Elif Eralp, Alexander Dobrindt

Elif Eralp zeigt Dobrindt wegen Antisemitismusvorwurf an

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 13:25 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Berliner Linken-Politikerin Elif Eralp und ihr Landesverband haben Bundesinnenminister Alexander Dobrindt wegen einer Äußerung in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“ angezeigt. Ihr Anwalt sieht darin üble Nachrede und Beleidigung.

  • Elif Eralp hat Strafanzeige gegen Innenminister Alexander Dobrindt gestellt. (Archivbild) - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
    Elif Eralp hat Strafanzeige gegen Innenminister Alexander Dobrindt gestellt. (Archivbild) - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
  • Innenminister Alexander Dobrindt war zu Gast bei «Maybrit Illner». (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa
    Innenminister Alexander Dobrindt war zu Gast bei «Maybrit Illner». (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa
Elif Eralp hat Strafanzeige gegen Innenminister Alexander Dobrindt gestellt. (Archivbild) - Bild: Sebastian Gollnow/dpa Innenminister Alexander Dobrindt war zu Gast bei «Maybrit Illner». (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa

Die Berliner Linken-Politikerin Elif Eralp und ihr Landesverband haben nach Angaben ihres Anwalts Strafanzeige gegen Bundesinnenminister Alexander Dobrindt gestellt.

Streit nach Versprecher in Talkshow

Der CSU-Politiker soll sich dem Schriftsatz zufolge eine Aussage über Eralp als „Antisemitin“ zu eigen gemacht haben. Anwalt Jasper Prigge wertet dies als üble Nachrede und Beleidigung.

Anlass ist eine Passage der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“ vom Donnerstag. Im Wortgefecht mit der Linken-Bundestagsfraktionschefin Heidi Reichinnek versprach sich Moderatorin Maybrit Illner zunächst: „Elif Eralp sagt, sie ist Antisemitin ... Sie ist keine Antisemitin.“ Sie korrigierte sich sofort. Dobrindt antwortete darauf: „Na doch.“

Anwalt spricht von falscher Tatsachenbehauptung

Prigge argumentiert, Dobrindt habe sich den Versprecher zu eigen gemacht und damit eine falsche Tatsachenbehauptung aufgestellt. Die Bezeichnung als Antisemitin sei zudem in erheblichem Maße ehrabträglich.

Im Schriftsatz heißt es, die Äußerung könne Eralps öffentliches Wirken erheblich erschweren. Die Verbreitung im Fernsehen sei geeignet, ihre Integrität als politische Amtsträgerin und damit die Regierungsbildung in Berlin zu beeinträchtigen.

Innenministerium reagiert knapp

Dobrindt reagierte nicht inhaltlich auf die Anzeige. Ein Sprecher des Innenministeriums erklärte, man habe die Medienberichterstattung zur Kenntnis genommen. Zu Dobrindts Aussage sagte er: „Die Worte stehen für sich.“ Ob Dobrindt Eralp tatsächlich für eine Antisemitin halte, ließ der Sprecher offen.

Debatte über Berlins künftige Regierung

Eralp war mit der Linken bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September mit 25,7 Prozent der Stimmen stärkste Kraft geworden und strebt das Amt der Regierenden Bürgermeisterin in einer rot-grün-roten Koalition an. Gegen die Berliner Linke werden Antisemitismusvorwürfe erhoben, unter anderem wegen eines propalästinensischen Rappers, der bei einer Parteiveranstaltung zu Gewalt gegen die israelische Armee aufgerufen haben soll.

Eralp distanzierte sich vor und nach der Wahl von Antisemitismus und Gewaltaufrufen. Sie kündigte an, jüdisches Leben in Berlin schützen zu wollen, und bekräftigte das Existenzrecht Israels.

Dobrindt kritisiert Umfeld der Linken

Dobrindt hatte in der vergangenen Woche in Kloster Banz gesagt, die Linkspartei in Berlin dulde „ganz offensichtlich Antisemiten und Extremisten in ihrem Umfeld“.

Wahlgewinn mit politischer Belastung

Die Anzeige fällt in eine angespannte Phase der Berliner Regierungsbildung. Die Linke wurde bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September mit 25,7 Prozent stärkste Kraft und strebt eine rot-grün-rote Koalition an. SPD und Grüne verlangen zugleich glaubhafte Konsequenzen gegen antisemitische Vorfälle und klare Abgrenzungen innerhalb des Landesverbands.

Vorwürfe gegen die Partei, nicht gegen Eralp

Im Zentrum der politischen Debatte stehen Vorgänge im Umfeld einzelner Parteimitglieder, darunter israelfeindliche Äußerungen und Kontakte zu Personen aus extremistischen oder kriminellen Milieus. Eralp selbst hat sich von Antisemitismus und Gewaltaufrufen distanziert, jüdischen Schutz zugesagt und das Existenzrecht Israels bekräftigt.

Rechtliches und politische Folgen

Die Strafanzeige richtet sich gegen eine konkrete Äußerung in einer Fernsehsendung. Ob daraus ein Ermittlungsverfahren oder weitere rechtliche Schritte entstehen, entscheidet die zuständige Justiz. Politisch verschärft der Vorgang jedoch die Trennlinie zwischen der Kritik an einzelnen Vorgängen in der Berliner Linken und dem Vorwurf, die Partei insgesamt sei antisemitisch. Für die Sondierungen dürfte entscheidend sein, ob die möglichen Partner verbindliche Maßnahmen und personelle Konsequenzen erreichen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

DER SPIEGEL: „Streit über Antisemitismus-Vorwurf: Berliner Linke zeigt Alexander Dobrindt an“ (28.09.2026)

Der Bericht stelle heraus, dass dem Schriftsatz zufolge auch das Schreiben des Anwalts vorliege, und betone, der Vorwurf gegen Dobrindt werde darin als willkürlich bezeichnet. Zugleich weise der Artikel darauf hin, dass sich die Antisemitismusvorwürfe gegen die Partei und nicht ausdrücklich gegen Eralp selbst richteten.

Tagesspiegel: „Ein „Na doch“ mit Folgen: Elif Eralp zeigt Innenminister Dobrindt nach Antisemitismus-Vorwurf an“ (28.09.2026)

Der Bericht bestätige den Anlass der Anzeige und setze einen zusätzlichen Schwerpunkt auf die Reaktion Heidi Reichinneks in der Sendung. Außerdem stelle er die Kontroverse über die Vorwürfe gegen die Berliner Linke und Dobrindts frühere Äußerungen in einen breiteren Zusammenhang.

Beide Berichte stellten die Anzeige als Folge des kurzen Wortwechsels bei „Maybrit Illner“ dar. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung: Während der SPIEGEL das Anwaltsschreiben und die Abgrenzung Eralps hervorhebe, betone der Tagesspiegel stärker die Talkshow-Debatte und die politische Auseinandersetzung.

Disclaimer...

de | politik | 70192537 |