Deutschland, Krankenversicherung

HausÀrzte: Krankenkassen sollen bei Verwaltungskosten sparen

20.03.2026 - 00:01:04 | dpa.de

Etwas mehr als 90 gesetzliche Krankenkassen gibt es in Deutschland. Diese Zahl stellt HausÀrzte-Chef Markus Blumenthal-Beier wegen des Kostendrucks im Gesundheitssystem infrage.

Die HausÀrzte wollen, dass die Krankenkassen den Rotstift bei sich selbst ansetzen. (Archivbild) - Foto: Stephan Jansen/dpa
Die HausÀrzte wollen, dass die Krankenkassen den Rotstift bei sich selbst ansetzen. (Archivbild) - Foto: Stephan Jansen/dpa

In der Debatte um die Kosten der gesetzlichen Krankenversicherungen fordert der Chef des HausĂ€rztinnen- und HausĂ€rzteverbandes Einsparungen bei den Kassen selbst. «Die Krankenkassen können ja mal ihre Mitglieder fragen, wofĂŒr sie ihre BeitrĂ€ge lieber zahlen: DafĂŒr, dass sie auch in Zukunft noch eine Hausarztpraxis finden oder dafĂŒr, 90 Kassen zu finanzieren», sagte der Bundesvorsitzende des Verbandes, Markus Blumenthal-Beier, der «Rheinischen Post». 

«Es wird Zeit, dass die Kassen endlich den Rotstift bei sich selbst ansetzen, statt immer nur bei der Versorgung ihrer Versicherten», argumentierte Blumenthal-Beier. Mittelfristig mĂŒssten die Kassen ihre Verwaltungskosten «dringend halbieren».

Auch SozialverbÀnde zweifeln an hoher Zahl der Kassen

Ähnlich sehen es große SozialverbĂ€nde. Die PrĂ€sidentin des Verbandes VdK, Verena Bentele sagte der «Rheinischen Post»: «Es ist nicht mehr vermittelbar, dass wir uns in Deutschland ein System aus ĂŒber 90 gesetzlichen Krankenkassen leisten.» Diese Kleinteiligkeit schaffe unnötige Doppelstrukturen und binde erhebliche Beitragsmittel in der Verwaltung. Hier gehe es um MilliardenbetrĂ€ge, die direkt in die Versorgung der Patientinnen und Patienten fließen sollten. 

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) mahnte ebenfalls, die Verwaltungsstruktur der gesetzlichen Krankenversicherung sei kritisch zu hinterfragen. Dazu gehöre die Frage, ob eine Vielzahl von Krankenkassen mit eigenen Verwaltungen noch zeitgemĂ€ĂŸ ist, erklĂ€rte die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier. Zugleich betonte sie, unterschiedliche Angebote und Strukturen könnten sinnvoll sein, wenn sie zu besseren Leistungen fĂŒr Versicherte fĂŒhren und Effizienz fördern. 

Engelmeier sieht aber auch die Politik gefragt. Kostensenkungen bei den Verwaltungen der Kassen allein könnten die finanzielle Schieflage nicht lösen. DafĂŒr brauche es auch einen dynamisierten Bundeszuschuss, eine gerechtere Beteiligung hoher Einkommen und einem fairen Finanzausgleich zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung sowie eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel auf sieben Prozent. 

CSU-Politiker fordert ZusammenschlĂŒsse

Der CSU-Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag, Klaus Holetschek, riet den Kassen in der «Rheinischen Post», «von sich aus verstĂ€rkt Synergien zu suchen, Kooperationen auszubauen und ZusammenschlĂŒsse einzuleiten – bevor der Gesetzgeber handeln muss».

Nach Angaben des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) gibt es derzeit 93 gesetzliche Krankenkassen in Deutschland. Das sind deutlich weniger als noch vor einigen Jahrzehnten: Im Jahr 1970 etwa lag die Zahl noch bei 1.815. Zur Jahrtausendwende waren es noch 420 gesetzliche Krankenversicherungen.

Ausgaben steigen stÀrker als Einnahmen

Die gesetzlichen Krankenkassen hatten im vergangenen Jahr nach einer Welle von Beitragserhöhungen zwar einen Überschuss verbucht. Allerdings waren auch ihre Ausgaben stark gestiegen, wie das Bundesgesundheitsministerium kĂŒrzlich mitteilte. Nach Angaben von Ministerin Nina Warken (CDU) steigen die Ausgaben seit 2024 wesentlich stĂ€rker als die Einnahmen. Kostentreiber sind demnach Klinikbehandlungen, Ausgaben fĂŒr Arzneimittel und Praxisbehandlungen. 

Ein von Warken eingesetztes Experten-Gremium soll bis Ende MĂ€rz VorschlĂ€ge zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenkassen vorlegen. Bis zum Jahresende sollen weitergehende ReformvorschlĂ€ge folgen. Hintergrund ist eine fĂŒr 2027 erwartete FinanzlĂŒcke im zweistelligen Milliardenbereich.

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