EKD-Synode, Demokratiebildung

EKD-Synode in WĂŒrzburg: Fehrs prĂŒft AfD-Verbotsverfahren

Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 13:41 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Zum Auftakt der EKD-Synode in WĂŒrzburg fordert Kirsten Fehrs eine klare Antwort auf Populismus und Extremismus. Zugleich soll die Kirche mit demokratiefernen Menschen im GesprĂ€ch bleiben und Betroffene sexualisierter Gewalt stĂ€rker beteiligen.

WĂŒrzburg verbindet Kirchenpolitik und Aufarbeitung

  • Die EKD-Synode tagt vom 8. bis 11. November in WĂŒrzburg.
  • BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier wird am Dienstag als Gast erwartet.
  • Die Forum-Studie dokumentierte mindestens 2.225 betroffene Kinder und Jugendliche sowie 1.259 mutmaßliche TĂ€ter.
  • Antisemitismus soll in der evangelischen Kirche keinen Platz haben. - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Die 7. Tagung der 13. Synode der EKD findet bis zum 11. November in WĂŒrzburg statt. - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Kirsten Fehrs spricht sich dafĂŒr aus, ein AfD-Verbotsverfahren zu prĂŒfen. - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Anna-Nicole Heinrich leitet als PrĂ€ses ihre letzte Synode. - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Antisemitismus soll in der evangelischen Kirche keinen Platz haben. - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa Die 7. Tagung der 13. Synode der EKD findet bis zum 11. November in WĂŒrzburg statt. - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa Kirsten Fehrs spricht sich dafĂŒr aus, ein AfD-Verbotsverfahren zu prĂŒfen. - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa Anna-Nicole Heinrich leitet als PrĂ€ses ihre letzte Synode. - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

EKD-Synode in WĂŒrzburg berĂ€t ĂŒber Demokratie

Die Evangelische Kirche in Deutschland will angesichts des Drucks auf die Demokratie den Dialog zwischen den Generationen stĂ€rken und Populisten entschieden entgegentreten. EKD-Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs sprach sich zum Auftakt der Synode in WĂŒrzburg dafĂŒr aus, ein AfD-Verbotsverfahren zu prĂŒfen.

Fehrs fordert klare Haltung

„Demokratie braucht Streit, klar“, sagte Fehrs. Zugleich brauche sie vor allem Achtung zwischen politischen Kontrahenten.

Die Kirche dĂŒrfe sich nicht darauf beschrĂ€nken, Populisten und Extremisten zu kritisieren, sagte die Ratsvorsitzende. Sie mĂŒsse mit einer eigenen Agenda deutlich machen, wofĂŒr sie stehe.

Dialog mit Abgewandten

Die Kirche mĂŒsse ĂŒberparteilich agieren, zugleich aber Ungerechtigkeit und politische VersĂ€umnisse benennen können. Im GesprĂ€ch bleiben wolle sie auch mit Menschen, die sich von der Demokratie abwendeten.

Die 7. Tagung der 13. EKD-Synode lĂ€uft bis zum 11. November in WĂŒrzburg. Das Kirchenparlament berĂ€t unter dem Motto „Gemeinsam weiter - Kirche als Werkstatt fĂŒr Demokratiebildung und intergenerationales Lernen als Ausdruck gelebten Glaubens“.

Steinmeier wird als Gast erwartet

Am Dienstag soll BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier die Synode besuchen. Zur EKD gehören knapp 17,4 Millionen Menschen.

Schuster ruft zu Widerspruch auf

Der PrĂ€sident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, appellierte an die Gesellschaft, Unrecht auch dann zu benennen, wenn dies Mut erfordere. Lehrer mĂŒssten etwa einschreiten, wenn SchĂŒler rassistisch beleidigt wĂŒrden.

Auch im Freundeskreis, am Arbeitsplatz und im Verein solle man sich gegen Antisemitismus wenden, sagte Schuster in WĂŒrzburg.

Sexualisierte Gewalt bleibt Thema

Die Synode befasst sich außerdem mit Konsequenzen aus der Anfang 2024 veröffentlichten Forum-Studie. Sie dokumentierte mindestens 2.225 betroffene Kinder und Jugendliche sowie 1.259 mutmaßliche TĂ€ter.

Synoden-PrĂ€ses Anna-Nicole Heinrich sagte, kĂŒnftig werde zu sexualisierter Gewalt keine Entscheidung mehr getroffen, ohne Betroffene einzubeziehen. FĂŒr Montag ist der Bericht des Beteiligungsforums Sexualisierte Gewalt angekĂŒndigt.

Legislaturperiode endet

Mit der Tagung endet die sechsjÀhrige Amtszeit der 13. Synode. Im April 2027 soll sich das neue Kirchenparlament konstituieren.

Heinrich hat angekĂŒndigt, nicht erneut fĂŒr das PrĂ€ses-Amt zu kandidieren. Der oder die PrĂ€ses leitet das PrĂ€sidium und die Synode.

Die EKD-Synode tagt in einer Phase, in der demokratische Institutionen stÀrker unter Druck stehen und politische Debatten zunehmend von Polarisierung geprÀgt sind. Fehrs verbindet deshalb zwei AnsÀtze: Die Kirche soll Populisten und Extremisten inhaltlich entgegentreten, zugleich aber den Kontakt zu Menschen nicht abbrechen, die sich von der Demokratie entfernen.

Kirche zwischen Abgrenzung und Dialog

Diese Doppelstrategie ist fĂŒr die kirchliche Bildungsarbeit zentral. Eine klare Absage an Rassismus, Antisemitismus und demokratiefeindliche Positionen soll mit GesprĂ€chsangeboten, politischer Bildung und Begegnungen zwischen Generationen verbunden werden. Der Anspruch der Überparteilichkeit schließt dabei nicht aus, politische VersĂ€umnisse und Ungerechtigkeit zu benennen.

Die Debatte ĂŒber ein mögliches AfD-Verbotsverfahren verleiht dem Auftakt zusĂ€tzliche politische SchĂ€rfe. Ein solcher Schritt wĂ€re keine Entscheidung der Synode, sondern Teil einer verfassungsrechtlich und politisch weitreichenden Auseinandersetzung. FĂŒr die Kirche bleibt vor allem die Frage, wie sie ihre große Mitgliederbasis fĂŒr demokratisches Engagement erreicht.

Aufarbeitung als zweiter Schwerpunkt

Parallel zur Demokratiedebatte muss die EKD die Konsequenzen aus der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt umsetzen. Die angekĂŒndigte Beteiligung Betroffener an Entscheidungen zielt auf eine VerĂ€nderung kirchlicher Verfahren und Verantwortungsstrukturen. FĂŒr die Synode wird damit entscheidend sein, ob aus den bisherigen Zusagen dauerhaft ĂŒberprĂŒfbare Beteiligung und Schutz entstehen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

BR: „Evangelische Jahressynode berĂ€t ĂŒber Demokratie“ (08.11.2026)

Der Beitrag bestÀtigt den Schwerpunkt der Synode auf Demokratie und Aufarbeitung sexualisierten Missbrauchs. Anders als die dpa-Meldung konzentriert er sich stÀrker auf die Tagesordnung der Tagung; die konkreten Aussagen von Kirsten Fehrs stehen weniger im Mittelpunkt.

BR24: „EKD-Synode: Kann Kirche Demokratie stĂ€rken?“ (06.11.2026)

Der Artikel ordnet die Synode vor ihrem Auftakt als Debatte ĂŒber den Beitrag der Kirche zur Demokratie ein. Damit ergĂ€nzt er den aktuellen dpa-Fokus um die grundsĂ€tzliche Frage nach der gesellschaftlichen Wirkung kirchlichen Engagements.

Beide BeitrĂ€ge stimmen in der Bedeutung der Demokratiebildung und der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt ĂŒberein. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung: WĂ€hrend der aktuelle Auftakt die politische Positionierung Fehrs hervorhebt, rĂŒcken die BR-Berichte stĂ€rker Tagesordnung und institutionelle Rolle der Kirche in den Vordergrund.

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