Ferat Kocak, Franziska Brantner

Ferat Kocak: Brantner fordert Ausschluss aus Linken-Fraktion

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 17:21 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Grünen-Chefin Franziska Brantner fordert von der Linken-Fraktionsvorsitzenden Heidi Reichinnek Konsequenzen gegen Ferat Kocak. Anlass sind Vorwürfe wegen umstrittener Veranstaltungen und Kontakten zur organisierten Kriminalität in Berlin.

Brantner verlangt Konsequenzen für Linken-Abgeordneten Kocak
Franziska Brantner (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Grünen-Chefin Franziska Brantner fordert Konsequenzen für den Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Kocak. Wenn die Linke es ernst meine mit dem Kampf gegen Antisemitismus, könne Kocak nicht Teil ihrer Bundestagsfraktion bleiben, sagte Brantner dem Nachrichtenportal „T-Online“.

Brantner nimmt Reichinnek in die Verantwortung

Es reiche nicht aus, Antisemitismus lediglich zu bedauern, sagte Brantner. Die Linke müsse für Klarheit auf allen Ebenen sorgen; die Fraktionsvorsitzende Heidi Reichinnek sei für ihre Bundestagsfraktion verantwortlich und sollte entsprechende Konsequenzen ziehen.

Kocaks Erklärungen zu seiner Teilnahme an Veranstaltungen, bei denen Terror verherrlicht, das Existenzrecht Israels infrage gestellt und Antisemitismus verbreitet werde, bezeichnete die Grünen-Chefin als „wenig glaubwürdig“. Gleiches gelte für seine Kontakte zur organisierten Kriminalität in Berlin. Das sei inakzeptabel, sagte Brantner.

Kocak verlässt Innenausschuss

Der Linken-Abgeordnete hatte den Innenausschuss des Bundestags verlassen. Reichinnek stellte sich am Dienstag hinter ihren Parteikollegen.

Kocak habe wie angekündigt umfassend für Transparenz gesorgt, sagte die Linken-Fraktionsvorsitzende. Brantner verlangt dagegen weitere Konsequenzen und macht Reichinnek für den Umgang der Fraktion mit den Vorwürfen verantwortlich.

Der Streit um Ferat Kocak verbindet zwei politisch besonders sensible Themen: den Umgang mit Antisemitismus und die Abgrenzung von organisierter Kriminalität. Brantner richtet ihre Forderung nicht nur an den Abgeordneten, sondern ausdrücklich an die Führung der Linken-Bundestagsfraktion. Damit wird aus der Debatte über persönliche Erklärungen eine Frage der politischen Verantwortung der Fraktionsspitze.

Kocak hat seinen Sitz im Innenausschuss des Bundestags aufgegeben. Dieser Schritt begrenzt seine unmittelbare Zuständigkeit für innere Sicherheit, beendet aber nicht die politische Auseinandersetzung über Kontakte und öffentliche Auftritte. Für die Linke steht zugleich die Frage im Raum, welche Maßstäbe sie bei Antisemitismus, Israelbezug und der Bewertung von Verbindungen ins Berliner Milieu anlegt.

Folgen für die Linke und Berlin

Die Debatte fällt in eine Phase, in der die Berliner Linke wegen ihrer Positionen zur Palästina-Solidarität und wegen innerparteilicher Konflikte unter besonderer Beobachtung steht. Ein Teil des Berliner Kulturbetriebs und der Wissenschaft hat sich zuletzt hinter Kocak und weitere Mitglieder gestellt; zugleich verlangen politische Gegner klare Konsequenzen. Dadurch verschärft sich der Konflikt zwischen innerparteilicher Solidarität und dem Anspruch, glaubwürdige Grenzen zu Antisemitismus und Gewaltverherrlichung zu ziehen.

Für Reichinnek wird entscheidend sein, ob die von ihr betonte Transparenz als ausreichende Aufarbeitung gilt oder ob die Fraktion weitere Schritte beschließt. Die Auseinandersetzung kann zudem die Zusammenarbeit von Linken, Grünen und SPD in Berlin belasten, weil der Umgang mit Antisemitismus und organisierter Kriminalität dort als politisch zentrale Streitfrage gilt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

taz: „Offener Brief an Berliner Linkspartei: Rückendeckung für Neukölln“ (05.10.2026)

Der Artikel berichtet über einen offenen Brief von mehr als 130 Kulturschaffenden, Wissenschaftlern und Aktivisten, die sich hinter die Neuköllner Linke und Ferat Kocak stellen. Anders als Brantners Forderung nach Konsequenzen hebt der Beitrag die Kritik an einer Kampagne gegen die Partei und die innerlinke Solidarität hervor.

n-tv: „Unterstützung für ‚Palästina-Solidarität‘ der Linken in Berlin“ (06.10.2026)

n-tv beschreibt ebenfalls die Unterstützung für Kocak trotz der Kritik an seinen Kontakten und verweist auf seinen Rückzug aus dem Innenausschuss. Der Schwerpunkt liegt auf der politischen Bedeutung des offenen Briefs und den möglichen Auswirkungen auf Gespräche von Linken, Grünen und SPD in Berlin.

Übereinstimmend steht Kocaks Umgang mit den Vorwürfen im Zentrum. Unterschiede zeigen sich bei der Bewertung: Während die einen Konsequenzen verlangen, betonen die anderen Solidarität und warnen vor einer politischen Kampagne. Offen bleibt, ob die Linken-Fraktion über Kocaks Ausschussrückzug hinaus weitere Schritte einleitet.

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