Galeria stellt erneut Insolvenzantrag: 12.000 Jobs und 83 Filialen in Gefahr
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 16:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie angeschlagene Warenhauskette Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf erneut die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt, während der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen zunächst weiterlaufen soll.
Beschäftigte bangen um ihre Arbeitsplätze
Das Unternehmen erklärte, der Antrag solle den rechtlichen Rahmen schaffen, um die aktuelle Situation zu ordnen, Galeria zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine nachhaltige Zukunft zu schaffen. Zu den Hintergründen machte der Betreiber zunächst keine weiteren Angaben.
Die rund 12.000 Beschäftigten wurden am Freitagvormittag informiert. Ob sie Insolvenzgeld erhalten, ist ebenso offen wie die Frage, ob und welche Standorte schließen müssen.
Frage des Insolvenzgelds ungeklärt
Das Amtsgericht Düsseldorf bestätigte den Eingang des Antrags. Das Amtsgericht Essen hat die Planüberwachung nach der bislang letzten Insolvenz noch nicht aufgehoben.
Ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit hatte im Juni erklärt, bei fortbestehender Planüberwachung könne mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erneut Insolvenzgeld gezahlt werden. Die konkrete Situation müsse jedoch jeweils individuell geprüft werden.
Gewerkschaft fordert schnelle Aufklärung
Der Gesamtbetriebsrat äußerte sich zunächst nicht näher und erklärte, zunächst die Belegschaft im Blick zu haben. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi beklagte eine völlige Ungewissheit für die Beschäftigten.
Die Verdi-Bundesfachbereichsleiterin Handel, Silke Zimmer, forderte schnelle Aufklärung über die weitere Entwicklung für die rund 12.000 Beschäftigten.
Vierte Insolvenz seit 2020
Für Galeria ist es nach 2020, 2022 und 2024 der vierte Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren. Infolge der zurückliegenden Verfahren wurden zahlreiche Filialen geschlossen; die Gläubiger verzichteten auf Milliardenforderungen.
Beim bislang letzten Antrag vor gut zweieinhalb Jahren firmierte das Unternehmen noch als Galeria Karstadt Kaufhof. Vorausgegangen war die Schieflage des damaligen Mutterkonzerns Signa. Damals schlossen neun der 92 Warenhäuser.
Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Die Namen Karstadt und Kaufhof verschwanden aus dem Firmennamen, der Sitz wurde von Essen nach Düsseldorf verlegt.
Liquiditätsdruck und Standortprüfung
Im April 2026 hatten mehrere Vermieter ausbleibende Mietzahlungen beklagt. Die Geschäftsführung verwies auf Liquiditätsschwankungen und erklärte, Vermieter um Stundungen gebeten zu haben.
Im Juni erhielt Galeria eine Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro von Gordon Brothers. Damit sollten unter anderem ein laufender Kredit abgelöst und offene Mietzahlungen beglichen werden. Die Kreditlinie war durch Warenbestände abgesichert und an einen auf drei Jahre angelegten Sanierungsplan mit weiteren Schließungen geknüpft.
Im Juli kündigte Galeria an, 33 Warenhäuser zu prüfen und mit Vermietern über Mietkonditionen zu verhandeln. Ohne tragfähige Lösungen sei die Fortführung einzelner Filialen gefährdet; alle Häuser müssten nachhaltig profitabel wirtschaften.
Warenhausmodell unter Druck
Nach Angaben des Handelsforschungsinstituts EHI setzte Galeria 2019 mit 174 Filialen netto 4,5 Milliarden Euro um. Sechs Jahre später erzielte das Unternehmen mit weniger als der Hälfte der Standorte noch rund 2 Milliarden Euro.
Der Marktanteil von Kauf- und Warenhäusern sank laut EHI seit 2020 von 4,2 auf zuletzt 1,2 Prozent. Neben Galeria werden in dieser Statistik unter anderem Müller und Woolworth erfasst.
Auch andere Einzelhändler stehen unter Druck. Nach Angaben des Kreditversicherers Allianz Trade meldeten zwischen Juni 2025 und Mai 2026 gut 2.600 Einzelhändler Insolvenz an. Der Handelsverband Deutschland erwartet, dass die Zahl der Geschäfte in diesem Jahr unter 300.000 sinkt; Ende 2015 waren es noch etwa 372.000.
Wiederkehrende Sanierungslast
Der erneute Insolvenzantrag trifft Galeria nach mehreren tiefgreifenden Einschnitten. Seit 2020 hat sich die Zahl der Warenhäuser von 174 auf 83 mehr als halbiert; zugleich sank der Umsatz von 4,5 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf rund 2 Milliarden Euro sechs Jahre später. Die bisherigen Verfahren brachten Gläubigerverzichte in Milliardenhöhe und zahlreiche Filialschließungen, konnten das Geschäftsmodell aber nicht dauerhaft stabilisieren.
Die akute Lage steht zudem im Zusammenhang mit einer angespannten Finanzierung. Im Juni erhielt Galeria eine Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro, die unter anderem zur Ablösung eines bestehenden Kredits und zur Begleichung offener Mietzahlungen dienen sollte. Bereits im Juli stellte das Unternehmen 33 Standorte auf den Prüfstand. Der neue Antrag schafft nun den rechtlichen Rahmen für eine Sanierung; ob daraus weitere Schließungen folgen, ist offen.
Folgen für Beschäftigte und Innenstädte
Für rund 12.000 Beschäftigte geht es zunächst um die Fortführung des Betriebs und die Frage der Lohnsicherung. Wegen der noch laufenden Planüberwachung aus dem vorherigen Verfahren ist insbesondere unklar, ob erneut Insolvenzgeld gezahlt werden kann. Eine Entscheidung über Standorte wird auch für Innenstädte relevant, weil Warenhäuser häufig große Verkaufsflächen, Arbeitsplätze und zentrale Passantenlagen bündeln.
Strukturell steht Galeria unter dem Druck veränderter Einkaufsgewohnheiten, des Onlinehandels und einer schwachen Konsumstimmung. Der Marktanteil klassischer Warenhäuser ist seit 2020 deutlich gesunken. Ein Fortbestand wäre deshalb nach Einschätzung des in der dpa-Meldung zitierten Handelsexperten eher mit kleineren, lokal profilierten und erlebnisorientierten Konzepten vorstellbar als mit einem unveränderten Vollsortimentmodell.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
DER SPIEGEL: „Kaufhauskette: Galeria stellt erneut Insolvenzantrag“ (02.10.2026)
Der Bericht bestätige den erneuten Insolvenzantrag und die vorläufige Fortführung des Geschäftsbetriebs. Er hebe als Hintergrund die vierte Insolvenz innerhalb von sechs Jahren, die früheren Filialschließungen sowie die offenen Fragen zu Arbeitsplätzen und Standorten hervor.
Merkur: „Galeria unterschreitet Mindestgrenze nach Gehaltszahlung – 33 Filialen auf der Kippe“ (02.10.2026)
Der Bericht bestätige den akuten Finanzierungsdruck, setze den Schwerpunkt aber auf interne Liquiditätsvorgänge nach dem Rettungskredit vom Juni. Er schreibe, nach der Auszahlung der September-Gehälter sei eine vereinbarte Liquiditätsgrenze unterschritten worden; offen bleibe, ob eine weitere Finanzspritze zustande komme und welche der 33 geprüften Filialen fortgeführt würden.
Medienübergreifend bestehe Einigkeit über den erneuten Insolvenzantrag und die vorläufige Fortführung des Betriebs. Unterschiedliche Schwerpunkte lägen bei der strukturellen Vorgeschichte und der kurzfristigen Liquidität; offen blieben insbesondere Insolvenzgeld, Finanzierung und Standortentscheidungen.
