Polizei holt Waffen aus Klettes Wohnung
29.02.2024 - 01:23:03Zwei Tage nach der Festnahme der frĂŒheren RAF-Terroristin Daniela Klette hĂ€lt der Fall die Hauptstadt weiter in Atem: Der Abtransport von gefĂ€hrlichen Waffen aus dem Wohnhaus der frĂŒheren RAF-Terroristin Daniela Klette in Berlin-Kreuzberg zog sich bis in die Nacht ĂŒber viele Stunden hin.
Nachdem die Polizei am Abend eine Granate weggebracht hatte, sollte in der Nacht noch ein weiterer, möglicherweise gefĂ€hrlicher Gegenstand entfernt und andere GegenstĂ€nde untersucht werden. Die Bewohner des siebenstöckigen Mietshauses, das gerĂ€umt worden war, sollten bei Verwandten, Freunden, in WĂ€rmebussen der Verkehrsbetriebe BVG und in einer Turnhalle untergebracht werden.Â
Um was fĂŒr eine Art von gefĂ€hrlichem Gegenstand es sich handelte, sagte die Berliner Polizei nicht und verwies an das LKA Niedersachsen. Auf X (frĂŒher Twitter) schrieb sie nur gegen 23.30 Uhr: «Ein Gegenstand muss mit spezieller Transporttechnik abgeholt werden, daher werden sich die MaĂnahmen in der Sebastianstr. in Kreuzberg noch lĂ€ngere Zeit hinziehen.» Das Spezialfahrzeug werde etwas Zeit fĂŒr die Anfahrt brauchen, sagte eine Polizeisprecherin. Auch in der Wohnung mĂŒssten dann noch weitere GegenstĂ€nde von den Technikern genauer in Augenschein genommen werden.Â
Granate unschÀdlich gemacht
Zuvor hatte die Polizei am Abend mitgeteilt: «Von unseren Kriminaltechnikern wurde bisher eine Granate aus dem GebĂ€ude in der SebastianstraĂe in Kreuzberg gebracht und an einem anderen Ort unschĂ€dlich gemacht.» Ein Beamter vom KampfmittelrĂ€umdienst hatte einen Gegenstand herausgetragen, der einer kleineren Granate Ă€hnelte. Er verstaute den Gegenstand in einem Auto in einer Sicherheitskiste.Â
Das Mietshaus war am frĂŒhen Abend von der Polizei gerĂ€umt worden, alle Bewohner mussten ihre Wohnungen verlassen. Der Gehweg wurde gesperrt. «Unsere Kriminaltechnik untersucht aktuell die bei der Wohnungsdurchsuchung aufgefundenen, möglicherweise gefĂ€hrlichen GegenstĂ€nde», schrieb die Polizei im Internet. Gegen 22.00 Uhr wurde der Sperrkreis erweitert, die ganze StraĂe abgesperrt und einige Wohnungen in einem weiteren Haus gerĂ€umt. «FĂŒr den Abtransport weiterer GegenstĂ€nde wird ein gegenĂŒberliegendes GebĂ€ude teilweise evakuiert», teilte die Polizei mit.Â
Im Laufe des Mittwochs hatte die Polizei zuvor schon Schusswaffen entdeckt, wie eine Sprecherin des Landeskriminalamtes Niedersachsen bestÀtigte. Der «Tagesspiegel» hatte zuvor berichtet. Schon nach der Festnahme von Klette am Montagabend stieà die Polizei unter anderem auf Magazine einer Pistole und Patronen.
Auf der Spur weiterer ehemaliger RAF-Terroristen?
Die frĂŒhere RAF-Terroristin Klette lebte 30 Jahre lang im Untergrund. Ermittler nahmen die 65-JĂ€hrige am Montagabend in Kreuzberg fest. Die Staatsanwaltschaft Verden und das LKA Niedersachsen fahnden seit Jahrzehnten nach den frĂŒheren RAF-Terroristen Klette sowie Burkhard Garweg (55) und Ernst-Volker Staub (69). Sie werden der sogenannten dritten RAF-Generation zugeordnet. Vertreter dieser Generation sollen den damaligen Chef der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, und den Treuhand-Chef, Detlev Karsten Rohwedder, umgebracht haben. TĂ€ter und Motiv sind bis heute jedoch unbekannt.
Wie dicht die Fahnder inzwischen Staub und Garweg auf den Fersen sind, ist unklar. Aus «ermittlungs- und einsatztaktischen GrĂŒnden» gab das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen zunĂ€chst keine weiteren Details bekannt. Am Dienstag hatte LKA-PrĂ€sident Friedo de Vries stolz die Festnahme von Daniela Klette auf einer Pressekonferenz in Hannover verkĂŒndet.
Konkret wird Klette zur Last gelegt, gemeinsam Staub und Garweg im MĂ€rz 1993 einen Sprengstoffanschlag auf die im Bau befindliche Justizvollzugsanstalt (JVA) Weiterstadt in Hessen verĂŒbt zu haben. Durch die Explosion war an dem GebĂ€ude ein Schaden von rund 123 Millionen D-Mark entstanden.Â
Klette soll darĂŒber hinaus mit weiteren RAF-Mitgliedern versucht haben, im Februar 1990 einen Sprengstoffanschlag auf ein GebĂ€ude der Deutschen Bank im hessischen Eschborn zu verĂŒben. Der Sprengstoff detonierte nicht, da die ZĂŒndung versagte. AuĂerdem hatte Klette Erkenntnissen der Ermittler zufolge im Februar 1991 mit RAF-Mitgliedern mindestens 250 SchĂŒsse auf die US-Botschaft in Bonn-Bad Godesberg abgegeben.


