Ausschuss bekommt geschwÀrzten Masken-Bericht
20.06.2025 - 14:34:32Gesundheitsministerin Nina Warken will einen zurĂŒckgehaltenen Sonderbericht zu Maskenbeschaffungen in der Corona-Krise nun doch an den Bundestag geben - aber mit geschwĂ€rzten Passagen. «Ich habe beschlossen, den Bericht in der kommenden Sitzungswoche dem Haushaltsausschuss des Bundestages offenzulegen», sagte die CDU-Politikerin der «Rheinischen Post». In der Ausschusssitzung am Mittwoch will sich neben der Ministerin auch der dazu eingeladene Ex-Ressortchef Jens Spahn (CDU) den Abgeordneten stellen.
Warken sagte dazu, dass Passagen geschwĂ€rzt werden: «Der Bericht enthĂ€lt Informationen, die wir schĂŒtzen mĂŒssen.» Dies betreffe personenbezogene Mitarbeiterdaten, GeschĂ€ftsgeheimnisse betroffener Unternehmen und Dinge, die laufenden Prozesse mit Lieferanten betreffen. «Ich wĂŒrde den Bericht lieber heute als morgen komplett veröffentlichen, darf es aber schlicht nicht», sagte die Ministerin. Das Dokument sei nur fĂŒr die Abgeordneten gedacht. «Es bleibt als Verschlusssache eingestuft. Noch mehr Transparenz geht leider nicht.»
Milliardenrisiken fĂŒr den Bund
Konkret geht es um einen Bericht der Sonderermittlerin Margarethe Sudhof, die 2024 noch von Warkens VorgĂ€nger Karl Lauterbach (SPD) eingesetzt worden war. Das Ministerium hatte zunĂ€chst angekĂŒndigt, einen eigenen Bericht vorzulegen, in den Erkenntnisse von Sudhof einflieĂen sollten, aber nicht den Bericht als solchen. GrĂŒne, Linke und die SPD forderten mehr Transparenz.
Hintergrund ist das Vorgehen von Ressortchef Spahn zu Beginn der Pandemie 2020, als Masken knapp waren. Das Ministerium wandte ein Verfahren an, bei dem LiefervertrÀge ohne weitere Verhandlungen zu festen hohen Preisen zustande kamen. Vielfach verweigerte das Ministerium spÀter die Bezahlung und machte QualitÀtsmÀngel geltend. Daraufhin klagten Lieferanten. Aus noch schwelenden Rechtsstreitigkeiten drohen dem Bund Risiken in Milliardenhöhe. Spahn, der jetzt Unionsfraktionschef ist, verteidigte das damalige Vorgehen.
Der Bericht soll den Ausschussmitgliedern im Vorfeld der Sitzung zur VerfĂŒgung gestellt werden, wie eine Ministeriumssprecherin sagte. Eine intensive PrĂŒfung verschiedener Optionen habe ergeben, dass dies nun die einzig gangbare Möglichkeit sei, dem berechtigten Wunsch nach Transparenz und AufklĂ€rung wie der Verantwortung des Ministeriums zu entsprechen. Spahn hatte deutlich gemacht, dass auch er den Bericht nicht kenne und nicht dazu befragt wurde.
GrĂŒne kritisieren SchwĂ€rzungen
Die GrĂŒnen-HaushĂ€lterin Paula Piechotte forderte, der lange unter Verschluss gehaltene Bericht mĂŒsse umgehend auf den Tisch. «Nur so bleibt ausreichend Zeit, ihn vor der Ausschusssitzung grĂŒndlich zu prĂŒfen und politisch einzuordnen.» Ob eine lesbare und inhaltlich verwertbare Version vorgelegt werde oder nur ein weitgehend geschwĂ€rztes Dokument, sei mehr als fraglich.
GrĂŒnen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen forderte: «Wer Vertrauen in die Demokratie zurĂŒckgewinnen will, muss jetzt fĂŒr vollstĂ€ndige Transparenz sorgen â durch die ungeschwĂ€rzte Veröffentlichung des Berichts und eine ernsthafte parlamentarische Aufarbeitung.» Niemand erwarte Unfehlbarkeit in der Krise. «Aber jeder hat ein Recht auf Ehrlichkeit, Rechenschaft und politische Konsequenzen.»Â
Das Ministerium erlĂ€uterte, bislang seien keine Firmen befragt worden, ob sie den Text auch ohne SchwĂ€rzungen freigeben wĂŒrden. Eine AbklĂ€rung aller Stellen wĂ€re bis zur Ausschusssitzung am Mittwoch kaum möglich gewesen. An vielen Stellen seien zudem Unternehmensinteressen und gleichzeitig auch Prozessrisiken tangiert.





