Finn Sonnekalb, DESG

Finn Sonnekalb erwägt Wechsel ins Ausland wegen DESG-Streit

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 15:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Eisschnellläufer Finn Sonnekalb erwägt wegen des Streits mit dem deutschen Verband DESG einen Wechsel ins Ausland. Der 19-Jährige nennt Angebote aus den USA und den Niederlanden und kritisiert den Druck rund um die Athletenvereinbarung.

  • Verlässt Eischnelllauf-Hoffnung Sonnekalb Deutschland? (Archivbild) - Bild: Sven Hoppe/dpa
    Verlässt Eischnelllauf-Hoffnung Sonnekalb Deutschland? (Archivbild) - Bild: Sven Hoppe/dpa
  • Sonnekalb fühlt sich unter Druck gesetzt. (Archivbild) - Bild: Peter Kneffel/dpa
    Sonnekalb fühlt sich unter Druck gesetzt. (Archivbild) - Bild: Peter Kneffel/dpa
Verlässt Eischnelllauf-Hoffnung Sonnekalb Deutschland? (Archivbild) - Bild: Sven Hoppe/dpa Sonnekalb fühlt sich unter Druck gesetzt. (Archivbild) - Bild: Peter Kneffel/dpa

Der deutsche Eisschnellläufer Finn Sonnekalb denkt wegen des Streits mit dem Verband DESG über einen Wechsel ins Ausland nach.

Angebote aus den USA und den Niederlanden

Der 19-Jährige sagte der ARD-„Sportschau“, er habe Angebote aus den USA und den Niederlanden erhalten und bereits Gespräche geführt. Wenn ihn die Verantwortlichen in Deutschland nicht haben wollten, könne er das nicht ändern, erklärte Sonnekalb.

Nach dem Bericht erwägt der Olympia-Teilnehmer besonders einen Wechsel zum niederländischen Team und an den Eisschnelllaufstandort Heerenveen. Dort könne er mit den besten Sportlern der Welt trainieren, sagte er.

Streit um den Trainingsstandort

Sonnekalb kritisierte zugleich den Druck im Zusammenhang mit der Athletenvereinbarung. Er wolle diese nicht unterzeichnen und seine Heimatstadt nicht unter Druck verlassen. Ein Wechsel nach Heerenveen sei für ihn anders als ein Wechsel nach Berlin, weil er ins Ausland freiwillig gehen würde.

Reform der Bundesstützpunkte

Hintergrund des seit Monaten andauernden Streits ist eine geplante Strukturreform im deutschen Eisschnelllauf. Die DESG will die Bundeskader auf die Standorte Inzell und Berlin konzentrieren. Erfurt und Chemnitz sollen nach dem Beschluss des Präsidiums insbesondere im Nachwuchsbereich eine zentrale Rolle übernehmen.

Die Erfurter Sportler unterzeichneten die Athletenvereinbarung nur unter zusätzlichen Forderungen. Die DESG erkannte diese nicht an, wodurch die zunächst fristgerecht unterschriebene Vereinbarung unwirksam wurde.

Moratorium bis Ende 2026

Bei einem Spitzentreffen hatten sich die Beteiligten zuletzt auf ein Moratorium verständigt. Der Thüringer Eis- und Rollsportverband fordert die Ablösung des DESG-Präsidiums unter Leitung von Matthias Große.

Die DESG teilte der „Sportschau“ mit, sie werde sich bis zum Ablauf des Jahres 2026 an das vereinbarte Moratorium halten. Bis dahin werde es keine weitere Stellungnahme zu den angesprochenen Einzelfragen geben.

Strukturreform mit Folgen für Trainingsstandorte

Der Konflikt dreht sich nicht nur um eine einzelne Unterschrift, sondern um die künftige Organisation des deutschen Eisschnelllaufs. Nach den Reformplänen sollen die Bundeskader vor allem an den Standorten Berlin und Inzell konzentriert werden. Erfurt und Chemnitz sollen insbesondere im Nachwuchsbereich eingebunden bleiben.

Für Athletinnen und Athleten bedeutet eine solche Neuordnung mögliche Veränderungen bei Wohnort, Training, Betreuung und Förderperspektive. Gerade für einen 19-Jährigen, der in Erfurt trainiert und seine sportliche Entwicklung dort aufgebaut hat, ist ein Wechsel nach Berlin deshalb nicht lediglich eine organisatorische Entscheidung. Ein freiwilliger Wechsel ins Ausland kann aus seiner Sicht attraktiver wirken, wenn er dort dauerhaft mit international führenden Sportlern trainieren kann.

Moratorium soll Eskalation verhindern

Das im Juli vereinbarte Moratorium sollte Zeit für Gespräche über die Struktur und die strittigen Athletenvereinbarungen schaffen. Der Streit ist jedoch erneut öffentlich eskaliert: Die DESG wirft dem Thüringer Verband einen Bruch der Vereinbarung vor, während dieser den Vorwurf zurückweist und sich auf die Interessen der Erfurter Athleten beruft.

Damit steht auch die Glaubwürdigkeit des Dialogs auf dem Spiel. Für den deutschen Eisschnelllauf geht es neben Verbandszuständigkeiten um die Frage, wie zentrale Leistungsförderung und regionale Nachwuchsarbeit miteinander verbunden werden können. Der geplante Wechsel Sonnekalbs macht sichtbar, welche Folgen ungelöste Strukturkonflikte für einzelne Spitzensportler haben können.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

MDR: „DESG wirft Thüringer Verband TERV Moratoriums-Bruch vor“ (07.10.2026)

Der Bericht bestätige den anhaltenden Konflikt um den Standort Erfurt und stelle die gegensätzlichen Positionen von DESG und TERV gegenüber. Die DESG habe erklärt, der Thüringer Verband habe das im Juli vereinbarte Moratorium einseitig aufgekündigt; der TERV weise dies zurück und behaupte seinerseits, die DESG halte die Vereinbarung nicht ein. Der Beitrag setze damit einen stärkeren Schwerpunkt auf die Eskalation zwischen den Verbänden und verweise auf die für den 17. Oktober geplante außerordentliche Mitgliederversammlung.

Nach Darstellung des Artikels betreffe die Athletenvereinbarung unter anderem die Anbindung Erfurter Sportler an Berlin oder Inzell. Offen bleibe, wie der Streit bis zum Ende des Moratoriums praktisch gelöst werden solle und welche Auswirkungen die Auseinandersetzung auf die Saisonplanung habe.

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