Fußball-EM-Effekt, Brauereien

Fußball-EM-Effekt ist fĂŒr Brauereien verpufft

12.07.2024 - 16:07:49

Feiernde Fußballfans sind fĂŒr Brauereien eigentlich gern gesehene Kunden, entsprechend hoch waren die Erwartungen an die aktuelle Fußball-Europameisterschaft. Doch es kam anders.

  • Die Fußball-EM hatte Veltins zufolge keinen positiven Effekt auf den Bierabsatz in Deutschland. (Symbolbild) - Foto: Christoph Reichwein/dpa

    Christoph Reichwein/dpa

  • Die Fußball-EM hatte Veltins zufolge keinen positiven Effekt auf den Bierabsatz in Deutschland. (Symbolbild) - Foto: Soeren Stache/dpa

    Soeren Stache/dpa

  • Zwei frisch gezapfte BierglĂ€ser stehen vor einem 3000-Liter-Tank der Brauerei Veltins. Der Tank ist in einen Lastwagen montiert und wird zur Belieferung der Gastronomie mit sogenanntem Tankbier genutzt. - Foto: Wolf von Dewitz/dpa

    Wolf von Dewitz/dpa

  • Michael Huber, GeneralbevollmĂ€chtigter der Brauerei Veltins, steht vor einem 3000-Liter-Tank seiner Brauerei. Nach Angaben von Huber ist der Fußball-EM-Effekt fĂŒr Brauereien verpufft. - Foto: Wolf von Dewitz/dpa

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  • Volker Kohl (l), fĂŒr den Vertrieb zustĂ€ndiger GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Brauerei Veltins, steht neben Fabian Veltins, Neffe der Inhaberin und GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Veltins. Der 61-jĂ€hrige Kuhl rĂŒckt im Januar 2025 zum Sprecher der GeschĂ€ftsfĂŒhrung auf. Der 34-jĂ€hrige Veltins durchlĂ€uft derzeit verschiedene Stationen in der Firma, er soll perspektivisch zum möglichen Unternehmenschef aufgebaut werden. - Foto: Wolf von Dewitz/dpa

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Die Fußball-EM hatte Veltins zufolge keinen positiven Effekt auf den Bierabsatz in Deutschland. (Symbolbild) - Foto: Christoph Reichwein/dpaDie Fußball-EM hatte Veltins zufolge keinen positiven Effekt auf den Bierabsatz in Deutschland. (Symbolbild) - Foto: Soeren Stache/dpaZwei frisch gezapfte BierglĂ€ser stehen vor einem 3000-Liter-Tank der Brauerei Veltins. Der Tank ist in einen Lastwagen montiert und wird zur Belieferung der Gastronomie mit sogenanntem Tankbier genutzt. - Foto: Wolf von Dewitz/dpaMichael Huber, GeneralbevollmĂ€chtigter der Brauerei Veltins, steht vor einem 3000-Liter-Tank seiner Brauerei. Nach Angaben von Huber ist der Fußball-EM-Effekt fĂŒr Brauereien verpufft. - Foto: Wolf von Dewitz/dpaVolker Kohl (l), fĂŒr den Vertrieb zustĂ€ndiger GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Brauerei Veltins, steht neben Fabian Veltins, Neffe der Inhaberin und GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Veltins. Der 61-jĂ€hrige Kuhl rĂŒckt im Januar 2025 zum Sprecher der GeschĂ€ftsfĂŒhrung auf. Der 34-jĂ€hrige Veltins durchlĂ€uft derzeit verschiedene Stationen in der Firma, er soll perspektivisch zum möglichen Unternehmenschef aufgebaut werden. - Foto: Wolf von Dewitz/dpa

Die Fußball-Europameisterschaft sorgt bei Deutschlands Brauereien fĂŒr lange Gesichter. Denn die Firmen hatten mit einem krĂ€ftigen Nachfrageschub gerechnet, wenn Fans gemeinsam feiern und dabei tief ins Glas gucken. Doch es kam anders: «Der Fußball-EM-Effekt ist fĂŒr die Brauereien gefloppt», sagt der Veltins-GeneralbevollmĂ€chtigte Michael Huber. 

Nach SchĂ€tzung seiner Firma, die als Anteilseigners eines fĂŒr SupermĂ€rkte tĂ€tigen Logistikers einen guten MarktĂŒberblick hat, wurden im Juni in Deutschland nur acht Millionen Hektoliter verkauft und damit etwas weniger als im Mai.

Der RĂŒckgang ist ĂŒberraschend, da im Juni ĂŒblicherweise mehr Bier getrunken wird als im Mai. Hier gilt grob gesagt die Regel: Je wĂ€rmer und sonniger das Wetter ist, desto mehr Bier wird getrunken. Doch das verregnete Wetter dĂ€mpfte die Trinkfreude. 

Allein daheim statt draußen im «Rudel»

Die Menschen hĂ€tten sich im bisherigen Turnierverlauf nicht im großen Stil zum «Rudelgucken» getroffen, sondern stattdessen allein zu Hause Fußball geguckt und wĂ€hrenddessen vergleichsweise wenig Bier getrunken, sagt Huber. «Das ist etwas anderes als wenn man den Nachbarn zum Grillen einlĂ€dt und dabei Bier trinkt.» Es gebe eine KonsumzurĂŒckhaltung und Sparneigung. Ihr Übriges tĂ€ten die omniprĂ€senten dĂŒsteren Themen der Weltpolitik, die bisweilen keine ausgelassene Partystimmung aufkommen ließen. «Das haben wir zu spĂŒren bekommen.»

Beim «SommermĂ€rchen» - also der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 - sei das anders gewesen, sagt Huber. Damals lag der Bierabsatz im Juni den Angaben zufolge bei circa 11 Millionen Hektolitern und damit drei Millionen höher als im Juni dieses Jahres. 

In den GaststÀtten einiger StÀdte sei zwar zeitweise mehr Bier getrunken worden, dies seien aber lokale Effekte geblieben, sagt Huber. Die Brauereien verkaufen in Deutschland nur circa ein Sechstel des Biers an die Gastronomie, den Löwenanteil ihres GeschÀfts machen sie mit dem Handel - und da verlief der Absatz nach EinschÀtzung von Veltins mau. 

Positive Halbjahreszahlen von Veltins

Veltins legte zudem Zahlen vor, denen zufolge das Familienunternehmen im ersten Halbjahr 2024 gut vier Prozent mehr Bier verkaufen konnte als im Vorjahreszeitraum. Der Gesamtausstoß lag den Angaben zufolge bei rund 1,7 Millionen Hektolitern. Im Juni verbuchte aber auch Veltins ein Minus. FĂŒr die zweite JahreshĂ€lfte rechnet Manager Huber nur mit einem leichten Wachstum. 

Was die anderen Brauer sagen

Auch der Deutsche Brauer-Bund Ă€ußerte sich verhalten ĂŒber die Folgen der Fußball-EM fĂŒr die Branche. «Das Wetter hat leider nicht immer so mitgespielt, wie wir es uns gewĂŒnscht hĂ€tten», sagt HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Holger Eichele. «Die Achterbahnfahrt der Temperaturen und die hĂ€ufigen Unwetter haben vielen Wirten das GeschĂ€ft verhagelt, so manche Gartenparty fiel ins Wasser.» Außerdem spĂŒre auch die Bierbranche die KonsumzurĂŒckhaltung, die Verbraucherstimmung habe sich eingetrĂŒbt.

Andere Brauereien meldeten sich ebenfalls zu Wort. «Der deutsche Biermarkt bleibt auch 2024 unter Druck», sagte eine Radeberger-Sprecherin. «Auch, wenn es fĂŒr eine abschließende Bilanz zu frĂŒh ist, konnte die Fußball-EM in der FlĂ€che wohl nicht die von der Branche erhofften grĂ¶ĂŸeren Absatzimpulse bringen.» Das Statistische Bundesamt will die Absatzzahlen fĂŒr Juni und somit fĂŒr das komplette erste Halbjahr in zwei Wochen publizieren, diese Angaben dĂŒrften prĂ€ziser sein als die Veltins-SchĂ€tzung. 

Die Radeberger-Sprecherin sagte mit Blick auf den Gesamtmarkt, dass die Brauer auf einen doch noch irgendwann einsetzenden Sommer hofften, der wichtige Absatzimpulse bringen könne. Ein Krombacher-Sprecher zeigte sich mit Blick den GeschĂ€ftsverlauf seiner Firma im ersten Halbjahr «recht zufrieden». Warsteiner wollte sich auf Anfrage nicht Ă€ußern. 

Generationswechsel bei Veltins

Die Brauerei Veltins hat 721 BeschĂ€ftigte, das Stammwerk ist in Meschede-Grevenstein im Hochsauerlandkreis (NRW). Bei dem Familienunternehmen kommt es zum Jahreswechsel zum StĂŒhlerĂŒcken in der Chefetage. Der Firmenlenker Huber (75) scheidet nach fast drei Jahrzehnten am Ruder altersbedingt aus, der bisherige VertriebsgeschĂ€ftsfĂŒhrer Volker Kuhl (61) wird dann Sprecher der GeschĂ€ftsfĂŒhrung. Die Firmeninhaberin Susanne Veltins (64) verlĂ€sst dann ebenfalls die GeschĂ€ftsfĂŒhrung und wechselt in den Beirat von Veltins.

Ihr Neffe Fabian Veltins (34) ist bereits in der Firma tĂ€tig, er könnte in einigen Jahren Unternehmenschef werden. «Es ist mein Lebenstraum, die Brauerei Veltins eines Tages zu ĂŒbernehmen», sagt der Braumeister, der vor seinem Start bei Veltins in Spanien bei einer anderen Brauerei Erfahrungen gesammelt hat. Seine Tante Susanne Veltins sagt: «Ich möchte ihm Zeit geben, sich in Ruhe in alle Bereiche einzuarbeiten.»

 

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