Palliativarzt, Menschen

Palliativarzt soll vier Menschen in Berlin getötet haben

07.08.2024 - 12:44:42

Er soll vier Menschen getötet haben, nun sitzt er in Untersuchungshaft: Die Polizei hat einen 39 Jahre alten Palliativarzt festgenommen. Sie ermittelt auch wegen des Verdachts auf Brandstiftung.

  • Ein Palliativarzt sitzt seit Dienstag in Untersuchungshaft, weil er vier Seniorinnen getötet haben soll. (Symbolfoto). - Foto: Soeren Stache/dpa

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  • Ein Palliativarzt sitzt seit Dienstag in Untersuchungshaft, weil er vier Seniorinnen getötet haben soll. (Symbolfoto). - Foto: Jens BĂŒttner/dpa

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Ein Palliativarzt sitzt seit Dienstag in Untersuchungshaft, weil er vier Seniorinnen getötet haben soll. (Symbolfoto). - Foto: Soeren Stache/dpaEin Palliativarzt sitzt seit Dienstag in Untersuchungshaft, weil er vier Seniorinnen getötet haben soll. (Symbolfoto). - Foto: Jens BĂŒttner/dpa

Ein Palliativarzt soll in Berlin vier Patienten getötet haben. Der 39-JĂ€hrige sitzt in Untersuchungshaft, wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilten. Gegen ihn wird wegen des Verdachts des Totschlags und der Brandstiftung ermittelt. Das Motiv des Mannes sei noch unklar, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Es werde geprĂŒft, ob es noch weitere VerdachtsfĂ€lle geben könnte. 

Der Mediziner war laut Staatsanwaltschaft seit Jahresanfang im Palliativteam eines Pflegedienstes beschĂ€ftigt. Im Rahmen dieser TĂ€tigkeit soll er nach den Ermittlungen zwischen dem 11. Juni und dem 24. Juli vier Patientinnen auf bisher noch unbekannte Weise in deren Wohnungen getötet haben. Anschließend habe er dort Feuer gelegt, um die Taten zu vertuschen, hieß es. 

Bei den mutmaßlichen Opfern handelt es sich demnach um vier Frauen im Alter zwischen 72 und 94 Jahren. In drei FĂ€llen habe der Mann ein Feuer gelegt, in einem Fall sei es bei versuchter Brandstiftung geblieben. 

Versuchte Vertuschung durch Brandstiftung

Im Falle einer 87-jÀhrigen Seniorin, die der VerdÀchtige am 11. Juni in Berlin-Neukölln umgebracht haben soll, konnten die alarmierten RettungskrÀfte die Frau zunÀchst noch reanimieren. Sie starb kurze Zeit spÀter im Krankenhaus. 

Am 8. Juli soll er den Angaben zufolge ebenfalls in Neukölln eine 76-JĂ€hrige in deren Wohnung getötet haben. Hier sei ihm der Versuch, ein Feuer zu legen, missglĂŒckt. Der Mann habe daraufhin Angehörige der Frau informiert und behauptet, er stĂŒnde vor der Wohnung und sie reagiere nicht auf sein Klingeln. 

Ein weiteres Opfer in Neukölln soll eine 94 Jahre alte Patientin gewesen sein. Eine 72 Jahre alte Frau soll der Arzt dann am 24. Juli im Berliner Ortsteil PlÀnterwald getötet haben.

ZunÀchst Ermittlungen wegen Brandstiftung mit Todesfolge 

Die Festnahme des Mannes und die VorfĂŒhrung bei einem Haftrichter erfolgten bereits am Dienstag. Seither sitzt der 39-JĂ€hrige in Untersuchungshaft. Der Mediziner war bei den Ermittlungen zu den BrĂ€nden zunehmend in den Fokus geraten. ZunĂ€chst wurde wegen Brandstiftung mit Todesfolge ermittelt, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte. Parallel habe es einen Hinweis vom Pflegedienst gegeben. 

«Wir können Ihnen sagen, dass der gesamte Sachverhalt fĂŒr uns unbegreiflich ist und wir zutiefst erschĂŒttert sind», zitierte die «Abendschau» des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) den Pflegedienst. Die vollstĂ€ndige AufklĂ€rung der VorgĂ€nge habe jetzt oberste PrioritĂ€t. «Und wir kooperieren bestmöglich mit den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.» 

Die Wohnungen der Opfer lagen meist in MehrfamilienhÀusern. Von den BrÀnden waren daher noch andere Bewohnerinnen und Bewohner betroffen, von denen einige verletzt wurden. 

Die Ermittlungen zu den HintergrĂŒnden der Taten stehen laut Staatsanwaltschaft noch am Anfang. In den Wohnungen der Opfer fehlen nach bisherigen Erkenntnissen keine WertgegenstĂ€nde, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte. Gegen eine Tötung auf Verlangen spricht aus Sicht der Staatsanwaltschaft die Brandserie. Auch die konkrete Todesursache mĂŒsse noch untersucht werden, so der Sprecher. 

Immer wieder Tötungsdelikte in der Pflege

In der Vergangenheit sorgten andere FĂ€lle getöteter Patienten fĂŒr Schlagzeilen. Ende April wurde in Berlin ein frĂŒherer Herzmediziner der CharitĂ© zu vier Jahren Haft verurteilt, weil er nach Ansicht des Landgerichts zwei Schwerstkranke auf der kardiologischen Intensivstation in den Jahren 2021 und 2022 mit ĂŒberdosierten Medikamenten getötet hatte. Das Urteil ist nicht rechtskrĂ€ftig. Sowohl der Arzt als auch die Staatsanwaltschaft sind in Revision gegangen.

In Bremen wurde ebenfalls im April ein Altenpfleger wegen Mordes und versuchten Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Nach Auffassung des Landgerichts Bremen wollte er mit seinen Taten Anerkennung erlangen. Das Urteil ist nicht rechtskrÀftig. Die Staatsanwaltschaft verdÀchtigt den Mann, weitere Taten begangen zu haben. 

In MĂŒnchen wurde im Mai 2023 ein Krankenpfleger wegen zweifachen Mordes und sechsfachen Mordversuchs zu lebenslanger Haft verurteilt. Der 27-JĂ€hrige hatte vor Gericht unumwunden eingerĂ€umt, zwei 80 und 89 Jahre alte Patienten getötet und es bei drei weiteren versucht zu haben. Das Motiv, das er angab: Er wollte seine Ruhe haben.

Der wohl bekannteste Fall dĂŒrfte der von Ex-Pfleger Niels Högel sein. Das Landgericht Oldenburg verurteilte ihn im Juni 2019 wegen 85-fachen Mordes zu lebenslanger Haft. Zugleich stellte es die besondere Schwere der Schuld fest, was eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren in der Praxis so gut wie ausschließt. Der als «Todesengel» bekanntgewordene Högel war wegen 100 Morden angeklagt, bei denen er seinen Opfern eigenmĂ€chtig Medikamente gespritzt haben soll.

 

 

@ dpa.de