EU-Wohnungspolitik, Kurzzeitvermietung

EU plant strengere Regeln fĂŒr Airbnb – Mieterbund und EigentĂŒmerverband warnen

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 11:23 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die EU-Kommission plant eine einheitliche Definition angespannter WohnungsmĂ€rkte, um Kurzzeitvermietungen wie ĂŒber Airbnb leichter begrenzen zu können. Deutscher Mieterbund und Haus & Grund reagieren mit deutlicher Skepsis auf die VorschlĂ€ge.

EU-PlĂ€ne zur Regulierung von Airbnb stoßen auf Skepsis
Airbnb (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die PlĂ€ne der EU-Kommission zur Regulierung von Kurzzeitvermietungen ĂŒber Plattformen wie Airbnb stoßen beim Deutschen Mieterbund (DMB) und beim EigentĂŒmerverband Haus & Grund auf deutliche Vorbehalte. Beide VerbĂ€nde Ă€ußerten sich kritisch gegenĂŒber den neuen VorschlĂ€gen fĂŒr BeschrĂ€nkungen von Ferienwohnungsvermietungen.

Mieterbund fordert strengere Zweckentfremdungsverbote

DMB-Bundesdirektor Florian Becker bezeichnete den Markt der Kurzzeitvermietung als undurchsichtig und eng mit der Vermietung möblierten Wohnraums verbunden. Aus seiner Sicht braucht dieser Bereich dringend eine stĂ€rkere Regulierung. Ob die neuen EU-VorschlĂ€ge zur BeschrĂ€nkung von Plattformen wie Airbnb hier rasch Abhilfe schaffen, sei jedoch unklar, auch wegen erheblicher Nachweispflichten fĂŒr die Behörden. Becker hĂ€lt ein flĂ€chendeckendes Zweckentfremdungsverbot von Wohnraum fĂŒr notwendig, von dem alle Kommunen Gebrauch machen können.

Haus & Grund pocht auf lokale Lösungen

Haus-&-Grund-PrĂ€sident Kai Warnecke betonte, wer vor Ort ein konkretes Problem sehe, mĂŒsse auch vor Ort angemessen reagieren können. DafĂŒr brauche es nach seiner Auffassung keine neuen europĂ€ischen Vorgaben und kein einheitliches europĂ€isches VerstĂ€ndnis davon, wann ein Wohnungsmarkt unter Druck steht. Kurzzeitvermietungen seien nicht die Ursache der europĂ€ischen Wohnungskrise, argumentierte Warnecke. Wer sie zum SĂŒndenbock mache, lenke aus seiner Sicht von den eigentlichen Ursachen ab: zu wenig Neubau, zu hohe Kosten und immer neue Regulierung.

Geplante EU-Definition angespannter WohnungsmÀrkte

Eingriffe in Kurzzeitvermietungen hĂ€lt Warnecke nur dort fĂŒr gerechtfertigt, wo tatsĂ€chlich nachgewiesen werden könne, dass solche Vermietungen den regulĂ€ren Wohnungsmarkt ĂŒber Jahre spĂŒrbar belasten. Die EU-Kommission wiederum will es den zustĂ€ndigen Behörden in den Mitgliedstaaten erleichtern, die Vermietung von Ferienwohnungen in Gebieten mit starkem Wohnungsmangel zu erschweren oder zu untersagen. Kern der PlĂ€ne ist eine EU-weite Definition fĂŒr angespannte WohnungsmĂ€rkte.

Mehr Rechtssicherheit fĂŒr Eingriffe in PlattformmĂ€rkte

Werden die vorgesehenen Kriterien erfĂŒllt, sollen Kommunen oder etwa die deutschen BundeslĂ€nder tĂ€tig werden können und den Markt fĂŒr Kurzzeitvermietungen regulieren. Damit soll ihr Risiko sinken, spĂ€ter von Gerichten ausgebremst zu werden, etwa wegen VerstĂ¶ĂŸen gegen die Regeln des EU-Binnenmarkts. Die Debatte zeigt, dass die geplante EU-Regulierung auf ein Spannungsfeld zwischen Mieter- und EigentĂŒmerinteressen trifft.

Die Kritik von Deutschem Mieterbund und Haus & Grund an den PlĂ€nen der EU-Kommission berĂŒhrt einen Konflikt, der die Wohnungspolitik in vielen europĂ€ischen StĂ€dten seit Jahren prĂ€gt: Wie weit sollen Plattformen fĂŒr Kurzzeitvermietungen reguliert werden, um bezahlbaren Wohnraum zu schĂŒtzen, ohne private Vermieter ĂŒbermĂ€ĂŸig einzuschrĂ€nken?

Spannung zwischen EU-Rahmen und kommunaler Steuerung

Die EU-Kommission zielt mit ihrem Vorhaben auf eine einheitliche Definition angespannter WohnungsmĂ€rkte und klarere Eingriffsmöglichkeiten fĂŒr Behörden, wenn Ferienwohnungen in Regionen mit knappem Wohnraum stark zunehmen. Damit reagiert sie auf Beschwerden aus zahlreichen Mitgliedstaaten, in denen Metropolen und Tourismusregionen steigende Mieten, Umwandlungen von Mietwohnungen in Ferienapartments und VerdrĂ€ngung von Bewohnern beobachten. Kommunen sollen Rechtssicherheit erhalten, um lokale Verbote oder Obergrenzen fĂŒr Kurzzeitvermietungen vor Gerichten besser verteidigen zu können.

Interessen von Mietern und EigentĂŒmern

Der Deutsche Mieterbund drĂ€ngt seit lĂ€ngerem auf strengere Regeln gegen Zweckentfremdung von Wohnraum. Aus Mietersicht verstĂ€rken Plattformangebote wie Airbnb in ohnehin engen MĂ€rkten den Druck, wenn regulĂ€rer Wohnraum dauerhaft touristisch genutzt wird. Gleichzeitig warnt Haus & Grund als EigentĂŒmerverband davor, Kurzzeitvermietungen pauschal zum Treiber der Wohnungskrise zu erklĂ€ren und sieht die Hauptprobleme in zu wenig Neubau, hohen Baukosten und nationalen Regulierungen. Die VerbĂ€nde stehen damit fĂŒr zwei unterschiedliche Perspektiven auf denselben Markt.

Was fĂŒr Leser bedeutsam ist

FĂŒr Mieter könnten EU-weite Kriterien fĂŒr angespannte WohnungsmĂ€rkte den Weg fĂŒr strengere lokale Regeln ebnen, etwa fĂŒr Registrierungs- oder Begrenzungspflichten von Ferienwohnungen. EigentĂŒmer und private Gastgeber mĂŒssen dagegen mit neuen PrĂŒf- und Nachweispflichten rechnen, wenn Kurzzeitvermietungen in stark belasteten Regionen kĂŒnftig leichter untersagt oder begrenzt werden können. Wie die Mitgliedstaaten und Kommunen den geplanten EU-Rahmen konkret nutzen, wird darĂŒber entscheiden, ob sich die Regulierung vor Ort spĂŒrbar verĂ€ndert.

Disclaimer...

de | politik | 70074303 |