FrĂŒhrente, Babyboomer

FrĂŒhrente: 1,1 Millionen Babyboomer gehen frĂŒher in Rente

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Eine IW-Studie zeigt, dass die Mehrheit der untersuchten Babyboomer vor der regulĂ€ren Altersgrenze in Rente ging. In der Koalition ist offen, wie stark die abschlagsfreie FrĂŒhrente kĂŒnftig begrenzt werden soll.

Rentenbezug der JahrgÀnge 1958 bis 1963

  • 2025 bezogen 1,1 Millionen Menschen der JahrgĂ€nge 1960 bis 1963 eine Altersrente vor der Regelaltersgrenze.
  • Beim Jahrgang 1958 gingen 27 Prozent nach 45 Versicherungsjahren ohne AbschlĂ€ge vorzeitig in Rente.
  • Die IW-Forscher fordern Änderungen, um eine weitere Verschiebung der Lasten auf Beitrags- und Steuerzahler zu begrenzen.
Als Kind denkt man meist nicht an die Rente, doch fĂŒr die Erwachsenen ist die Frage des Rentenalters oft wichtig. (Symbolbild) - Bild: picture alliance / dpa

Babyboomer gehen meist vor der Regelaltersgrenze in Rente

Nur 37 Prozent des Jahrgangs 1958 gingen zuletzt regulĂ€r in Rente, wĂ€hrend die ĂŒbrigen frĂŒher in den Ruhestand wechselten. 2025 bezogen 1,1 Millionen Menschen der JahrgĂ€nge 1960 bis 1963 eine Altersrente, obwohl sie die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht hatten.

Mehrheit der Babyboomer wĂ€hlt frĂŒheren Rentenbeginn

Das Institut der deutschen Wirtschaft untersuchte den RentenĂŒbertritt der Babyboomer, also der geburtenstarken JahrgĂ€nge ab Mitte der 1950er-Jahre. 2025 bezogen knapp sieben Millionen Babyboomer eine Altersrente; mehr als die HĂ€lfte der JahrgĂ€nge im Rentenalter wechselte vor dem allmĂ€hlich auf 67 steigenden Eintrittsalter in den Ruhestand.

2023 hatten erst rund 4,5 Millionen Menschen dieser JahrgĂ€nge ĂŒberhaupt eine Altersrente bezogen. Der Bericht zeigt damit eine deutliche Zunahme des Rentenbezugs innerhalb kurzer Zeit.

27 Prozent ohne AbschlÀge

Beim jĂŒngsten Geburtsjahrgang jenseits der Regelaltersgrenze, dem Jahrgang 1958, gingen 27 Prozent als besonders langjĂ€hrig Versicherte mit 45 Versicherungsjahren ohne AbschlĂ€ge in vorzeitige Rente. Weitere 18 Prozent bezogen eine Altersrente fĂŒr langjĂ€hrig Versicherte mit 35 Versicherungsjahren und AbschlĂ€gen.

Beim Jahrgang 1958 betrug der Anteil der Regelaltersrentner laut Studie lediglich 37 Prozent. Zwar wies die Statistik 45 Prozent als Regelaltersrentner aus; davon waren jedoch 17 Prozent zuvor aus einer vollen Erwerbsminderungsrente in die regulÀre Rente gewechselt.

Koalition ringt um Grenzen der FrĂŒhrente

Nur drei Prozent des Jahrgangs 1958 erhielten keine gesetzliche Altersrente. Das IW fĂŒhrt die hohe Abdeckung unter anderem auf die niedrigschwellige Zugangsvoraussetzung zurĂŒck: FĂŒr einen Rentenanspruch genĂŒgt eine Versicherungszeit von fĂŒnf Jahren.

Über den Erhalt der abschlagsfreien frĂŒheren Rente wird in der Koalition aus Union und SPD gestritten. Die Möglichkeiten zum vorzeitigen Renteneintritt sollen Teil einer umfassenden Reform werden; offen ist, in welchem Umfang die bisherigen ZugĂ€nge eingeschrĂ€nkt werden.

IW warnt vor steigenden Lasten

Die Forscherinnen und Forscher fordern die Regierung auf, das aktuelle Zeitfenster fĂŒr Rentenreformen zu nutzen. Ohne Änderungen beim vorzeitigen Rentenbezug werde die Alterung der Gesellschaft die Lasten weiter in Richtung Beitrags- und Steuerzahler verschieben.

Die IW-Erhebung macht sichtbar, wie stark der tatsĂ€chliche Renteneintritt inzwischen von der Regelaltersgrenze abweicht. Besonders relevant ist dabei die abschlagsfreie Rente fĂŒr besonders langjĂ€hrig Versicherte: Wer mindestens 45 Versicherungsjahre nachweist, kann vor dem Erreichen der Regelaltersgrenze ohne dauerhafte KĂŒrzung in den Ruhestand wechseln.

Der Befund steht im Zusammenhang mit der Alterung der Gesellschaft und dem Übergang der geburtenstarken JahrgĂ€nge in den Ruhestand. Wenn viele Versicherte frĂŒher ausscheiden, verkĂŒrzt sich ihre Beitragszeit, wĂ€hrend die Rentenbezugsdauer steigt. Die Finanzierung wird dadurch fĂŒr die gesetzliche Rentenversicherung sowie fĂŒr den Bundeshaushalt anspruchsvoller.

Streit ĂŒber AbschlĂ€ge und ArbeitsfĂ€higkeit

In der politischen Debatte prallen dabei unterschiedliche Interessen aufeinander. Arbeitgeber- und Wirtschaftsvertreter verweisen auf steigende Kosten und fordern lĂ€ngere Erwerbsphasen oder höhere AbschlĂ€ge. Gewerkschaften und Betroffene betonen dagegen, dass belastende Berufe, gesundheitliche EinschrĂ€nkungen und unterschiedliche Erwerbsbiografien berĂŒcksichtigt werden mĂŒssten.

FĂŒr BeschĂ€ftigte entscheidet eine Reform nicht nur ĂŒber den Zeitpunkt des Ruhestands, sondern auch ĂŒber die Höhe der lebenslangen Zahlung. Eine EinschrĂ€nkung der bisherigen ZugĂ€nge könnte den Druck erhöhen, lĂ€nger zu arbeiten; zugleich wĂ€ren flexible ÜbergĂ€nge und Ausnahmen fĂŒr besonders belastete Berufe von zentraler Bedeutung.

Folgen fĂŒr die Rentenpolitik

Die Zahlen erhöhen den Handlungsdruck auf die Koalition, die geplante Rentenreform konkret auszugestalten. Im Mittelpunkt stehen dabei die Zugangsvoraussetzungen, die Höhe möglicher AbschlÀge und die Frage, wie die Lasten zwischen Beitragszahlern, Steuerzahlern und Rentnern verteilt werden.

Deutschlandfunk: „"Rente mit 63" – HandwerksprĂ€sident fĂŒr höhere AbschlĂ€ge bei FrĂŒhrente – "auch wenn das bei einigen meiner Leute auf Ärger stĂ¶ĂŸt"“ (03.11.2026)

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks habe höhere AbschlÀge bei einem vorzeitigen Renteneintritt gefordert. Der Beitrag setze damit einen Schwerpunkt auf die FinanzierungszwÀnge der Demografie und ergÀnze die IW-Zahlen um die Position des Handwerks.

Gleichzeitig werde auf die Belastung in körperlich anspruchsvollen Berufen hingewiesen. Damit bleibe als offene politische Frage, wie ein höheres effektives Rentenalter mit Ausnahmen oder fairen ÜbergĂ€ngen fĂŒr BeschĂ€ftigte in besonders belastenden TĂ€tigkeiten verbunden werden könne.

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