FuĂball-EM-Effekt ist fĂŒr Brauereien verpufft
12.07.2024 - 16:07:49Die FuĂball-Europameisterschaft sorgt bei Deutschlands Brauereien fĂŒr lange Gesichter. Denn die Firmen hatten mit einem krĂ€ftigen Nachfrageschub gerechnet, wenn Fans gemeinsam feiern und dabei tief ins Glas gucken. Doch es kam anders: «Der FuĂball-EM-Effekt ist fĂŒr die Brauereien gefloppt», sagt der Veltins-GeneralbevollmĂ€chtigte Michael Huber.Â
Nach SchĂ€tzung seiner Firma, die als Anteilseigners eines fĂŒr SupermĂ€rkte tĂ€tigen Logistikers einen guten MarktĂŒberblick hat, wurden im Juni in Deutschland nur acht Millionen Hektoliter verkauft und damit etwas weniger als im Mai.
Der RĂŒckgang ist ĂŒberraschend, da im Juni ĂŒblicherweise mehr Bier getrunken wird als im Mai. Hier gilt grob gesagt die Regel: Je wĂ€rmer und sonniger das Wetter ist, desto mehr Bier wird getrunken. Doch das verregnete Wetter dĂ€mpfte die Trinkfreude.Â
Allein daheim statt drauĂen im «Rudel»
Die Menschen hĂ€tten sich im bisherigen Turnierverlauf nicht im groĂen Stil zum «Rudelgucken» getroffen, sondern stattdessen allein zu Hause FuĂball geguckt und wĂ€hrenddessen vergleichsweise wenig Bier getrunken, sagt Huber. «Das ist etwas anderes als wenn man den Nachbarn zum Grillen einlĂ€dt und dabei Bier trinkt.» Es gebe eine KonsumzurĂŒckhaltung und Sparneigung. Ihr Ăbriges tĂ€ten die omniprĂ€senten dĂŒsteren Themen der Weltpolitik, die bisweilen keine ausgelassene Partystimmung aufkommen lieĂen. «Das haben wir zu spĂŒren bekommen.»
Beim «SommermĂ€rchen» - also der FuĂball-Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 - sei das anders gewesen, sagt Huber. Damals lag der Bierabsatz im Juni den Angaben zufolge bei circa 11 Millionen Hektolitern und damit drei Millionen höher als im Juni dieses Jahres.Â
In den GaststĂ€tten einiger StĂ€dte sei zwar zeitweise mehr Bier getrunken worden, dies seien aber lokale Effekte geblieben, sagt Huber. Die Brauereien verkaufen in Deutschland nur circa ein Sechstel des Biers an die Gastronomie, den Löwenanteil ihres GeschĂ€fts machen sie mit dem Handel - und da verlief der Absatz nach EinschĂ€tzung von Veltins mau.Â
Positive Halbjahreszahlen von Veltins
Veltins legte zudem Zahlen vor, denen zufolge das Familienunternehmen im ersten Halbjahr 2024 gut vier Prozent mehr Bier verkaufen konnte als im Vorjahreszeitraum. Der GesamtausstoĂ lag den Angaben zufolge bei rund 1,7 Millionen Hektolitern. Im Juni verbuchte aber auch Veltins ein Minus. FĂŒr die zweite JahreshĂ€lfte rechnet Manager Huber nur mit einem leichten Wachstum.Â
Was die anderen Brauer sagen
Auch der Deutsche Brauer-Bund Ă€uĂerte sich verhalten ĂŒber die Folgen der FuĂball-EM fĂŒr die Branche. «Das Wetter hat leider nicht immer so mitgespielt, wie wir es uns gewĂŒnscht hĂ€tten», sagt HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Holger Eichele. «Die Achterbahnfahrt der Temperaturen und die hĂ€ufigen Unwetter haben vielen Wirten das GeschĂ€ft verhagelt, so manche Gartenparty fiel ins Wasser.» AuĂerdem spĂŒre auch die Bierbranche die KonsumzurĂŒckhaltung, die Verbraucherstimmung habe sich eingetrĂŒbt.
Andere Brauereien meldeten sich ebenfalls zu Wort. «Der deutsche Biermarkt bleibt auch 2024 unter Druck», sagte eine Radeberger-Sprecherin. «Auch, wenn es fĂŒr eine abschlieĂende Bilanz zu frĂŒh ist, konnte die FuĂball-EM in der FlĂ€che wohl nicht die von der Branche erhofften gröĂeren Absatzimpulse bringen.» Das Statistische Bundesamt will die Absatzzahlen fĂŒr Juni und somit fĂŒr das komplette erste Halbjahr in zwei Wochen publizieren, diese Angaben dĂŒrften prĂ€ziser sein als die Veltins-SchĂ€tzung.Â
Die Radeberger-Sprecherin sagte mit Blick auf den Gesamtmarkt, dass die Brauer auf einen doch noch irgendwann einsetzenden Sommer hofften, der wichtige Absatzimpulse bringen könne. Ein Krombacher-Sprecher zeigte sich mit Blick den GeschĂ€ftsverlauf seiner Firma im ersten Halbjahr «recht zufrieden». Warsteiner wollte sich auf Anfrage nicht Ă€uĂern.Â
Generationswechsel bei Veltins
Die Brauerei Veltins hat 721 BeschĂ€ftigte, das Stammwerk ist in Meschede-Grevenstein im Hochsauerlandkreis (NRW). Bei dem Familienunternehmen kommt es zum Jahreswechsel zum StĂŒhlerĂŒcken in der Chefetage. Der Firmenlenker Huber (75) scheidet nach fast drei Jahrzehnten am Ruder altersbedingt aus, der bisherige VertriebsgeschĂ€ftsfĂŒhrer Volker Kuhl (61) wird dann Sprecher der GeschĂ€ftsfĂŒhrung. Die Firmeninhaberin Susanne Veltins (64) verlĂ€sst dann ebenfalls die GeschĂ€ftsfĂŒhrung und wechselt in den Beirat von Veltins.
Ihr Neffe Fabian Veltins (34) ist bereits in der Firma tĂ€tig, er könnte in einigen Jahren Unternehmenschef werden. «Es ist mein Lebenstraum, die Brauerei Veltins eines Tages zu ĂŒbernehmen», sagt der Braumeister, der vor seinem Start bei Veltins in Spanien bei einer anderen Brauerei Erfahrungen gesammelt hat. Seine Tante Susanne Veltins sagt: «Ich möchte ihm Zeit geben, sich in Ruhe in alle Bereiche einzuarbeiten.»
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