Elif Eralp streicht Ibrahim-Frage aus «Spiegel»-Interview
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 10:40 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEralps Aussagen und die Berliner Regierungsbildung
- Elif Eralp strebte nach der Abgeordnetenhauswahl das Amt der Regierenden Bürgermeisterin an.
- Das Interview führte der «Spiegel» am Montag; die kommentierte Fassung kam einen Tag später zurück.
- Eine Frage zu Ibrahim Ibrahim und Eralps Antwort wurden in der autorisierten Fassung gestrichen.
Elif Eralp streicht Frage zu Ibrahim Ibrahim
Die Berliner Linken-Politikerin Elif Eralp sieht einem «Spiegel»-Bericht zufolge die Sicherheit ihrer Familie gefährdet, wenn sie sich ausdrücklich zu dem Palästina-Aktivisten Ibrahim Ibrahim äußert. Interne Anmerkungen zu einem Interview gelangten demnach versehentlich zusammen mit der autorisierten Fassung an das Magazin.
Interview mit Grünen und SPD im Hintergrund
Der «Spiegel» führte das Gespräch am Montag mit Eralp, die Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden möchte und mit Grünen und SPD über eine Landesregierung verhandelt. Am folgenden Tag erhielt ihr Sprecher die schriftliche Fassung zur Autorisierung, die einen Tag später mit Kommentaren und Anmerkungen zurückkam.
Frage und Antwort aus Fassung entfernt
Im Interview ging es auch um Antisemitismus in den Reihen der Linken. Eralp habe erklärt, ihr sei das gesamte Ausmaß des Problems nicht bewusst gewesen; sie habe zwar das Engagement vieler Parteifreunde im Bezirksverband Neukölln für Palästina gekannt, aber keine Grenzüberschreitungen im Wahlkampf erwartet.
Auf die Nachfrage, ob damit Ibrahim Ibrahim gemeint sei, antwortete Eralp dem Bericht zufolge mit Ja. In der autorisierten Version fehlten die Frage und die Antwort laut «Spiegel» jedoch vollständig.
Hinweis auf Sicherheitsbedenken
In internen Anmerkungen schrieb Eralp demnach, das Landeskriminalamt habe früher empfohlen, keine konkreten Namen zu nennen. Nun gehe es um Menschen mit Kontakten zur Hamas; sie könne sich und ihre Familie nicht für den «Spiegel» in Gefahr bringen und fragte, ob das gesamte Interview storniert werden solle.
Der Verein democ bezeichnet Ibrahim Ibrahim als langjährigen Aktivisten der Volksfront für die Befreiung Palästinas. Die Organisation wird von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Ibrahim war nach der Abgeordnetenhauswahl im September bei einer Wahlparty der Linken in Neukölln.
Eralp berichtet von täglichen Anfeindungen
Eralps Sprecher teilte dem «Spiegel» später mit, die Politikerin sei als Bürgermeisterkandidatin seit Monaten täglich Beleidigungen, Drohungen und Anfeindungen ausgesetzt. Sicherheitsbehörden rieten angesichts der allgemeinen Bedrohungslage dazu, politische Probleme in öffentlichen Stellungnahmen nicht an einzelnen Personen festzumachen, insbesondere bei mutmaßlichen Verbindungen zur Organisierten Kriminalität oder zu Terrororganisationen.
Der Vorgang fällt in eine politisch angespannte Debatte innerhalb der Berliner Linken. Eralp will mit Grünen und SPD eine Landesregierung bilden und zugleich den Umgang ihrer Partei mit Antisemitismus sowie mit radikalen propalästinensischen Positionen erklären. Damit berührt die Affäre nicht nur den persönlichen Schutz einer Politikerin, sondern auch die politische Verantwortlichkeit einer möglichen künftigen Regierungschefin.
Sicherheitsinteressen und öffentliche Rechenschaft
Bedrohungen, Beleidigungen und Anfeindungen können öffentliche Amtsträgerinnen erheblich belasten. Sicherheitsbehörden empfehlen in solchen Fällen, konkrete Personen nicht ohne Not öffentlich zu benennen, insbesondere wenn Bezüge zu Organisierter Kriminalität oder Terrororganisationen im Raum stehen. Diese Rücksichtnahme steht jedoch in Spannung zur politischen Aufklärung, wenn es um das Verhalten von Parteimitgliedern, Wahlkampfauftritte oder mögliche Nähe zu extremistischen Akteuren geht.
Für die anstehenden Koalitionsgespräche dürfte deshalb entscheidend sein, wie die Berliner Linke ihre Abgrenzung zu Antisemitismus, Terrorverherrlichung und demokratiefeindlichen Netzwerken konkret formuliert. Ebenso relevant ist, ob SPD und Grüne ausreichende politische und sicherheitsbezogene Klarheit für eine Zusammenarbeit sehen. Der Fall zeigt zudem, dass autorisierte Interviews in der politischen Kommunikation eine besondere Rolle spielen: Redaktionelle Nachfragen können gestrichen werden, interne Anmerkungen geben aber Einblick in die Konflikte hinter der öffentlichen Position.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Elif Eralp hat offenbar Angst vor Hamas-Sympathisanten“ (29.10.2026)
Der Beitrag bestätigt, dass Eralp in versehentlich übermittelten internen Anmerkungen ihre Sorge um sich und ihre Familie beschrieben habe. Er legt den Schwerpunkt auf die politische Tragweite ihrer Sicherheitsbedenken im Fall einer möglichen Regierungsverantwortung.
FOCUS online: „Anmerkungen offenbaren Eralps Angst vor Terrorsympathisanten“ (29.10.2026)
Der Artikel bestätigt den Ablauf des Interviews und die versehentlich mitgesandten Kommentare. Anders als n-tv rückt er stärker die gestrichene Frage zu Ibrahim Ibrahim und den innerparteilichen Umgang mit propalästinensischen Positionen in den Mittelpunkt.
Beide Beiträge stellen die Sicherheitsbedenken und die politische Bedeutung des Vorgangs heraus. Unterschiede bestehen vor allem in der Gewichtung von persönlicher Gefährdung und innerparteilicher Verantwortung; offen bleibt, welche Folgen der Vorgang für die geplante Regierungsbildung hat.
