Zölle, Infrastrukturmilliarden

Zölle bremsen - Wirtschaft hofft auf Infrastrukturmilliarden

30.07.2025 - 13:05:12

Europas grĂ¶ĂŸter Volkswirtschaft fehlt schon vor Inkrafttreten der meisten US-Zölle der Schwung. Ein Ausgleich der drohenden Exporteinbußen muss von innen kommen, mahnen Experten.

  • 15 Prozent Zoll auf Exporte in die USA belasten den Außenhandel. (Symbolbild) - Foto: Christian Charisius/dpa

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  • Der private Konsum springt nicht wirklich an. (Symbolbild) - Foto: Malin Wunderlich/dpa

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  • Warten auf den Ruck: Investitionen in die Infrastruktur verzögern sich. (Symbolbild) - Foto: Soeren Stache/dpa

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  • HoffnungstrĂ€ger Infrastruktur: Öffentliche AuftrĂ€ge sollen Exporteinbußen ausgleichen.   - Foto: Christoph Reichwein/dpa

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15 Prozent Zoll auf Exporte in die USA belasten den Außenhandel. (Symbolbild) - Foto: Christian Charisius/dpaDer private Konsum springt nicht wirklich an. (Symbolbild) - Foto: Malin Wunderlich/dpaWarten auf den Ruck: Investitionen in die Infrastruktur verzögern sich. (Symbolbild) - Foto: Soeren Stache/dpaHoffnungstrĂ€ger Infrastruktur: Öffentliche AuftrĂ€ge sollen Exporteinbußen ausgleichen.   - Foto: Christoph Reichwein/dpa

Die deutsche Wirtschaft geht kraftlos in das neue Zoll-Zeitalter mit den USA. Nach dem unerwarteten Mini-Wachstum zum Jahresauftakt ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal geschrumpft: Es fiel 0,1 Prozent niedriger aus als im Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt mitteilt.

Mahnung zur Selbsthilfe

Beides geht nach EinschĂ€tzung von Ökonomen auf den Zollstreit mit den USA zurĂŒck: «Zuerst gab es Vorzieheffekte bei der Produktion. Im zweiten Quartal wurde dann hauptsĂ€chlich abgewartet, wie sich die außenwirtschaftlichen Bedingungen entwickeln», sagt etwa Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Er mahnt zur Selbsthilfe: «In dem Maß, in dem sich die WeltmĂ€rkte verschließen, muss sich die wirtschaftliche Dynamik auf den eigenen Wirtschaftsraum in Deutschland und Europa konzentrieren. Das geht nur, wenn Hindernisse wie Regulierung, BĂŒrokratie und hohe Abgaben verringert werden.»

Andere europÀische Volkswirtschaften wachsen

Im europĂ€ischen Vergleich hĂ€ngt Deutschland im FrĂŒhsommer zurĂŒck: Weil andere LĂ€nder wie Frankreich oder Spanien besser abschnitten, ist die Wirtschaftsleistung im Euro-Raum im zweiten Quartal um 0,1 Prozent gestiegen, wie parallel die europĂ€ische Behörde Eurostat berichtet.

Seit dem Wochenende ist zumindest in groben ZĂŒgen geklĂ€rt, unter welch erschwerten Bedingungen die exportorientierte deutsche Wirtschaft noch Waren in den USA absetzen kann. In den Verhandlungen mit der EU-Kommission hat US-PrĂ€sident Donald Trump «asymmetrische», also einseitige Zölle von 15 Prozent auf Importe aus der EU durchgesetzt. Zuvor hatte die US-Regierung mit 30 Prozent Zoll gedroht und auf bestimmte Waren schon vorab höhere SĂ€tze verlangt, die teils fortbestehen. FĂŒr Autos sollen die Zölle hingegen von 27,5 auf 15 Prozent sinken. 

Trumps Zölle belasten

Unter dem Strich werde der Außenhandel mit den neuen Zöllen belastet, meint Geraldine Dany-Knedlik, Konjunkturchefin des Deutschen Instituts fĂŒr Wirtschaftsforschung (DIW). Entscheidend fĂŒr einen stĂ€rkeren Aufschwung seien daher die geplanten Milliarden-Investitionen aus dem Sondervermögen fĂŒr Infrastruktur und Klimaschutz. SpĂŒrbare Impulse erwarte sie aber erst im kommenden Jahr. 

Auch bei der genossenschaftlichen Union Invest zeigt sich Volkswirt Michael Herzum optimistisch, dass der Aufschwung schuldenfinanziert von innen kommen kann: «Mit dem Infrastrukturpaket in Deutschland und der Steuerentlastung gibt es mittelfristig auch Impulse fĂŒr mehr Wachstum. Die höheren Investitionen in die Verteidigung sollten das Wachstumspotenzial in Deutschland und Europa ebenfalls erhöhen. Wir erwarten, dass dies die Zoll-Belastungen mehr als kompensiert.»

Zölle belasten exportorientierte Branchen

GrundsĂ€tzlich verteuern Zölle europĂ€ische Waren in den USA, was zu einer verringerten Nachfrage fĂŒhren dĂŒrfte. Nach Berechnungen der Unternehmensberatung Deloitte könnte das fĂŒr die deutsche Wirtschaft mittelfristig Exporteinbußen von bis zu 31 Milliarden Euro bedeuten. Die deutschen Ausfuhren in die Vereinigten Staaten könnten demnach um ein FĂŒnftel zurĂŒckgehen. Am hĂ€rtesten getroffen wĂŒrde den Angaben nach der Maschinenbau, aber auch Pharma-, Chemie- und Auto-Industrie. 

«Ein Deal mag die Unsicherheit fĂŒr Unternehmen leicht senken – doch US-Zölle von 15 Prozent schaden der deutschen Wirtschaft», sagt auch die Leiterin des Ifo Zentrums fĂŒr Außenwirtschaft in MĂŒnchen, Lisandra Flach. Sie rechnet mit einem negativen Effekt von minus 0,2 Prozent auf das deutsche Bruttoinlandsprodukt.

Weniger Investitionen

Die deutsche Wirtschaftsleistung war bereits in den vergangenen beiden Jahren leicht geschrumpft, im ersten Vierteljahr 2025 legte das Bruttoinlandsprodukt hingegen ĂŒberraschend zu. Mit dem Zollabkommen droht nun der deutschen Volkswirtschaft erstmals ein drittes Rezessionsjahr in Folge. Zum Jahresauftakt hatte noch ein unerwartetes Mini-Wachstum gegeben, das vom Amt auf 0,3 Prozent (zuvor: 0,4 Prozent) revidiert wurde. Von April bis Juni sind dann vor allem Investitionen in AusrĂŒstungen und Bauten geringer ausgefallen als im Vorquartal, wie das Amt berichtet. Die privaten und staatlichen Konsumausgaben stiegen dagegen an.

Warten auf öffentliche AuftrÀge im Inland

Die konjunkturelle Grundtendenz in Deutschland hat die Bundesbank schon vor dem Zollabkommen als schwach eingeschĂ€tzt, weil auch die Binnennachfrage nicht anspringt. Zwar habe sich die Stimmung in der Wirtschaft aufgehellt mit der Aussicht auf milliardenschwere Investitionen der Bundesregierung. Ein Schub fĂŒr die Wirtschaft werde aber erst verzögert kommen. 

Konkrete AuftrĂ€ge etwa an die Bauindustrie lassen auf sich warten. Zugleich blieben die Industriebetriebe schwach ausgelastet, und Verbraucher halten ihr Geld zusammen. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg KrĂ€mer fasst die Aussichten fĂŒr das kommende Jahr zusammen: «FĂŒr 2026 erwarten wir weiter ein recht starkes Wachstum von 1,4 Prozent, weil die Bundesregierung in großem Umfang Ausgaben aus dem Kernhaushalt in das Sondervermögen verschiebt und die freigewordenen Mittel rasch ausgibt und die Konjunktur so anfacht.»

@ dpa.de