Lockdown, Jahren

Erster Lockdown vor fĂŒnf Jahren - was bleibt?

16.03.2025 - 06:00:46 | dpa.de

Es waren EinschrĂ€nkungen und Auflagen wie niemals zuvor in der Bundesrepublik: Um die erste Corona-Welle unter Kontrolle zu bringen, mussten Einrichtungen wochenlang schließen. Das hatte Folgen.

  • Weil viele GeschĂ€fte schließen mussten, blieben FußgĂ€ngerzonen leer. (Archivbild) - Foto: Uli Deck/dpa
    Weil viele GeschĂ€fte schließen mussten, blieben FußgĂ€ngerzonen leer. (Archivbild) - Foto: Uli Deck/dpa
  • Klassenzimmer blieben wochenlang leer. (Archivbild) - Foto: Kay Nietfeld/dpa
    Klassenzimmer blieben wochenlang leer. (Archivbild) - Foto: Kay Nietfeld/dpa
  • Auch SpielplĂ€tze wurden abgesperrt. (Archivbild) - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
    Auch SpielplÀtze wurden abgesperrt. (Archivbild) - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
  • Restaurants, Bars und CafĂ©s mussten wochenlang geschlossen bleiben. (Archivbild) - Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
    Restaurants, Bars und Cafés mussten wochenlang geschlossen bleiben. (Archivbild) - Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
  • Die Kanzlerin richtete einen Appell an alle Menschen. (Archivbild) - Foto: Fabian Strauch/dpa
    Die Kanzlerin richtete einen Appell an alle Menschen. (Archivbild) - Foto: Fabian Strauch/dpa
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Schulen und Kitas zu, Restaurants und GeschĂ€fte dicht, Theater, Friseure und SportplĂ€tze auch: Vor fĂŒnf Jahren wurde das Alltagsleben in ganz Deutschland im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus in beispielloser Weise heruntergefahren. Mit BeschlĂŒssen am 16. und 22. MĂ€rz 2020 verhĂ€ngten Bund und LĂ€nder einen ersten «Lockdown», um Ansteckungen entscheidend zu unterbinden. SpĂ€ter in der Pandemie folgten noch weitere solcher Phasen fĂŒr mehrere Wochen. RĂŒckblickend finden die Lockdowns laut einer Umfrage mehrheitlich weiter Akzeptanz - doch Diskussionen darum gibt es bis heute. 

Wie genau kam es zum ersten Lockdown?

Um die erste Infektionswelle zu brechen, waren regional schon Schutzauflagen in Kraft und die meisten Schulen geschlossen. Am 16. MĂ€rz vereinbarten die damalige Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die MinisterprĂ€sidentinnen und MinisterprĂ€sidenten «Leitlinien zum einheitlichen Vorgehen» - mit Schließungen von Einrichtungen, Abstandsregeln und ReisebeschrĂ€nkungen. Eine Runde am 22. MĂ€rz verschĂ€rfte die Maßnahmen noch. FĂŒr Restaurants galt damit nicht mehr, spĂ€testens ab 18.00 Uhr zu schließen, sondern: «Gastronomiebetriebe werden geschlossen», ausgenommen nur Speisen zum Abholen und Ausliefern. 

Warum hieß es Lockdown?

Der Begriff «Lockdown» war in der FrĂŒhphase der Pandemie noch nicht in aller Munde, er setzte sich erst nach und nach durch. Im engeren Sinne bedeutet er «Ausgangssperre» oder «Abriegelung», wurde dann aber zum Schlagwort fĂŒr das breit angelegte Stilllegen des öffentlichen Lebens. Merkel nutzte das Wort nicht, als sie in einer ungewöhnlichen Fernsehansprache am 18. MĂ€rz 2020 um Akzeptanz fĂŒr die einschneidenden BeschrĂ€nkungen warb. «Es geht darum, das Virus auf seinem Weg durch Deutschland zu verlangsamen», sagte Merkel und gab die eindringliche Mahnung aus: «Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.»

Wie hat der Lockdown gewirkt?

Es dauerte bis Anfang Mai 2020, bis die Vorgaben wieder gelockert wurden. So durften alle GeschĂ€fte öffnen, aber mit Maskenpflicht und Kunden-Limits. «Wir können uns ein StĂŒck Mut leisten, aber wir mĂŒssen vorsichtig bleiben», sagte Merkel. Den generellen Corona-Kurs rechtfertigte sie auch rĂŒckblickend. Die Alternative wĂ€re gewesen, alle Menschen in kurzer Zeit der Erkrankung auszusetzen und zuzusehen, wie das Gesundheitssystem kollabierte, schrieb Merkel in ihren Erinnerungen. «Dabei hĂ€tten wir den Tod vieler, besonders der Alten und Vorerkrankten, riskiert, wenn nicht billigend in Kauf genommen.» 

Was gehört noch zur Lockdown-Bilanz?

Das große Ziel lautete, das Gesundheitswesen vor Überlastung zu bewahren und Risikogruppen zu schĂŒtzen. Die Einschnitte in die persönliche Freiheit und das Wirtschaftsleben waren aber drastisch. Um Folgen fĂŒr diverse Branchen abzufedern, legte der Bund riesige Milliarden-Hilfsprogramme auf. Vor allem die Folgen fĂŒr Kinder, die nicht in Schulen und Kitas konnten, waren hart. Auch der damalige CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn nannte es rĂŒckblickend ein VersĂ€umnis, «dass wir es nicht geschafft haben, die Kinder und Jugendlichen so vor den Folgen dieser Pandemie zu schĂŒtzen, wie wir es hĂ€tten tun sollen».

Wie fallen EinschĂ€tzungen im RĂŒckblick aus?

Aus heutiger Sicht finden 56 Prozent die Lockdowns alles in allem betrachtet richtig, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ergab. Dabei nannten 21 Prozent sie völlig richtig und 35 Prozent eher richtig. Völlig falsch finden sie dagegen 20 Prozent und eher falsch weitere 19 Prozent. FĂŒr 50 Prozent der Befragten waren die Lockdowns aber sehr belastend. FĂŒr zu wenig zielgerichtet halten sie jetzt 52 Prozent. Befragt wurden am 10. und 11. MĂ€rz 2.012 Menschen ab 18 Jahren.

Kommt noch eine grĂ¶ĂŸere Aufarbeitung?

Um die ganze Palette der Schutzmaßnahmen auch mit Impfungen und Masken entbrannten erbitterte Auseinandersetzungen - und die GrĂ€ben sind tief. Im Bundestag kam eine Aufarbeitung des Krisenmanagements in der abgelaufenen Wahlperiode nicht zustande. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), der das Ende der Pandemie in Deutschland regelte, sprach sich schon fĂŒr einen neuen Anlauf jetzt nach der Wahl aus. BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier lud am Freitag selbst zu einer Diskussion und mahnte: «Das, was wir nicht offen ansprechen, nĂ€hrt einfach nur Verschwörungstheorien und neues Misstrauen.»

Was ist an Krisen-Instrumenten geblieben?

Nach fast drei Jahren endeten die letzten bundesweiten Schutzvorgaben am Ostermontag 2023. Im Infektionsschutzgesetz, das in der Pandemie immer wieder geĂ€ndert wurde, sind die Corona-Bestimmungen außer Kraft getreten. Es gibt aber eine «Generalklausel», auf der die LĂ€nder bei Gesundheitskrisen Schutzmaßnahmen stĂŒtzen könnten, wie das Bundesgesundheitsministerium erlĂ€uterte. Im Gesetz steht auch weiter die Möglichkeit, dass der Bundestag wie bei Corona eine «epidemische Lage von nationaler Tragweite» feststellt. Dann könnte der Bund einfacher Maßnahmen etwa zur Arzneiversorgung ergreifen.

Was lÀuft noch weiter?

Im zentralen Lager des Bundes gibt es laut Gesundheitsministerium derzeit noch sieben Millionen Impfdosen. Nachgekauft wird in nationaler Regie nicht mehr. Es bestehen aber noch Abnahmeverpflichtungen fĂŒr Lieferungen von Biontech und Novavax wegen der Beteiligung an einer Beschaffungsinitiative der EU-Kommission. Der Bund will den Impfstoff beider Firmen noch bis mindestens 2026 kostenlos bereitstellen. Bis Ende 2028 aufbewahrt werden mĂŒssen Unterlagen von Corona-Teststellen. Das soll gewĂ€hrleisten, weiterhin FĂ€lle von Abrechnungsbetrug zu ahnden. Dem Bund drohen auch noch Risiken aus schwelenden StreitfĂ€llen um Maskenlieferungen zu Sonderkonditionen.

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