Gewalttat ĂŒberschattet den Bundestagswahlkampf
13.02.2025 - 15:50:42Zehn Tage vor der Bundestagswahl hat eine Bluttat in MĂŒnchen fĂŒr Entsetzen gesorgt. Als TatverdĂ€chtigen nahm die Polizei einen abgelehnten Asylbewerber aus Afghanistan fest. Die polizeilichen Ermittlungen zum Motiv des 24-JĂ€hrigen sind zwar noch nicht abgeschlossen. Dass der mutmaĂliche Anschlag Einfluss auf den Wahlkampf haben dĂŒrfte, zeigen jedoch bereits die ersten Reaktionen aus der Politik. Die wichtigsten Fragen und Antworten:
Hat die Zahl der AnschlĂ€ge zuletzt zugenommen?Â
Eine Reihe von Orten hat zuletzt traurige Bekanntheit erlangt: Mannheim, Solingen und Magdeburg im vergangenen Jahr, im laufenden Jahr Aschaffenburg und nun MĂŒnchen.Â
In den Jahren 2021 bis 2024 zĂ€hlte das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz insgesamt vier islamistisch motivierte TerroranschlĂ€ge: 2021 in einem Zug zwischen Regensburg und NĂŒrnberg, 2023 in einem Duisburger Fitnessstudio sowie im vergangenen Jahr die Attacke auf dem Volksfest in Solingen und der Angriff auf dem Marktplatz in Mannheim, wo ein Afghane fĂŒnf Teilnehmer einer Kundgebung der islamkritischen BĂŒrgerbewegung Pax Europa (BPE) sowie einen Polizisten mit einem Messer verletzte. Der 29 Jahre alte Polizist Rouven Laur erlag spĂ€ter seinen Verletzungen. Der Aufwand, den die TĂ€ter betrieben, war relativ gering: Einige benutzen ein Auto als Tatwerkzeug, hĂ€ufig waren Messer im Spiel.Â
Besonders viele islamistisch motivierte TerroranschlĂ€ge gab es in Deutschland 2016.Â
Was machen die Sicherheitsbehörden?
Seit 2015 wurden in Deutschland nach Angaben aus Sicherheitskreisen 18 islamistische TerroranschlÀge verhindert. Zahlreiche radikale Islamisten kamen in den vergangenen zwei Jahren in Untersuchungshaft.
Gemeinsam haben die TatverdĂ€chtigen, die nach den letzten, nur teilweise islamistisch motivierten, AnschlĂ€gen ermittelt wurden, dass Polizei und Verfassungsschutz sie vorher nicht als Extremisten auf dem Radar hatten. Allerdings waren sie teilweise wegen anderer VorfĂ€lle polizeibekannt.Â
Im Fall des nun in MĂŒnchen festgenommenen Afghanen sollen es Drogendelikte und LadendiebstĂ€hle gewesen sein. Der Mann aus Saudi-Arabien, der in Magdeburg mit einem Auto auf einem Weihnachtsmarkt sechs Menschen tötete und knapp 300 Menschen verletzte, hatte Drohungen veröffentlicht. Als radikaler Islam-Gegner passte er jedoch in keine der ĂŒblichen Extremismus-Kategorien.Â
Wie reagiert die Bundesregierung?
Sie hatte nach dem mutmaĂlich islamistisch motivierten Anschlag auf einem Stadtfest in Solingen am 23. August ein «Sicherheitspaket» beschlossen. Es sah unter anderem VerschĂ€rfungen im Aufenthaltsrecht und beim Waffenrecht vor, sowie mehr Befugnisse fĂŒr die Sicherheitsbehörden. Ein Teil der Reformen wurde im Bundesrat gestoppt, weil CDU und CSU weitreichendere Ănderungen wollten.Â
Wie viele Asylbewerber kamen zuletzt aus Afghanistan?
Afghanistan ist schon seit Jahren ein wichtiges Herkunftsland von Menschen, die in Deutschland Schutz suchen. Afghanen sind derzeit hinter Syrern die zweitgröĂte Gruppe bei jenen, die erstmals einen Asylantrag in Deutschland stellen, wie eine Ăbersicht des Bundesamts fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge zeigt. Auf sie entfielen 2024 insgesamt 34.149 AntrĂ€ge, was 14,9 Prozent entspricht.
Was löst das im laufenden Wahlkampf aus?
Die Themen Migration und Sicherheit dominieren die Auseinandersetzungen zwischen den Parteien bereits. FĂŒr CDU und CSU sind sie ohnehin wichtig, nach dem Anschlag in Aschaffenburg im Januar umso stĂ€rker. Innere Sicherheit, Migration und ihre Kontrolle dĂŒrften andere Fragen fĂŒr die verbleibenden anderthalb Wochen bis zur Wahl damit weitgehend verdrĂ€ngen, zumal in den Tagen nach solchen Taten viele offene Fragen aufkommen.Â
Mehr HĂ€rte fordern insbesondere CDU/CSU sowie AfD. «Diese Anschlagserie muss ein Ende haben», sagt die stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Andrea Lindholz. Die Bevölkerung mĂŒsse besser geschĂŒtzt werden - «das wird die erste groĂe Aufgabe der neuen Bundesregierung sein», ergĂ€nzt die CSU-Politikerin.
Bei manchen löst die sich verschĂ€rfende Debatte ĂŒber Migration und Sicherheitsfragen jedoch auch Sorgen vor einem Rechtsruck aus - eine Entwicklung, vor der Parteien wie GrĂŒne und Linke warnen. So beklagt etwa die Linken-Innenpolitikerin Clara BĂŒnger eine «permanente Skandalisierung von Migration». Angesichts der Herausforderungen im ĂuĂeren wie im Innern sei es umso wichtiger, «dass wir auch in unserem Land als Demokraten zusammenstehen», sagt AuĂenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne).Â
Wie unterscheiden sich die Konzepte der Parteien?
Aus Sicht von CDU und CSU setzt das alles zu spĂ€t an: Die Union will, dass von vornherein weniger Menschen ins Land kommen können. Das will sie durch generelle ZurĂŒckweisungen erreichen. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hat zwar inzwischen stationĂ€re Kontrollen an allen deutschen Landgrenzen angeordnet, ohne die ZurĂŒckweisungen nicht möglich sind. Wer einen Asylantrag stellen will, darf aber in der Regel einreisen.Â
Im vergangenen Jahr wurden laut Bundesinnenministerium rund 80.000 unerlaubte Einreisen festgestellt, wobei es in etwa 47.000 FĂ€llen zu einer ZurĂŒckweisung kam, etwa wenn jemand gefĂ€lschte Dokumente vorlegte oder weil nach einer Abschiebung eine Einreisesperre ausgesprochen worden war.


