Frontex, Alexander Dobrindt

Frontex: Dobrindt fordert schnelle EU-Eingreiftruppe für Rückführungen

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 16:04 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt fordert mehr Befugnisse für Frontex und eine schnelle Eingreiftruppe für Krisen an den EU-Außengrenzen. Zudem sollen Rückführungen und sogenannte Return Hubs in Drittstaaten vorangetrieben werden.

Bundesinnenminister hat zum «Munich Migration Meeting» geladen. - Bild: Stefan Puchner/dpa
Bundesinnenminister hat zum «Munich Migration Meeting» geladen. - Bild: Stefan Puchner/dpa

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt fordert ein deutlich erweitertes Mandat für die europäische Grenzschutzagentur Frontex, insbesondere bei Krisen an den EU-Außengrenzen und bei Rückführungen.

Schnelle Eingreiftruppe für Krisen

Vor dem Treffen mit mehr als einem Dutzend europäischer Innenminister in München verlangte der CSU-Politiker eine eigene Frontex-Truppe für Ausnahmesituationen. Sie solle etwa nach einer Massenankunft von Migranten in der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta innerhalb von 24 Stunden einsatzbereit sein und betroffene Länder unterstützen.

Dobrindt begrüßte zudem den von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vorgeschlagenen europäischen Krisenreaktionsrahmen. Für Situationen wie in Ceuta müsse ein Verfahren greifen, mit dem Rückführungen im Schnellverfahren organisiert werden könnten.

Mehr Aufgaben bei Rückführungen

Auch außerhalb akuter Krisen solle Frontex stärker in Rückkehrverfahren eingebunden werden. Dobrindt nannte als Möglichkeit Abschiebungen bereits aus Transitstaaten, sofern diese Länder dazu bereit seien.

Gespräche über Return Hubs

Beim von ihm initiierten „Munich Migration Meeting“ kündigte der Minister weitere Gespräche über Abschiebezentren in Drittstaaten an. Deutschland treibt diese sogenannten Return Hubs gemeinsam mit anderen EU-Staaten voran.

EU-Kommissar Magnus Brunner sprach sich ebenfalls für eine Verstärkung und Aufstockung von Frontex aus. Die Agentur brauche mehr Personal, größere Flexibilität und eine intensivere Rolle bei Rückführungen, damit sie schneller handeln könne, bevor Ereignisse zu Krisen würden.

Europäische Migrationspolitik vor neuer Verschärfung

Das Münchner Treffen fällt in eine Phase, in der die EU ihre gemeinsamen Asyl- und Rückkehrregeln neu ordnet. Die seit Juni 2026 geltenden Regeln des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems sollen Verfahren stärker vereinheitlichen, Zuständigkeiten neu bestimmen und die Kontrolle an den Außengrenzen intensivieren.

Auch die politischen Rahmenbedingungen haben sich verändert. Im Februar 2026 beschloss das Europäische Parlament, das sogenannte Verbindungselement bei Abschiebungen in Drittstaaten zu streichen. Damit muss eine betroffene Person künftig grundsätzlich keine besondere Verbindung zu dem Land haben, in das sie überstellt werden soll. Das erleichtert Rückführungsmodelle wie die von Dobrindt angesprochenen Return Hubs, wirft aber Fragen nach Rechtsstandards und praktischer Umsetzung auf.

Frontex zwischen Grenzschutz und Rückkehr

Frontex unterstützt EU-Staaten bereits bei Rückführungen, die rechtliche Verantwortung liegt jedoch weiterhin bei den nationalen Behörden. Eine stärkere operative Rolle könnte Abläufe vereinheitlichen und Staaten an den Außengrenzen entlasten. Dafür müssten Zuständigkeiten, Personal, Finanzierung und die Kontrolle der Grundrechte eindeutig geregelt werden.

Die Größenordnung der Herausforderung zeigt sich zugleich an den Asylzahlen: In Deutschland wurden von Januar bis August 2026 rund 49.700 Neuzugänge im Asylsystem erfasst. Die Zahl lag damit deutlich unter dem Vorjahreswert, wobei Fachleute den Rückgang vor allem mit Entwicklungen in den Herkunftsländern und nicht allein mit europäischen Beschlüssen erklären.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „München - Gespräche von EU-Innenministern über Migration“ (26.09.2026)

Der Bericht bestätige, dass Dobrindt eine stärkere Beteiligung von Frontex an Rückführungen anstrebe. Er ordne zugleich ein, Frontex sei bislang vor allem für den Schutz der EU-Außengrenzen zuständig, während Rückführungen grundsätzlich in nationaler Verantwortung lägen.

BR24: „Worum geht es beim "Munich Migration Meeting"?“ (26.09.2026)

Der Beitrag stelle das Treffen in den Zusammenhang der jüngsten Verschärfungen im europäischen Asylrecht und berichte über die geplante Diskussion von Return Hubs. Anders als der Deutschlandfunk beleuchte er ausführlich die sinkenden Asylzugänge sowie rechtliche und menschenrechtliche Kontroversen.

Beide Berichte stellten die geplante stärkere Rolle von Frontex und die europäische Abstimmung als gemeinsame Linie heraus. Unterschiede gebe es beim Schwerpunkt: Während der Deutschlandfunk die institutionelle Zuständigkeit betone, rücke BR24 die Folgen der neuen Asylregeln und die offenen Fragen zu Grundrechten, Finanzierung und Außengrenzkontrollen in den Mittelpunkt.

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