf gefĂ€hrliche Körperverletzung und einen gefĂ€hrlichen Eingriff in den Straßenverkehr. Wegen einer bislang nicht erkennbaren Verbindung zu einer terroristischen Vereinigung werde derzeit nicht wegen Mitgliedschaft in einer solchen ermittelt. Entscheiden werde ĂŒber eine Untersuchungshaft am Nachmittag ein Ermittlungsrichter. 

Nach Angaben des MĂŒnchner PolizeivizeprĂ€sidenten Christian Huber hatte der 24-JĂ€hrige erst ein Polizeifahrzeug ĂŒberholt, dann «Gas gegeben und ist dann in das Ende der Versammlung gefahren». Dabei wurden auch Teilnehmer der von mehreren Polizeiwagen gesicherten Demonstration der Gewerkschaft Verdi vom Auto des TĂ€ters ĂŒberfahren. 

Bei der Festnahme des Afghanen hatte die Polizei auch auf seinen Wagen geschossen. «Der TĂ€ter wurde dabei aber nicht getroffen und durch den Schuss auch nicht verletzt», hieß es. Den Beamten sei es gelungen, den TĂ€ter aus dem Auto zu ziehen, obwohl dieser noch versucht habe, erneut Gas zu geben. Das Auto gehörte laut Polizei dem Fahrer.

Der Afghane hatte sich nach Angaben der Ermittler zuletzt rechtmĂ€ĂŸig in Deutschland aufgehalten. Dass erste Angaben zu seinem Aufenthaltsstatus und möglichen Vorstrafen des Fahrers im Nachhinein korrigiert werden mussten, begrĂŒndete der VizeprĂ€sident des PolizeiprĂ€sidiums MĂŒnchen, Christian Huber, mit Fehlkommunikation in der «Chaosphase» nach dem Vorfall selbst. Inzwischen sei klar, dass nicht wegen Ladendiebstahls oder Drogendelikten gegen ihn ermittelt worden sei, sondern dass er selbst derartige Delikte in seiner TĂ€tigkeit als Ladendetektiv zur Anzeige gebracht hatte. 

Ermittler sehen keine Anhaltspunkte fĂŒr psychische Erkrankung

Es gebe bei dem 24-JÀhrigen bislang keine Anhaltspunkte auf psychische Probleme, die Auswirkungen auf die Tat gehabt haben könnten, sagte Tilmann weiter. Deshalb werde auch nicht beantragt, den Mann vorlÀufig in der psychiatrischen Unterbringung aufzunehmen.

24-JĂ€hriger bisher nicht vorbestraft

Vorbestraft war der 24-JÀhrige nach Auskunft der Behörden bislang nicht. Es habe nur einmal in Bayern ein Verfahren wegen Arbeitsamtsbetrugs gegeben, sagte Tilmann. Er habe sich arbeitslos gemeldet, dann eine TÀtigkeit begonnen und sich nicht rechtzeitig wieder abgemeldet. Das Verfahren sei gegen eine Geldauflage eingestellt worden, weil es nur ein sehr kurzer Zeitraum gewesen sei. Dies sei das einzige Ermittlungsverfahren in Bayern gewesen, das es gab.

ZweijÀhrige in kritischem Zustand

Das lebensgefÀhrlich verletzte zweijÀhrige MÀdchen befindet sich nach Angaben eines Sprechers des Klinikums der Ludwig-Maximilians-UniversitÀt (LMU) im Haunerschen Kinderspital und liegt dort in kritischem Zustand auf der Intensivstation. 

Am LMU Klinikum wurden an den beiden Standtorten Großhadern und Innenstadt insgesamt 14 Verletzte behandelt. Einige Patienten waren schwer verletzt, vier mussten den Angaben zufolge umgehend operiert werden.

Polizei verstÀrkt PrÀsenz wÀhrend Sicherheitskonferenz

Einen Bezug der Tat zur MĂŒnchner Sicherheitskonferenz sehen die Ermittler zwar nicht, der «KrĂ€fteeinsatz» werde wĂ€hrend der bis Sonntag stattfindenden, hochkarĂ€tig besetzten Konferenz aber «erhöht», sagte Polizei-VizeprĂ€sident Huber. DafĂŒr gebe es auch weitere VerstĂ€rkung aus anderen BundeslĂ€ndern. Außerdem seien die Veranstalter von geplanten Demonstrationen angesprochen worden, ob sie umplanen und statt sich bewegender auf stationĂ€re Veranstaltungen umschwenken wollen. Diese seien polizeilich leichter zu sichern als DemonstrationszĂŒge, sagte Huber.

@ dpa.de