Klimaaktivisten legen MĂŒnchner Airport zum Ferienbeginn lahm
18.05.2024 - 06:59:05Klimaschutzaktivisten haben zu Beginn der Pfingstferien fĂŒr erhebliche Behinderungen am MĂŒnchner Flughafen gesorgt. Die Aktivisten drangen am frĂŒhen Morgen auf das GelĂ€nde des Airports ein und klebten sich an Rollbahnen neben den Landebahnen fest.
Nach Angaben von Sprechern des Flughafens sowie der Bundespolizei wurde der Airport aus SicherheitsgrĂŒnden zunĂ€chst komplett geschlossen. Nach etwa zwei Stunden konnte dann zunĂ€chst eine der beiden Start- und Landebahnen in Betrieb gehen, etwa eine Stunde spĂ€ter auch die zweite Bahn.
Der Flughafensprecher sagte, dass es allerdings noch eine Weile dauern könne, bis sich der Verkehr am Samstag normalisiere. «Wir haben insgesamt knapp 1000 Starts und Landungen geplant.» Durch die enge Taktung der FlĂŒge komme es in solchen FĂ€llen immer noch eine Weile zu VerspĂ€tungen. Passagiere, die fĂŒr Samstag einen Flug gebucht hatten, sollten auf jeden Fall Kontakt mit ihrer Airline aufnehmen.
Die sogenannte Letzte Generation hatte auf dem Netzwerk X mitgeteilt, dass sich insgesamt sechs Personen in Zweiergruppen an unterschiedliche Stellen des MĂŒnchner Flughafens gesetzt hĂ€tten. Zahlreiche Polizeibeamte und FeuerwehrkrĂ€fte waren vor Ort, um die Aktivisten zu entfernen.
Klimaaktivisten schneiden Zaun an vier Stellen auf
Der Sprecher der Bundespolizei sagte, dass zunÀchst acht Personen an vier unterschiedlichen Stellen zeitgleich auf das GelÀnde gelangen wollten. Die MÀnner und Frauen hÀtten sich durch den Sicherheitszaun des Flughafens geschnitten. Zwei der Aktivisten hÀtten noch im Bereich des Zaunes festgenommen werden können, die anderen seien weiter in den Innenbereich gekommen.
Wie der Flughafensprecher erklĂ€rte, waren morgens ab 5.00 Uhr zunĂ€chst nur geplante Landungen in MĂŒnchen betroffen, weil Starts erst ab 6.00 Uhr stattfinden dĂŒrften. In der ersten Betriebsstunde seien acht Maschinen zu anderen FlughĂ€fen umgeleitet worden.
Der MĂŒnchner Flughafen hatte am ersten Ferienwochenende zahlreiche Urlauber erwartet, insgesamt etwa 350.000 Passagiere waren von Freitag bis Sonntag angekĂŒndigt. Der MĂŒnchner Airport wollte in dieser Zeit 2860 FlĂŒge abfertigen. Insgesamt seien in den Pfingstferien, der nach Ostern zweiten groĂen Reisewelle des Jahres, sieben Prozent mehr FlĂŒge angemeldet worden als im Vorjahr, berichtete der Flughafen vor dem Ferienstart.
Letzte Generation wollte Ferienbeginn am Airport stören
Mitglieder der Letzten Generation hatten nach eigenen Angaben geplant, auf das GelÀnde des Flughafens zu gelangen, um mindestens eine der beiden Start- und Landebahnen zu blockieren. Damit wollten sie den beginnenden Reiseverkehr zum Start der Pfingstferien stören.
Hintergrund der Protestaktion sei, dass der Flugverkehr knapp zehn Prozent der deutschen Verantwortung fĂŒr die Erderhitzung ausmache. Die Flugbranche werde durch den Verzicht auf Kerosin- und Mehrwertsteuer vom Staat subventioniert, kritisierten die Aktivisten. Sie fordern ein entschiedeneres Durchgreifen der Politik angesichts des Klimawandels.
In der Vergangenheit hatte die Gruppe bereits Ă€hnliche Aktionen an mehreren deutschen FlughĂ€fen durchgefĂŒhrt, etwa in Berlin, Hamburg und DĂŒsseldorf. In MĂŒnchen gab es bereits im Dezember 2022 eine Blockade am Airport. Damals konnte deswegen nach Behördenangaben ein Flugzeug, das einen Notfall-Patienten an Bord hatte, erst mit 20-minĂŒtiger VerspĂ€tung am Flughafen der bayerischen Landeshauptstadt landen.
Faeser: Flughafen-Blockade ist kriminell
Bundesinnenministerin Nancy Faeser schrieb zur Blockade auf der Plattform X: «Solche kriminellen Aktionen gefĂ€hrden den Flugverkehr und schaden dem Klimaschutz, weil sie nur UnverstĂ€ndnis und Wut hervorrufen.» Sie verlangte: «Die TĂ€ter mĂŒssen konsequent verfolgt werden, die SchutzmaĂnahmen am Flughafen ĂŒberprĂŒft werden.»
CSU-GeneralsekretĂ€r Martin Huber forderte: «Volle HĂ€rte des Rechtsstaats gegenĂŒber diesen Klima-Chaoten.» Auf X schrieb er: «Die Aktionen der letzten Generation sind lebensgefĂ€hrlich - fĂŒr sich und andere.»
Auch der Flughafen-Verband ADV kritisiert die Klimaschutzaktivisten scharf. «Das Eindringen in den Luftsicherheitsbereich ist kein Kavaliersdelikt. Ăber hunderttausend Passagiere werden daran gehindert, entspannt und pĂŒnktlich in die Pfingstferien zu starten», sagte ADV-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Ralph Beisel. Der Verband unterstĂŒtze die Forderung nach hĂ€rteren strafrechtlichen Konsequenzen. «Diese unbefriedigenden StrafbarkeitslĂŒcken bei der Verurteilung der Eindringlinge muss geschlossen werden», verlangte Beisel.
Agrarminister Cem Ăzdemir (GrĂŒne) sieht nach eigenem Bekunden keinen Sinn in der Blockade des MĂŒnchner Flughafens. «Was soll es bringen, Menschen den Urlaubsstart zu vermiesen? Nehmt uns Politiker in die Pflicht, argumentiert, streitet», schrieb er auf der Plattform X. «Aber zerstört bitte nicht das Wichtigste, das wir im Kampf gegen die Klimakrise haben: Den breiten Konsens in der Gesellschaft.»


