Fettleber, Junge Erwachsene

Fettleber: 59,5 Prozent mehr Betroffene unter 40

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 11:52 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Bei unter 40-JĂ€hrigen nahm der Anteil der wegen einer Fettleber behandelten Menschen binnen neun Jahren um 59,5 Prozent zu. Die Entwicklung fĂ€llt in die politische Debatte ĂŒber eine mögliche ZuckergetrĂ€nkesteuer und deren gesundheitlichen Zweck.

Fettleber-Erkrankungen bei jungen Erwachsenen steigen stark
Junge Leute im Sommer (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Mehr als drei Millionen Behandelte erfasst

  • Unter den unter 40-JĂ€hrigen stieg der Anteil der Betroffenen zwischen 2016 und 2025 um 59,5 Prozent.
  • 2025 wurden bundesweit 3,13 Millionen Menschen wegen einer Fettleber behandelt.
  • Die Sonderauswertung basiert auf ambulanten Abrechnungsdaten gesetzlich Versicherter.

In Deutschland werden deutlich mehr Menschen wegen einer Fettleber behandelt als noch vor einigen Jahren. Besonders stark fiel der Anstieg zwischen 2016 und 2025 bei den unter 40-JĂ€hrigen aus.

Das geht aus einer Sonderauswertung des Zentralinstituts fĂŒr die kassenĂ€rztliche Versorgung hervor, ĂŒber die der „Spiegel“ berichtet. Grundlage sind bundesweite ambulante Abrechnungsdaten der gesetzlich Versicherten.

Fettleber betrifft 3,13 Millionen Menschen

Insgesamt ließen sich zuletzt 3,13 Millionen Menschen wegen einer Fettleber behandeln. 2016 waren es 2,42 Millionen.

Die Auswertung erfasst Arztkontakte und damit nicht alle Erkrankungen. Nach Angaben des Zi-Vorstandsvorsitzenden Dominik von Stillfried untersuchen Ärzte die Leber von Menschen mit Übergewicht oder Diabetes heute hĂ€ufiger als frĂŒher.

Weitere Stoffwechselerkrankungen nehmen Raum ein

Wegen Reflux ließen sich zuletzt 5,87 Millionen gesetzlich Versicherte behandeln. Das waren 17 Prozent mehr als 2016.

Mehr als sieben Millionen gesetzlich Versicherte wurden wegen Typ-2-Diabetes behandelt. Pro Jahr kommen den Angaben zufolge fast 510.000 neue Diagnosen hinzu.

Debatte ĂŒber ZuckergetrĂ€nkesteuer

Die Zahlen fallen in die Diskussion ĂŒber eine geplante ZuckergetrĂ€nkesteuer. In einem Eckpunktepapier des Bundesfinanzministeriums wird als Zweck der Abgabe die weitere Konsolidierung des Bundeshaushalts genannt; PrĂ€vention wird dort nicht erwĂ€hnt.

Stillfried verwies auf England, wo eine solche Abgabe nach seinen Angaben Wirkung gezeigt habe. Besonders bei jĂŒngeren Menschen könne sie relevant sein, da diese Gruppe vom Anstieg der Fettleber stark betroffen sei.

Die Sonderauswertung ordnet die Entwicklung der Fettleber in ein grĂ¶ĂŸeres gesundheitspolitisches Problem ein: Übergewicht, Typ-2-Diabetes und ein hoher Konsum zuckerhaltiger GetrĂ€nke treten hĂ€ufig gemeinsam auf. Die ambulanten Abrechnungsdaten zeigen dabei behandelte Arztkontakte, nicht die tatsĂ€chliche Zahl aller Erkrankten. Menschen ohne Untersuchung bleiben in der Statistik unberĂŒcksichtigt.

Der Anstieg bei den unter 40-JĂ€hrigen ist deshalb doppelt zu lesen. Einerseits können hĂ€ufigere Untersuchungen bei Menschen mit Übergewicht oder Diabetes zu mehr Diagnosen fĂŒhren. Andererseits deutet die Entwicklung auf eine frĂŒhe Verlagerung chronischer Stoffwechselerkrankungen hin. Eine Fettleber kann zunĂ€chst ohne Beschwerden verlaufen, das Risiko fĂŒr EntzĂŒndungen, Vernarbungen und weitere Stoffwechselprobleme aber erhöhen.

Zuckersteuer zwischen PrÀvention und Einnahmen

Die Debatte ĂŒber eine ZuckergetrĂ€nkesteuer erhĂ€lt durch die Zahlen zusĂ€tzliche gesundheitspolitische Relevanz. Der aktuelle politische Streit dreht sich zugleich um die Ausgestaltung und den Zweck der Abgabe: Soll sie vor allem Einnahmen fĂŒr den Haushalt erzielen oder den Konsum zuckerreicher GetrĂ€nke senken? Erfahrungen aus Großbritannien werden dabei als Argument fĂŒr eine Lenkungswirkung angefĂŒhrt.

FĂŒr Verbraucher wĂ€ren insbesondere die Zusammensetzung von GetrĂ€nken, mögliche PreisĂ€nderungen und Ausnahmen entscheidend. Eine Steuer allein ersetzt weder ErnĂ€hrungsbildung noch medizinische FrĂŒherkennung. Ihre Wirkung mĂŒsste daran gemessen werden, ob sich Konsumverhalten und langfristig behandlungsbedĂŒrftige Erkrankungen verĂ€ndern.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „Zuckersteuer soll kommen: Diese GetrĂ€nke wĂ€ren betroffen“ (10.10.2026)

Der Beitrag berichtet ĂŒber die geplante EinfĂŒhrung einer Zuckersteuer ab Juli 2027 und stellt die nach Zuckergehalt gestaffelte Abgabe sowie Ausnahmen fĂŒr bestimmte GetrĂ€nke heraus. Damit bestĂ€tigt er den politischen Kontext der Meldung, setzt den Schwerpunkt aber auf die konkrete Ausgestaltung der Steuer.

NDR: „Zuckersteuer: Gesundheitsvorsorge oder Geldbeschaffung?“ (09.10.2026)

Der Beitrag stellt den Streit ĂŒber die Zuckersteuer zwischen Gesundheitsvorsorge und Haushaltseinnahmen in den Mittelpunkt. Er ergĂ€nzt die Fettleber-Debatte um die Position, dass eine Abgabe den Zuckerkonsum beeinflussen könne, wĂ€hrend ihre Verwendung fĂŒr Gesundheitszwecke politisch umstritten bleibt.

Beide BeitrÀge verbinden die Steuerdebatte mit gesundheitlichen Folgen eines hohen Zuckerkonsums. Unterschiede gibt es beim Schwerpunkt: n-tv beschreibt vor allem Modell und Ausnahmen, der NDR beleuchtet stÀrker Zweck und politische Kontroverse.

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