Frontex: Dobrindt fordert schnelle EU-Eingreiftruppe für Rückführungen
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 18:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBundesinnenminister Alexander Dobrindt fordert beim Treffen europäischer Innenminister in München deutlich mehr Befugnisse für die EU-Grenzschutzagentur Frontex bei Krisen und Rückführungen.
Schnelle Eingreiftruppe für Krisen
Für Ausnahmesituationen wie die Massenankunft von Migranten in der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta im Sommer soll es nach Dobrindts Vorstellungen eine eigene Frontex-Truppe geben. Sie solle innerhalb von 24 Stunden an den EU-Außengrenzen unterstützen können.
In Fällen, die nicht auf eine humanitäre Notlage zurückgingen, müsse ein Mechanismus schnelle Rückführungen ermöglichen, sagte der CSU-Politiker vor dem Treffen mit mehr als einem Dutzend europäischen Innenministern. Er begrüßte zugleich den von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vorgeschlagenen europäischen Krisenreaktionsrahmen.
Mehr Aufgaben bei Rückführungen
Dobrindt will Frontex auch unabhängig von akuten Krisen stärker in Rückkehrverfahren einbinden. Als Beispiel nannte er Abschiebungen aus Transitstaaten, sofern die betreffenden Länder dazu bereit seien.
Der EU-Kommissar für Inneres und Migration, Magnus Brunner, sprach sich ebenfalls für eine Verstärkung und Aufstockung der Agentur aus. Dafür brauche Frontex mehr Personal, mehr Flexibilität und eine größere Rolle bei Rückführungen.
Gespräche über „Return Hubs“
Dobrindt kündigte außerdem weitere Gespräche über Abschiebezentren in Drittstaaten an. Diese sogenannten „Return Hubs“ werden von Deutschland gemeinsam mit mehreren EU-Staaten vorangetrieben.
Weniger Asylerstanträge
Unterdessen gehen die Asylerstanträge in Deutschland weiter zurück. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums wurden bis zum 25. September 3.345 Erstanträge registriert; im September 2025 waren es im selben Zeitraum 9.126.
Frontex zwischen Grenzschutz und Rückkehrpolitik
Frontex ist bislang vor allem für den Schutz der EU-Außengrenzen zuständig. Die Agentur unterstützt Mitgliedstaaten bereits bei Rückführungen, verantwortlich bleiben jedoch grundsätzlich die nationalen Behörden. Dobrindts Vorstoß würde den Schwerpunkt der Agentur damit stärker auf die operative Organisation von Rückkehrverfahren verlagern.
Der Vorschlag steht im Zusammenhang mit der seit Juni geltenden Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS). Die neuen Regeln sollen Asylanträge EU-weit einheitlicher und schneller bearbeiten und die Kontrollen an den Außengrenzen intensivieren. Parallel wird über Rückkehrzentren außerhalb der EU, sogenannte „Return Hubs“, beraten.
Rückläufige Zahlen, neue politische Auseinandersetzungen
Die Zahl der Asylsuchenden in Deutschland ist 2026 bislang deutlich niedriger als im Vorjahreszeitraum. Für die Bewertung dieses Rückgangs werden neben politischen Maßnahmen auch Entwicklungen in den Herkunftsländern als mögliche Erklärung herangezogen. Die aktuelle Debatte dreht sich deshalb weniger um kurzfristige Zugangszahlen als um die dauerhafte Ausgestaltung des europäischen Systems.
Für Reisende, Kommunen und Behörden wären schnellere Verfahren und Rückführungen vor allem dann spürbar, wenn Herkunfts- und Transitstaaten tatsächlich kooperieren. Zugleich berühren Frontex-Einsätze, Rückführungen aus Drittstaaten und mögliche Rückkehrzentren Fragen des individuellen Asylschutzes, der Zuständigkeit und der rechtlichen Kontrolle. Das Münchner Treffen bündelt damit praktische Fragen der Umsetzung und grundsätzliche Konflikte über die künftige europäische Migrationspolitik.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Deutschlandfunk: „München - Gespräche von EU-Innenministern über Migration“ (26.09.2026)
Der Bericht hebe hervor, Frontex solle sich nach Dobrindts Willen stärker an Rückführungen beteiligen. Zugleich ordne er ein, die Agentur sei bislang primär für den Schutz der EU-Außengrenzen zuständig und die Verantwortung für Rückführungen liege grundsätzlich bei den nationalen Behörden. Damit bestätige der Beitrag die geplante Mandatserweiterung, setze den Schwerpunkt aber auf die bestehende Kompetenzverteilung.
BR24: „Worum geht es beim "Munich Migration Meeting"?“ (26.09.2026)
Der Beitrag stelle das Treffen in den Zusammenhang der GEAS-Reform, der geplanten „Return Hubs“ und des Rückgangs der Asylzugänge. Er weise außerdem auf unterschiedliche Bewertungen hin: Während der Ausbau des Grenzschutzes als gemeinsamer Nenner gelten könne, blieben Streitfragen zu Finanzierung, Pushbacks und dem individuellen Asylrecht offen. Anders als der Deutschlandfunk richte der Bericht den Schwerpunkt damit stärker auf Vorgeschichte und rechtspolitische Folgen.
Beide Berichte bestätigten das Treffen und Dobrindts Ziel eines stärkeren Frontex-Einsatzes; Unterschiede bestünden vor allem bei der Einordnung der Reformen und der Gewichtung rechtlicher Konflikte.
