Duldung, Aufenthaltsrecht

Geduldete in Deutschland: Zahl steigt auf 200.601 Menschen

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 03:40 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Ende September waren 200.601 Menschen in Deutschland geduldet. Als Gründe für den erneuten Anstieg gelten unter anderem das Auslaufen des Chancenaufenthaltsrechts und geringere Anerkennungsquoten im Asylverfahren.

Neue Duldungszahlen im September

  • Ende September lebten 200.601 Menschen mit einer Duldung in Deutschland.
  • Insgesamt waren zum selben Stichtag 256.873 Menschen ausreisepflichtig.
  • Rund 45.000 Menschen erhielten 2026 erstmals eine Duldung, darunter etwa 13.460 Minderjährige.
  • Eine Duldung ist immer befristet. (Symbolbild) - Bild: Wolfgang Kumm/dpa
  • Die Grünen fordern Bleibeperspektiven für gut integrierte Menschen, die arbeiten und mit einer Duldung in Deutschland leben. (Symbolbild) - Bild: Patrick Pleul/dpa
Eine Duldung ist immer befristet. (Symbolbild) - Bild: Wolfgang Kumm/dpa Die Grünen fordern Bleibeperspektiven für gut integrierte Menschen, die arbeiten und mit einer Duldung in Deutschland leben. (Symbolbild) - Bild: Patrick Pleul/dpa

Geduldete Zahl steigt wieder auf mehr als 200.000

Die Zahl der Menschen mit einer Duldung in Deutschland ist nach Rückgängen in den Jahren 2023 bis 2025 wieder deutlich gestiegen. Ende September lebten nach Angaben der Bundesregierung 200.601 Geduldete im Land, während 256.873 Menschen ausreisepflichtig waren.

Duldung setzt Abschiebung vorerst aus

Geduldete sind grundsätzlich ausreisepflichtig, können aber vorübergehend nicht abgeschoben werden. Gründe können etwa fehlende Ausweisdokumente, familiäre Umstände oder eine Erkrankung sein; die Duldung ist befristet.

Chancenaufenthaltsrecht lief Ende 2025 aus

Am 31. Dezember 2025 hatten 190.974 von 232.067 Ausreisepflichtigen eine Duldung. Ende 2022 waren es noch rund 248.000 gewesen. Der Rückgang in den Folgejahren wurde unter anderem mit dem Chancenaufenthaltsrecht erklärt, das die damalige Koalition aus SPD, Grünen und FDP Ende 2022 eingeführt hatte und drei Jahre lang galt.

Die Regelung eröffnete langjährig Geduldeten für 18 Monate eine Aufenthaltserlaubnis auf Probe. Ein dauerhaftes Bleiberecht setzte unter anderem überwiegende eigenständige Lebensunterhaltssicherung, ausreichende Deutschkenntnisse, Straffreiheit und eine geklärte Identität voraus.

Rund 45.000 neue Duldungen im Jahr 2026

Nach Angaben der Bundesregierung erhielten 2026 rund 45.000 Menschen erstmals eine Duldung. Zum Stichtag Ende September waren darunter rund 13.460 Minderjährige.

Im Ausländerzentralregister waren 402 Ausbildungsduldungen und 17 Beschäftigungsduldungen vermerkt. Als weitere mögliche Ursache für den Anstieg gelten geringere Anerkennungsquoten im Asylverfahren.

Grüne fordern verlässlichere Bleibeperspektiven

Die Grünen-Abgeordnete Filiz Polat kritisierte, die Regeln für Ausbildungs- und Beschäftigungsduldungen seien zu kompliziert und stellten teilweise kaum erfüllbare Anforderungen. Betriebe brauchten Planungssicherheit und verlässliche Arbeitskräfte, erklärte die Migrationsexpertin.

Polat forderte einen gesicherten Aufenthalt für Menschen, die in Deutschland arbeiteten, eine Ausbildung machten und sich integrierten. Auch aus der SPD gab es zuletzt Forderungen nach neuen Bleiberechtsmöglichkeiten für gut integrierte ausländische Arbeitskräfte ohne sicheren Aufenthaltsstatus.

Die Duldung ist kein Aufenthaltstitel, sondern setzt die bestehende Ausreisepflicht vorübergehend aus. Sie wird erteilt, wenn eine Abschiebung aus tatsächlichen oder rechtlichen Gründen nicht möglich ist. Dazu zählen fehlende Reisedokumente, gesundheitliche Hindernisse oder familiäre Bindungen.

Der Anstieg fällt zeitlich mit dem Auslaufen des Chancenaufenthaltsrechts zusammen. Dieser 2022 eingeführte Weg sollte langjährig Geduldeten ermöglichen, innerhalb einer Prüfphase die Voraussetzungen für ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht zu erfüllen. Wer diese Voraussetzungen nicht erfüllte, blieb ausreisepflichtig und konnte wieder in den Status der Duldung zurückfallen.

Arbeitsmarkt und Verwaltung unter Druck

Für Unternehmen bedeutet eine Duldung besondere Unsicherheit, weil ihr Fortbestand regelmäßig von einer erneuten Verlängerung abhängt. Ausbildungs- und Beschäftigungsduldungen sollen zwar Perspektiven schaffen, erreichen bislang aber nur einen kleinen Teil der Betroffenen. Die in der Meldung genannten 402 Ausbildungs- und 17 Beschäftigungsduldungen verdeutlichen diese begrenzte Reichweite.

Die Entwicklung ist zugleich für Kommunen und Ausländerbehörden relevant. Sie müssen über eine große Zahl befristeter Statusentscheidungen, Identitätsklärungen und ausländerrechtlicher Voraussetzungen befinden. Für Betroffene entscheidet sich daran, ob eine Rückkehr vollzogen wird, eine weitere Duldung folgt oder ein regulärer Aufenthaltstitel möglich wird.

Entscheidend bleibt der Zugang zu Bleiberechten

Politisch prallen dabei zwei Ziele aufeinander: Die Ausreisepflicht soll durchgesetzt werden, zugleich sollen Integration, Ausbildung und Beschäftigung nicht durch jahrelange Unsicherheit entwertet werden. Ob der jüngste Anstieg anhält, hängt deshalb unter anderem davon ab, wie viele Menschen nach dem Ende des Chancenaufenthaltsrechts einen anderen Aufenthaltstitel erhalten und wie sich Anerkennungs- und Abschiebepraxis entwickeln.

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