Internationaler Pandemievertrag ist unterschriftsreif
16.04.2025 - 06:35:03Nach gut drei Jahren und zuletzt nÀchtelangen Diskussionen in Genf stimmten die UnterhÀndler einem Vertragstext zu. Er soll im Mai beim Jahrestreffen der 194 Mitglieder der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der Schweiz verabschiedet werden.
Ohne die USA
Die USA haben sich seit dem Regierungswechsel in Washington nicht mehr an den Verhandlungen beteiligt. Der neue PrĂ€sident Donald Trump ordnete den Austritt aus der WHO an, der im Januar 2026 wirksam wird. Der nun ausgehandelte Vertrag gilt aber ohnehin nur fĂŒr LĂ€nder, deren Parlamente ihn ratifiziert haben. Die WHO kann auch nach Inkrafttreten keine Lockdowns, ReisebeschrĂ€nkungen oder Impfungen anordnen. Nötig sind 60 Ratifizierungen, was nach Expertenmeinung einige Jahre dauern könnte.
"Ich habe keinen Zweifel daran, dass die Welt nach der Ratifizierung viel besser auf eine weitere Pandemie vorbereitet sein wird und diese besser und gerechter ĂŒberstehen wird", sagte Gian-Luca Burci, Professor im Zentrum fĂŒr globale Gesundheit der Genfer UniversitĂ€t Graduate Institute, der Deutschen Presse-Agentur. Was der Vertrag neu regelt:
PrÀvention
LĂ€nder verpflichten sich, ihre Gesundheitssysteme und die Ăberwachung des Tierreichs so zu stĂ€rken, dass KrankheitsausbrĂŒche schnell entdeckt und möglichst im Keim erstickt werden. Den EuropĂ€ern war es ein Anliegen, dass auch Antibiotika-Resistenzen bekĂ€mpft werden.
Lieferketten
Was im Falle einer Pandemie gebraucht und geliefert wird, soll fĂŒr alle LĂ€nder gleichermaĂen zugĂ€nglich sein. Gesundheitspersonal soll zuerst versorgt werden. In der Corona-Pandemie hatten LĂ€nder Masken oder Impfstoffe gehortet und teils die Ausfuhr verhindert. WĂ€hrend in reichen Staaten schon die dritte Impfung verabreicht wurde, warteten Menschen in armen LĂ€ndern noch auf die erste Spritze.
Forschung und Entwicklung
Wichtige Informationen wie die DNA-Sequenz ĂŒber Pathogene sollen frei ausgetauscht werden, damit Medikamente und Impfstoffe entwickelt werden können. Im Gegenzug sollen Pharmaunternehmen der WHO zehn Prozent ihrer Produktion als Spende zur Verteilung in Ă€rmeren LĂ€ndern abtreten (Pabs-System). Weitere Produktionsanteile sollen zumindest gĂŒnstig zur VerfĂŒgung gestellt werden. Die ModalitĂ€ten mĂŒssen noch ausgehandelt werden und sollen in einem Anhang zum Vertrag stehen.
Technologietransfer
Firmen sollen ihr Know-how zur Herstellung von Medikamenten und Impfstoffen teilen, auch um Produktionen in anderen LÀndern zu ermöglichen. Den europÀischen UnterhÀndlern war es wichtig, dass die Beteiligung der Firmen freiwillig bleibt.
Der Text hat viele schwammige Formulierungen. Verpflichtungen gelten etwa "je nach nationalen Gesetzen", bei Auflagen gibt es EinschrĂ€nkungen wie "in gegenseitigem Einvernehmen". "Der Vertrag ist ein Anfang und kein Ende", sagt Burci dazu. Mit einem solchen Abkommen entwickele sich eine Dynamik, wie etwa beim 2005 in Kraft getreten WHO-Vertrag zur Tabakkontrolle. Zudem gebe es Druck, weil LĂ€nder bei Vertragsstaatenkonferenzen alle paar Jahre aufzeigen mĂŒssen, wie sie vorankommen.
Signal fĂŒr SolidaritĂ€t
Die medizinische Leiterin der Hilfsorganisation Ărzte ohne Grenzen, Maria Guevara, lobte das Vertragswerk trotz Kompromissen und teils schwammiger Sprache. Sie betrachtet es als "starkes Signal der globalen SolidaritĂ€t".

