Gewalt gegen Politiker: Kommen schÀrfere Strafen?
07.05.2024 - 20:20:21 | dpa.deDie Innenminister von Bund und LĂ€ndern wollen Politiker und Ehrenamtliche in den anstehenden WahlkĂ€mpfen mit Hilfe der Polizei und einer möglichen VerschĂ€rfung des Strafrechts besser vor Gewalt schĂŒtzen.
Um hier «ein ganz deutliches Stopp-Signal» zu senden, sei neben den Sicherheitsbehörden auch die Justiz mit schnellen und konsequenten Verfahren und Strafen gefordert, sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) nach einer Videokonferenz, die nach einem brutalen Angriff auf einen SPD-Politiker in Dresden anberaumt worden war. Wenn dafĂŒr das Strafrecht weiter verschĂ€rft werden mĂŒsse, werde sie darĂŒber das GesprĂ€ch mit Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) suchen.Â
Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Brandenburgs Innenminister Michael StĂŒbgen (CDU), sagte, die Ressortchefs unterstĂŒtzten zwei entsprechende Bundesratsinitiativen aus Bayern und Sachsen. Das sĂ€chsische Kabinett beschloss am Dienstag eine Bundesratsinitiative zur StrafverschĂ€rfung bei Angriffen auf Politiker und Wahlhelfer. Damit sollen EntscheidungstrĂ€ger gerade auch auf kommunaler Ebene vor bedrohlichen Ăbergriffen auf ihr Privatleben geschĂŒtzt werden.
Die Innenminister fordern das Bundesinnenministerium auf, sich fĂŒr eine zĂŒgige Behandlung einer Bundesratsinitiative Bayerns zum strafrechtlichen Schutz gemeinnĂŒtziger TĂ€tigkeit einzusetzen. Damit sollen Ăbergriffe auf politisch engagierte Menschen stĂ€rker bestraft werden. In dem gemeinsamen Beschluss der Ministerinnen und Minister wird die Justizministerkonferenz auch gebeten zu prĂŒfen, ob «die bewusste Verbreitung von Desinformation mit dem Ziel der Wahlbeeinflussung oder Gewalteskalation strafwĂŒrdiges Unrecht darstellen».
Auslöser war Attacke auf SPD-Kandidaten in Dresden
Die Ressortchefs verurteilten «jegliche Angriffe auf politisch engagierte Menschen, die sich fĂŒr eine gelebte Demokratie in Deutschland einsetzen und dafĂŒr höchste Anerkennung, Respekt und Schutz verdienen, auf das SchĂ€rfste», wie es im Beschluss heiĂt.
Matthias Ecke, der SPD-Spitzenkandidat fĂŒr die Europawahl in Sachsen, war am Freitag von vier jungen MĂ€nnern im Alter von 17 und 18 Jahren zusammengeschlagen worden, als er Wahlplakate anbringen wollte. Das Landeskriminalamt (LKA) Sachsen rechnet zumindest einen der Angreifer dem rechten Spektrum zu. Kurz vor der PrĂŒgel-Attacke auf Ecke hatte laut Polizei mutmaĂlich dieselbe Gruppe in der NĂ€he einen GrĂŒnen-Wahlkampfhelfer verletzt.
Statistik zeigt mehr Straftaten gegen Abgeordnete
Im Jahr 2023 gab es laut Faeser 2710 Straftaten gegen MandatstrĂ€ger, 53 Prozent mehr als im Vorjahr. Sie betonte: «Auch Angriffe gegen AfD-Politiker sind nicht hinnehmbar.» Sie sprach von einer «Eskalation antidemokratischer Gewalt». Die Ministerin sagte: «Wir mĂŒssen die Mitverantwortung derer auch sehr deutlich benennen, die vor allem vom rechten Rand aus immer hemmungsloser und skrupelloser» Menschen anfeindeten und diffamierten. Diese Spirale von Hass und Gewalt mĂŒsse gestoppt werden.
Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) rief BĂŒrgerinnen und BĂŒrger auf, der Polizei Hinweise zu geben, auch auf die Zerstörung von Wahlplakaten. Die VerschĂ€rfung von Gesetzen habe zwar nicht den Schwerpunkt der Beratungen gebildet, es könne aber sein, «dass wir auch das gesetzliche Schutzniveau noch einmal betrachten».
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ermunterte Betroffene, sich frĂŒhzeitig an die Polizei zu wenden. Er sagte, niemand mĂŒsse sich Beleidigungen und Bedrohungen gefallen lassen. FrĂŒhes Einschreiten sei wichtig, um Folgetaten zu verhindern. Laut Herrmann haben die Ressortchefs vereinbart, bei der nĂ€chsten regulĂ€ren Innenministerkonferenz im Juni darĂŒber zu sprechen, ob es womöglich zusĂ€tzlicher Anstrengungen bedarf, um den Schutz aller Beteiligten rund um die anstehenden Landtagswahlen in Sachsen, ThĂŒringen und Brandenburg im Herbst zu gewĂ€hrleisten.Â
BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier rief zu SolidaritĂ€t mit Demokraten auf. «Demokratie braucht eine politische Kultur, die frei von Hass und Hetze und erst recht frei von Gewalt ist», sagte Steinmeier in MĂŒncheberg in Brandenburg. Die Sicherheitsbehörden mĂŒssten alles Erforderliche tun, um die StraftĂ€ter aufzuspĂŒren, und die Gerichte mĂŒssten die TĂ€ter ihrer gerechten Strafe zufĂŒhren. «Aber dazu gehört auch, dass wir uns hinter diejenigen stellen, die als Demokraten ihre Verantwortung erfĂŒllen und unsere ganze Abscheu denjenigen zeigen, die demokratische Spielregeln verletzen.»
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