Ex-KSK-Kommandeur, Entscheidung

Ex-KSK-Kommandeur verteidigt Entscheidung in MunitionsaffÀre

02.02.2024 - 14:28:08

Eine MunitionsaffĂ€re bei der Eliteeinheit KSK in Calw sorgt fĂŒr Schlagzeilen. Die Staatsanwaltschaft erhebt VorwĂŒrfe gegen einen frĂŒheren KSK-Kommandeur. Der hat sich nun vor Gericht geĂ€ußert.

Weil er Soldaten erlaubt haben soll, mutmaßlich gestohlene Munition anonym zurĂŒckzugeben, steht seit Freitag ein frĂŒherer Kommandeur des Kommandos SpezialkrĂ€fte (KSK) vor dem Landgericht TĂŒbingen. Die Staatsanwaltschaft wirft Brigadegeneral Markus Kreitmayr unterlassene Mitwirkung bei Strafverfahren nach Paragraf 40 des Wehrstrafgesetzes vor. Der Vorwurf sei vergleichbar mit dem Straftatbestand der Strafvereitelung. 

Kreitmayr Ă€ußerte sich zu Prozessbeginn umfassend zu den VorwĂŒrfen. Er stehe zu seiner Entscheidung, sagte der 55-JĂ€hrige. Es sei ihm bewusst gewesen, dass er sich disziplinarrechtlich in einem Graubereich befinde. Doch ihm sei wichtig gewesen, dass die Munition der Elitetruppe nicht in falsche HĂ€nde gelange. Bis zu einem rechtskrĂ€ftigen Abschluss des Verfahrens gilt Kreitmayr als unschuldig. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu drei Jahre Haft.

Erhebliche FehlbestÀnde

Hintergrund der MunitionsaffĂ€re beim KSK in Calw westlich von Stuttgart ist laut Staatsanwaltschaft, dass bei der jĂ€hrlichen Munitionsinventur fĂŒr das Jahr 2019 erhebliche FehlbestĂ€nde im Munitionslager entdeckt worden waren. Der Wert der fehlenden Munition habe rund 28.000 Euro betragen. Tausende Schuss fehlten demnach.

Der Inventurbericht sei dem Brigadegeneral bekannt gewesen. Kreitmayr habe daraufhin entschieden, dass die Soldaten straffrei und anonym Munition zurĂŒckgeben könnten. Durch die anonyme RĂŒckgabe der Munition im FrĂŒhjahr 2020 sei die Verfolgung dieser Straftaten unmöglich gemacht worden. Letztlich sei mehr Munition abgegeben worden, als gefehlt hatte.

AnklĂ€ger: Ex-Kommandeur hĂ€tte mit Diebstahl rechnen mĂŒssen

Kreitmayr erklĂ€rte vor Gericht, dass er keine Anhaltspunkte fĂŒr eine Straftat gehabt habe. Von Verlust oder Diebstahl sei nicht die Rede gewesen. Es habe ein inakzeptables Durcheinander geherrscht, das durch ein erhebliches Maß an Schlamperei entstanden sein musste. 

Bei entsprechenden Hinweisen hÀtte er anders gehandelt, wie der Brigadegeneral betonte. Er sei von einer Fehllagerung der Munition oder MÀngeln bei Inventuren der Vergangenheit ausgegangen. Die Verwaltung der Munition sei zu dem Zeitpunkt chaotisch gewesen. 

Die Staatsanwaltschaft ist dagegen ĂŒberzeugt, dass der damalige KSK-Kommandeur zumindest damit hĂ€tte rechnen mĂŒssen, dass die Munition zum Teil gestohlen worden war. Eine eindeutige ErklĂ€rung fĂŒr den Fehlbestand sei bis heute nicht ermittelt, sagte der Staatsanwalt.

Vor Gericht sagte auch der zustĂ€ndige ZĂ€hltruppfĂŒhrer aus, der fĂŒr die Inventur verantwortlich war. Bei der ZĂ€hlung wĂŒrde man jede Patrone einzeln zĂ€hlen, berichtete er. Es gebe dafĂŒr klare Regeln. Die ZĂ€hlung sei innerhalb von zehn Werktagen abzuschließen.  Die Ergebnisse wĂŒrden von einer dritten Person erfasst. 

Bei der Inventur im Dezember 2019 seien deutliche UnterbestĂ€nde und in manchen FĂ€llen auch ÜberbestĂ€nde erfasst worden. ZunĂ€chst habe man versucht ZĂ€hlfehler auszumerzen. Man habe mit weiteren Helfern nachgezĂ€hlt und nach Rechenfehlern gesucht. 

Reformprogramm nach rechtsradikalen VorfÀllen

Das KSK ist ein Eliteverband der Bundeswehr. Die Kommandosoldaten sind etwa fĂŒr die Befreiung und Rettung von Geiseln im Ausland, aber auch fĂŒr EinsĂ€tze zur Landes- und BĂŒndnisverteidigung zustĂ€ndig. 

Die Soldaten haben besondere FĂ€higkeiten bei der AufklĂ€rung von Zielen oder auch fĂŒr PrĂ€zisionsangriffe. Dem Verband war ein Reformprogramm verordnet worden, nachdem es rechtsradikale VorfĂ€lle gegeben hatte. Kreitmayr war von Juni 2018 bis August 2021 Kommandeur des KSK.

Dass beim KSK in den MunitionsbĂŒchern Fehler in Höhe von mehreren Zehntausend Schuss zu wenig und teils auch zu viel festgestellt und ĂŒberdies zunĂ€chst kiloweise Sprengstoff vermisst wurden, war im politischen Berlin wie eine Bombe eingeschlagen. Die MunitionsaffĂ€re beim KSK beschĂ€ftigte die Bundespolitik wochenlang.  

FĂŒr den Prozess sind bis Ende Februar drei weitere Verhandlungstermine angesetzt.

@ dpa.de