Deutschland, Afghanistan

Deutschland schiebt rund 30 MĂ€nner nach Afghanistan ab

16.06.2026 - 11:12:07 | dpa.de

Erneut startet von Leipzig/Halle ein Abschiebeflug nach Kabul. Grundlage ist eine Vereinbarung mit den dort herrschenden islamistischen Taliban.

  • Mehrere BundeslĂ€nder hatten Afghanen fĂŒr den Flug angemeldet.  - Bild: Hendrik Schmidt/dpa
    Mehrere BundeslĂ€nder hatten Afghanen fĂŒr den Flug angemeldet. - Bild: Hendrik Schmidt/dpa
  • Mit einer Mahnwache protestierten Menschen am Flughafen Leipzig/Halle gegen den Abschiebeflug. - Bild: Hendrik Schmidt/dpa
    Mit einer Mahnwache protestierten Menschen am Flughafen Leipzig/Halle gegen den Abschiebeflug. - Bild: Hendrik Schmidt/dpa
  • An Bord des Charterflugs waren rund 30 MĂ€nner.  - Bild: Hendrik Schmidt/dpa
    An Bord des Charterflugs waren rund 30 MĂ€nner. - Bild: Hendrik Schmidt/dpa
Mehrere BundeslĂ€nder hatten Afghanen fĂŒr den Flug angemeldet.  - Bild: Hendrik Schmidt/dpa Mit einer Mahnwache protestierten Menschen am Flughafen Leipzig/Halle gegen den Abschiebeflug. - Bild: Hendrik Schmidt/dpa An Bord des Charterflugs waren rund 30 MĂ€nner.  - Bild: Hendrik Schmidt/dpa

Deutschland hat nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur erneut Afghanen per Charterflug in ihr Heimatland abgeschoben. Unter den ausgewiesenen MĂ€nnern waren StraftĂ€ter, die unter anderem wegen Vergewaltigung, Totschlag und sexueller Nötigung verurteilt worden waren. Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Bayern, Niedersachsen und Baden-WĂŒrttemberg hatten rund 30 Ausreisepflichtige fĂŒr den Flug angemeldet. 

Die Maschine startete den Informationen zufolge in der Nacht vom Flughafen Leipzig/Halle in Richtung der afghanischen Hauptstadt Kabul. Nach Angaben eines dpa-Reporters vor Ort versammelten sich im Terminal rund 35 Gegner der Abschiebung zu einer Mahnwache.

Grundlage ist eine direkte Vereinbarung mit den in Afghanistan herrschenden islamistischen Taliban, die der Bundesregierung regelmĂ€ĂŸige Abschiebungen nach Afghanistan ohne Vermittlerstaaten ermöglicht.

Erster Abschiebeflug 2024

KĂŒrzlich war eine ursprĂŒnglich fĂŒr Ende Mai vorbereitete Sammelabschiebung von ausreisepflichtigen MĂ€nnern nach Afghanistan abgesagt worden, weil die Taliban-Machthaber nicht kooperierten. Nach dpa-Informationen war der Flug abgesagt worden, nachdem sich die militant-islamistischen de-facto-Herrscher in Kabul unzufrieden gezeigt hatten ĂŒber die aus ihrer Sicht mangelnde GesprĂ€chsbereitschaft von Vertretern des AuswĂ€rtigen Amts. Die Taliban sind vor allem daran interessiert, mehr Diplomaten an die afghanischen Vertretungen in Deutschland zu entsenden. 

Im August 2024 waren erstmals seit der MachtĂŒbernahme durch die Taliban drei Jahre zuvor 28 mĂ€nnliche StraftĂ€ter mit Hilfe von Katar von Leipzig nach Kabul abgeschoben. Inzwischen gibt es auch wieder von Deutschland selbst organisierte Abschiebungen nach Afghanistan - sowohl Einzelabschiebungen per Linienflug als auch Sammelcharter. 

Kritik an ZugestÀndnissen an Taliban 

Kritiker bemĂ€ngeln, dass die Bundesregierung die Taliban einerseits wegen ihrer Menschenrechtsverletzung - insbesondere was Frauen betrifft - nicht anerkennt, gleichzeitig aber, um Abschiebungen zu ermöglichen, praktische ZugestĂ€ndnisse macht. Dazu zĂ€hlt die Erlaubnis zur Entsendung einzelner Diplomaten an die afghanischen Vertretungen in Deutschland, an der zuvor ausschließlich Diplomaten gearbeitet hatten, die noch von der VorgĂ€ngerregierung dorthin entsandt worden waren. 

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte im November erklĂ€rt: «StraftĂ€ter und GefĂ€hrder mĂŒssen dabei zunĂ€chst PrioritĂ€t haben.» Das bedeutet aber nicht, dass sich die Abschiebungen auch perspektivisch ausschließlich auf diese beiden Gruppen beschrĂ€nkt sein werden.

de | politik | 69551560 |