Sylt-Video, VorfÀlle

Nach Sylt-Video immer mehr rassistische VorfÀlle bekannt

27.05.2024 - 21:58:29

Erst vor wenigen Tagen taucht im Netz ein Video von PartygĂ€sten auf, die auf Sylt rassistische Parolen zur Melodie eines Partyhits singen. Der Aufschrei ist groß. Nun werden Ă€hnliche VorfĂ€lle bekannt.

Nach dem Rassismus-Eklat bei einer Party auf der Insel Sylt hĂ€ufen sich Ă€hnliche VorfĂ€lle. Auch auf SchĂŒtzenfesten in Niedersachsen, auf dem Schlagermove in Hamburg, in Sachsen-Anhalt und auf einem Spitzeninternat in Schleswig-Holstein soll es rassistische GesĂ€nge gegeben haben. 

Ein kurzes Video von der Pfingstparty in einem Lokal auf Sylt hatte vor wenigen Tagen bundesweit Empörung ausgelöst, weil GĂ€ste zur Melodie des Partyhits «L’amour toujours» von Gigi D'Agostino «AuslĂ€nder raus» und «Deutschland den Deutschen» sangen. Die Staatsschutz-Abteilung der Polizei ermittelt. Mindestens zwei der Identifizierten verloren ihren Job.

Rassistische GesÀnge in Niedersachsen

In Niedersachsen sollen noch danach bei einer mehrtĂ€gigen Veranstaltung in Altendorf nördlich von Wolfsburg mehrere Personen rassistische Parolen zu dem Lied gesungen haben, wie die Polizei mitteilte. Der Staatsschutz ermittelt und sucht Zeugen des Vorfalls aus der Nacht zum Sonntag. Zuvor hatte die «Braunschweiger Zeitung» berichtet. Davor war bereits ein Ă€hnlicher Vorfall auf dem SchĂŒtzenfest in Löningen (Landkreis Cloppenburg) bekanntgeworden, der sich Pfingsten ereignet hatte.

Auf dem Partyumzug Schlagermove in Hamburg sollen am Samstagabend Feierende zu «L'Amour Toujours» rassistische Parolen gerufen haben, wie die Polizei mitteilte. Einige Teilnehmer sollen den Hitlergruß gezeigt haben. Das Landeskriminalamt fĂŒr Staatsschutzdelikte hat die Ermittlungen ĂŒbernommen. 

In Sachsen-Anhalt ermitteln mehrere Polizeidienststellen. Wie das Polizeirevier im Burgenlandkreis am Montag mitteilte, soll beim traditionellen Fest Leißlinger Eierbetteln bei Weißenfels in einem Festzelt zu dem 20 Jahre alten Partyhit «AuslĂ€nder raus» und «Deutschland den Deutschen» gegrölt worden sein. Es liefen Ermittlungen wegen Volksverhetzung, teilte eine Polizeisprecherin mit. Weitere VorfĂ€lle gab es nach Angaben der Polizei in Magdeburg und Halle. 

Rassistische Äußerungen bei SchĂŒlerparty in Internat

Am renommierten Internat Louisenlund in Schleswig-Holstein sollen minderjĂ€hrige SchĂŒlerinnen und SchĂŒler am Donnerstag bei einer Feier zu der Melodie rassistische Parolen gesungen haben. Daraufhin hĂ€tten die LehrkrĂ€fte die Feier abgebrochen und SchĂŒlerinnen und SchĂŒler ins Bett geschickt, teilte das schleswig-holsteinische Bildungsministerium am Montag mit. Zudem habe das Ministerium eine ÜberprĂŒfung durch die Schulaufsicht veranlasst.

Mit einigen SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern gab es laut dem Internatsleiter Peter Rösner weitere GesprĂ€che. Diese hĂ€tten in einem Anflug großer «Dummheit» das auf Sylt entstandene Video nachahmen wollen. Die mögliche Tragweite sei ihnen nicht bewusst gewesen. Nach Angaben Rösners werden sie fĂŒr eine Woche vom Schulbetrieb suspendiert.

D'Agostino-Lied soll auf dem Oktoberfest verboten werden

Wegen der Umdichtungen mit rechtsextremen Textzeilen wollen die Veranstalter des MĂŒnchner Oktoberfests das Lied «L'amour toujours» vorsichtshalber gar nicht erst spielen. «Wir wollen es verbieten, und ich werde es verbieten», sagte Oktoberfest-Chef Clemens BaumgĂ€rtner der Deutschen Presse-Agentur am Montag. «Auf der Wiesn ist fĂŒr den ganzen rechten Scheißdreck kein Platz.» Das Lied an sich sei zwar nicht rechtsradikal, aber es habe eine «ganz klare rechtsradikale Konnotation» bekommen. Zuvor hatte der «MĂŒnchner Merkur» berichtet. 

Auch in der Stuttgarter Fanzone zur Fußball-Europameisterschaft und auf dem Cannstatter Volksfest im Herbst soll das Lied nicht gespielt werden. Dies teilte ein Sprecher der Veranstaltungsgesellschaft mit.

Die Veranstalter der Kieler Woche (22. bis 30. Juni) sehen dagegen keine rechtliche Grundlage fĂŒr ein Verbot, wie der Leiter Philipp Dornberger der Deutschen Presse-Agentur sagte. Die Betreiber von Party- und MusikbĂŒhnen sollen aber sensibilisiert werden.

Bereits in den vergangenen Monaten gab es in den BundeslÀndern immer wieder VorfÀlle, bei denen zu dem Lied Neonazi-Parolen gerufen wurden. Am Freitagabend grölten zwei Besucher eines Festes in Erlangen rassistische Parolen zu der Musik. Bei einem Pfingstfest in der Oberpfalz sollen Besucher ebenfalls «AuslÀnder raus» gerufen haben, als das Lied gespielt wurde.

@ dpa.de