Trauergemeinde nimmt Abschied von Wolfgang SchÀuble
05.01.2024 - 11:31:36Mehrere Hundert Menschen haben in der evangelischen Stadtkirche von Offenburg Abschied vom gestorbenen CDU-Politiker Wolfgang SchĂ€uble genommen. Die evangelische Landesbischöfin von Baden, Heike Springhart, leitete den Trauergottesdienst. SchĂ€uble wurde anschlieĂend in seiner Heimatstadt beigesetzt.
Unter den TrauergĂ€sten waren Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD), der PrĂ€sident des Bundesverfassungsgerichts, Stephan Harbarth, der CDU-Bundesvorsitzende Friedrich Merz und der frĂŒhere CDU-Chef Armin Laschet, der baden-wĂŒrttembergische MinisterprĂ€sident Winfried Kretschmann (GrĂŒne), sein VorgĂ€nger GĂŒnther Oettinger (CDU), Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU), CDU-Landeschef Manuel Hagel und der frĂŒhere luxemburgische Regierungschef Jean-Claude Juncker.
Landesbischöfin: Kraft im Verletzlichen
Springhart wĂŒrdigte SchĂ€uble als unabhĂ€ngigen Geist, beharrlichen KĂ€mpfer fĂŒr die Demokratie und weitsichtigen EuropĂ€er. «Wolfgang SchĂ€uble hat aus einer Kraft gelebt, die gröĂer war als er selbst. Er hat mit seiner Weisheit und der dem SchwarzwĂ€lder eigenen Mischung aus Beharrlichkeit und Verschmitztheit die demokratische Kultur in unserem Land geprĂ€gt und fĂŒr den Erhalt der Demokratie gekĂ€mpft bis zuletzt», sagte sie in ihrer Predigt.
SchĂ€uble habe gezeigt, was möglich ist und welche Kraft im verletzlichen Leben steckt - auch nach den schicksalhaften SchĂŒssen aus der Pistole eines psychisch kranken Mannes im Jahr 1990, die ihn in den Rollstuhl brachten. Wolfgang SchĂ€uble habe aus dem Vertrauen gelebt, dass sein Leben gehalten gewesen sei von Gottes Gnade.
Kretschmann wĂŒrdigt SchĂ€uble als groĂen Demokraten
Als Gestalter Europas, leidenschaftlichen Demokraten und groĂen Sohn des Landes wĂŒrdigte der baden-wĂŒrttembergische MinisterprĂ€sident Winfried Kretschmann (GrĂŒne) SchĂ€uble. «Mit Wolfgang SchĂ€uble verliert unser Land eine ganz groĂe politische Persönlichkeit», sagte Kretschmann beim Trauergottesdienst.
Der dienstĂ€lteste Parlamentarier habe das Land maĂgeblich gestaltet, geprĂ€gt und getragen. Kretschmann bescheinigte ihm WirkmĂ€chtigkeit ĂŒber ein halbes Jahrhundert. Er habe SchĂ€ubles politisches Geschick, seine Ausdauer, seine ĂberzeugungsstĂ€rke und unglaubliche Urteilskraft immer sehr bewundert. «Er dachte die Dinge durch und dachte sie vom Ende her.» Er habe auch hart und polemisch sein können, aber er habe immer auch Kompromisse gemacht, die er als Kardinaltugend der Demokratie und nicht als SchwĂ€che angesehen habe.
Merz: «Was fĂŒr eine Lebensleistung»
Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz hob beim Trauergottesdienst SchĂ€ubles Lebensleistung hervor. «Wir begleiten ihn in Liebe, in Freundschaft und ganz sicher wir alle zusammen in grenzenlosem Respekt. Was fĂŒr eine Lebensleistung. Was fĂŒr ein politisches Leben», sagte Merz.
SchĂ€uble habe «Generationen von Abgeordneten unserer Fraktion eine PrĂ€gung mitgegeben, auch mir ganz persönlich. Ohne ihn stĂ€nde ich heute nicht hier», sagte der CDU-Chef. «Wir sind ĂŒber die letzten drei Jahrzehnte immer engere Freunde geworden.» 16 der bisher 24 Regierungen des Landes habe sein ehemaliger Parteikollege erlebt, fast jeder dritten davon habe er selbst angehört. «Zwei hohe StaatsĂ€mter sind ihm versagt geblieben. Er hĂ€tte sie ohne Zweifel beide ausgefĂŒllt», so Merz.
Tochter Christine: «Papa, Du warst ein Gesamtkunstwerk»
Mit bewegenden Worten nahm SchĂ€ubles Tochter Christine Strobl stellvertretend fĂŒr die Familie Abschied von ihrem Vater. «Papa, Du warst ein Gesamtkunstwerk», sagte sie beim Trauergottesdienst neben dem Sarg. Ihr Vater habe gezeigt, was mit Wille möglich sei, dass man nach Niederlagen wieder aufstehen könne, wie man mit sich im Reinen sei und auch, wie man wĂŒrdevoll sterben könne.
Christine Strobl, ARD-Programmdirektorin und Frau von Baden-WĂŒrttembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU), erinnerte an den starken Durchhaltewillen ihres Vaters und daran, wie sehr das Attentat, infolgedessen SchĂ€uble auf einen Rollstuhl angewiesen war, die Familie zusammenschweiĂte.
«Papa ist ohne Mama nicht denkbar gewesen», sagte Christine Strobl. Sie alle seien immer darauf ausgerichtet gewesen, dass es ihm gut gehe. Als ihre Mutter im Sommer einen schweren Unfall gehabt habe, habe ihr Vater sich zusammengerissen, um ihr etwas zurĂŒckzugeben.
SchÀubles Sarg war mit schwarz-rot-goldener Flagge und Bundesadler vor dem Altar aufgebahrt, flankiert von sechs Bundespolizisten. Davor lag ein riesiges Herz mit roten Rosen und der Aufschrift «Deine Ingeborg», daneben ein Kranz seiner Familie. Auch vor der Kirche waren viele KrÀnze aufgestellt, unter anderem mit gelben und roten Blumen, den badischen Farben.
GroĂes militĂ€risches Ehrengeleit
Nach dem Gottesdienst wurde SchĂ€uble mit einem GroĂen militĂ€rischen Ehrengeleit gewĂŒrdigt. SargtrĂ€ger trugen unter musikalischer Begleitung den Sarg mit SchĂ€ubles Leichnam aus der Stadtkirche. Soldaten des Wachbataillons beim Bundesministerium der Verteidigung hatten vor der Kirche in Ehrenformation Aufstellung genommen. Das Heeresmusikkorps Koblenz spielte SchĂ€uble zu Ehren mehrere MusikstĂŒcke, darunter die deutsche Nationalhymne und den Trauermarsch aus dem Oratorium «Saul» von Georg Friedrich HĂ€ndel. Hunderte Menschen standen hinter Absperrgittern und verfolgten das Geschehen.
Ein Trauerzug bewegte sich im Anschluss auf einer Strecke von gut einem Kilometer zum Waldbachfriedhof. Dort wurde SchĂ€uble beigesetzt. Auch die Ăffentlichkeit durfte auf ausdrĂŒcklichen Wunsch SchĂ€ubles an der Beerdigung auf dem historischen Waldbachfriedhof teilnehmen, wie die Stadt Offenburg vorab mitgeteilt hatte.
SchĂ€uble war am zweiten Weihnachtstag im Alter von 81 Jahren nach langer schwerer Krankheit gestorben. In seiner Laufbahn hatte der Badener wichtige politische Ămter inne: Er war Minister, CDU-Chef, Fraktionsvorsitzender und PrĂ€sident des Deutschen Bundestages. Niemand gehörte dem Parlament lĂ€nger an als er. Sein Wirken wurde zuletzt ĂŒber die Parteigrenzen gewĂŒrdigt. BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier nannte SchĂ€uble einen «GlĂŒcksfall fĂŒr die deutsche Geschichte».















