Palliativarzt soll vier Menschen in Berlin getötet haben
07.08.2024 - 12:44:42Ein Palliativarzt soll in Berlin vier Patienten getötet haben. Der 39-JĂ€hrige sitzt in Untersuchungshaft, wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilten. Gegen ihn wird wegen des Verdachts des Totschlags und der Brandstiftung ermittelt. Das Motiv des Mannes sei noch unklar, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Es werde geprĂŒft, ob es noch weitere VerdachtsfĂ€lle geben könnte.Â
Der Mediziner war laut Staatsanwaltschaft seit Jahresanfang im Palliativteam eines Pflegedienstes beschĂ€ftigt. Im Rahmen dieser TĂ€tigkeit soll er nach den Ermittlungen zwischen dem 11. Juni und dem 24. Juli vier Patientinnen auf bisher noch unbekannte Weise in deren Wohnungen getötet haben. AnschlieĂend habe er dort Feuer gelegt, um die Taten zu vertuschen, hieĂ es.Â
Bei den mutmaĂlichen Opfern handelt es sich demnach um vier Frauen im Alter zwischen 72 und 94 Jahren. In drei FĂ€llen habe der Mann ein Feuer gelegt, in einem Fall sei es bei versuchter Brandstiftung geblieben.Â
Versuchte Vertuschung durch Brandstiftung
Im Falle einer 87-jĂ€hrigen Seniorin, die der VerdĂ€chtige am 11. Juni in Berlin-Neukölln umgebracht haben soll, konnten die alarmierten RettungskrĂ€fte die Frau zunĂ€chst noch reanimieren. Sie starb kurze Zeit spĂ€ter im Krankenhaus.Â
Am 8. Juli soll er den Angaben zufolge ebenfalls in Neukölln eine 76-JĂ€hrige in deren Wohnung getötet haben. Hier sei ihm der Versuch, ein Feuer zu legen, missglĂŒckt. Der Mann habe daraufhin Angehörige der Frau informiert und behauptet, er stĂŒnde vor der Wohnung und sie reagiere nicht auf sein Klingeln.Â
Ein weiteres Opfer in Neukölln soll eine 94 Jahre alte Patientin gewesen sein. Eine 72 Jahre alte Frau soll der Arzt dann am 24. Juli im Berliner Ortsteil PlÀnterwald getötet haben.
ZunĂ€chst Ermittlungen wegen Brandstiftung mit TodesfolgeÂ
Die Festnahme des Mannes und die VorfĂŒhrung bei einem Haftrichter erfolgten bereits am Dienstag. Seither sitzt der 39-JĂ€hrige in Untersuchungshaft. Der Mediziner war bei den Ermittlungen zu den BrĂ€nden zunehmend in den Fokus geraten. ZunĂ€chst wurde wegen Brandstiftung mit Todesfolge ermittelt, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte. Parallel habe es einen Hinweis vom Pflegedienst gegeben.Â
«Wir können Ihnen sagen, dass der gesamte Sachverhalt fĂŒr uns unbegreiflich ist und wir zutiefst erschĂŒttert sind», zitierte die «Abendschau» des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) den Pflegedienst. Die vollstĂ€ndige AufklĂ€rung der VorgĂ€nge habe jetzt oberste PrioritĂ€t. «Und wir kooperieren bestmöglich mit den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.»Â
Die Wohnungen der Opfer lagen meist in MehrfamilienhĂ€usern. Von den BrĂ€nden waren daher noch andere Bewohnerinnen und Bewohner betroffen, von denen einige verletzt wurden.Â
Die Ermittlungen zu den HintergrĂŒnden der Taten stehen laut Staatsanwaltschaft noch am Anfang. In den Wohnungen der Opfer fehlen nach bisherigen Erkenntnissen keine WertgegenstĂ€nde, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte. Gegen eine Tötung auf Verlangen spricht aus Sicht der Staatsanwaltschaft die Brandserie. Auch die konkrete Todesursache mĂŒsse noch untersucht werden, so der Sprecher.Â
Immer wieder Tötungsdelikte in der Pflege
In der Vergangenheit sorgten andere FĂ€lle getöteter Patienten fĂŒr Schlagzeilen. Ende April wurde in Berlin ein frĂŒherer Herzmediziner der CharitĂ© zu vier Jahren Haft verurteilt, weil er nach Ansicht des Landgerichts zwei Schwerstkranke auf der kardiologischen Intensivstation in den Jahren 2021 und 2022 mit ĂŒberdosierten Medikamenten getötet hatte. Das Urteil ist nicht rechtskrĂ€ftig. Sowohl der Arzt als auch die Staatsanwaltschaft sind in Revision gegangen.
In Bremen wurde ebenfalls im April ein Altenpfleger wegen Mordes und versuchten Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Nach Auffassung des Landgerichts Bremen wollte er mit seinen Taten Anerkennung erlangen. Das Urteil ist nicht rechtskrĂ€ftig. Die Staatsanwaltschaft verdĂ€chtigt den Mann, weitere Taten begangen zu haben.Â
In MĂŒnchen wurde im Mai 2023 ein Krankenpfleger wegen zweifachen Mordes und sechsfachen Mordversuchs zu lebenslanger Haft verurteilt. Der 27-JĂ€hrige hatte vor Gericht unumwunden eingerĂ€umt, zwei 80 und 89 Jahre alte Patienten getötet und es bei drei weiteren versucht zu haben. Das Motiv, das er angab: Er wollte seine Ruhe haben.
Der wohl bekannteste Fall dĂŒrfte der von Ex-Pfleger Niels Högel sein. Das Landgericht Oldenburg verurteilte ihn im Juni 2019 wegen 85-fachen Mordes zu lebenslanger Haft. Zugleich stellte es die besondere Schwere der Schuld fest, was eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren in der Praxis so gut wie ausschlieĂt. Der als «Todesengel» bekanntgewordene Högel war wegen 100 Morden angeklagt, bei denen er seinen Opfern eigenmĂ€chtig Medikamente gespritzt haben soll.
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