AfD, Forsa-Umfrage

Forsa-Umfrage: AfD-Wähler setzen auf „Interessen des Volks“

Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 15:29 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Für aktuelle AfD-Wähler ist laut Forsa vor allem entscheidend, dass die Partei aus ihrer Sicht die Interessen des deutschen Volks am besten vertritt. Unzufriedenheit mit dem politischen System und der von Friedrich Merz geführten Bundesregierung spielt ebenfalls eine zentrale Rolle.

Forsa: Interessen des deutschen Volks für AfD-Wähler entscheidend
AfD-Wahlparty am 06.09.2026 - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Für aktuelle AfD-Wähler ist laut einer neuen Forsa-Erhebung im RTL/ntv-Trendbarometer vor allem entscheidend, dass die Partei aus ihrer Sicht die „Interessen des deutschen Volks“ am besten vertritt. Dieser Grund liegt deutlich vor anderen Motiven und prägt die Wahlentscheidung vieler Befragter.

Identität als Hauptmotiv für AfD-Unterstützer

34 Prozent derjenigen, die bei einer Bundestagswahl derzeit die AfD wählen würden, nennen die Überzeugung, die Partei vertrete die Interessen des deutschen Volks am besten, als wichtigsten Grund für ihre Wahlentscheidung. Jeweils gut ein Fünftel begründet die Wahl mit einer generellen Unzufriedenheit mit dem politischen System, 22 Prozent, oder mit Unzufriedenheit mit der Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz, 21 Prozent.

Zwölf Prozent geben an, sie wählten die AfD vor allem deshalb, weil diese ihrer Ansicht nach die Probleme der „kleinen Leute“ am besten kenne. Personelle Aspekte spielen demnach eine geringere Rolle als die grundsätzliche Wahrnehmung der Partei und ihrer politischen Ausrichtung.

Geringe Rolle von Kanzlerperspektive Weidel

Die mögliche Kanzlerschaft von AfD-Co-Vorsitzender Alice Weidel ist für die meisten Anhänger dagegen kein zentrales Kriterium. Nur drei Prozent der Befragten, die aktuell zur AfD tendieren, nennen den Wunsch, Weidel solle Kanzlerin werden, als wichtigsten Grund ihrer Wahlentscheidung.

Im Vergleich zu anderen Motiven bleibt dieses personelle Argument damit klar im Hintergrund. Die Umfrage legt nahe, dass programmatische und systemkritische Motive das Wahlverhalten der AfD-Anhänger deutlich stärker prägen.

Frühere Unionswähler mit besonderer Unzufriedenheit

Unter früheren Unionswählern, die inzwischen einen Wechsel zur AfD erwägen, ist die Unzufriedenheit mit der von Friedrich Merz (CDU) geführten Bundesregierung der am häufigsten genannte Grund. 37 Prozent dieser Gruppe geben sie als wichtigstes Motiv an und liegen damit deutlich über dem Anteil im Kreis aller AfD-Anhänger, wo 21 Prozent die Regierungskritik voranstellen.

Die Aussage, die AfD vertrete die „Interessen des deutschen Volks“ am besten, nennen in dieser Gruppe 22 Prozent als entscheidenden Grund. Die Umfrage zeigt damit, dass sowohl grundlegende Systemkritik als auch spezifische Unzufriedenheit mit der aktuellen Regierung eine zentrale Rolle beim Wechsel von der Union zur AfD spielen.

Die aktuelle Forsa-Auswertung im RTL/ntv-Trendbarometer gibt einen selten klaren Einblick in die Motive derjenigen, die derzeit beabsichtigen, bei einer Bundestagswahl für die AfD zu stimmen. Im Zentrum steht dabei nicht ein einzelnes politisches Thema, sondern die grundsätzliche Wahrnehmung, die AfD vertrete die „Interessen des deutschen Volks“ besser als andere Parteien.

Wählerbindung über Identität statt über Personen

Bemerkenswert ist, dass personelle Fragen für AfD-Anhänger eine deutlich geringere Rolle spielen. Die Aussicht, dass Alice Weidel Kanzlerin werden könnte, ist nur für eine sehr kleine Minderheit das wichtigste Argument. Das deutet darauf hin, dass die Bindung an die Partei weniger über charismatische Führungspersonen, sondern stärker über eine identitätsbezogene Erzählung und Abgrenzung zum etablierten Parteiensystem erfolgt.

Zugleich fällt ins Gewicht, dass viele AfD-Wähler ihre Entscheidung mit Unzufriedenheit erklären – sowohl mit dem politischen System insgesamt als auch mit der aktuellen Bundesregierung unter Friedrich Merz. Das verweist auf einen Protestcharakter der AfD-Stimmen, der über einzelne Sachfragen hinausgeht und sich auf ein Gefühl politischer Entfremdung stützt.

Besonders großer Ärger bei früheren Unionswählern

In der Gruppe der früheren Unionswähler, die nun zur AfD wechseln wollen, ist die Unzufriedenheit mit der von Merz geführten Bundesregierung noch stärker ausgeprägt. Hier ist sie der wichtigste Einzelgrund für den geplanten Wechsel. Das ist politisch bedeutsam, weil es zeigt, dass die AfD inzwischen auch aus dem klassischen bürgerlich-konservativen Lager Stimmen abzieht, wenn dort die Regierungsführung als nicht überzeugend wahrgenommen wird.

Für Leserinnen und Leser lässt sich daraus ablesen, dass künftige Wahlkämpfe sich nicht nur um konkrete Inhalte wie Steuerpolitik oder Migration drehen dürften, sondern auch um die Frage, welche Parteien Vertrauen dafür gewinnen, „Interessen des deutschen Volks“ glaubwürdig zu vertreten. Zugleich bleibt die Herausforderung für die Regierung, Unzufriedenheit mit dem politischen System und der eigenen Arbeit zu verringern, um weitere Abwanderungen zu vermeiden.

Disclaimer...

de | politik | 70069485 |