Koalition, Strom

Koalition unter Strom: Kommt die Entlastung fĂŒr alle?

02.07.2025 - 05:00:39

Gelingt ein Kompromiss bei der Stromsteuer, oder verfÀllt die Koalition in die alten Ampel-Muster des Misstrauens und des Streits? Der Koalitionsausschuss wird es zeigen.

Es ist die erste große innenpolitische Nagelprobe fĂŒr das schwarz-rote RegierungsbĂŒndnis: Im Koalitionsausschuss mĂŒssen die Spitzen von Union und SPD heute beweisen, dass sie bei schwierigen Themen wie der Senkung der Stromsteuer zu Kompromissen in der Lage sind. Zwei Protagonisten werden dabei im Mittelpunkt stehen. 

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat bisher zwar eine gute Figur auf der internationalen BĂŒhne gemacht. Nun muss er aber beweisen, dass er auch die Wirtschaft ankurbeln und die Stimmung im Land verbessern kann. «Ich habe natĂŒrlich schon mehr vor, als nur Krise zu managen», sagte er am Dienstagabend in der ARD-Sendung «Maischberger». 

Der Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil geht nach der Klatsche bei der Wahl zum SPD-Vorsitzenden geschwĂ€cht in den Koalitionsausschuss und muss sich neu beweisen - in neuer Konstellation. FĂŒr die neue sozialdemokratische Co-Parteichefin BĂ€rbel Bas ist es die Premiere im Kreis der mĂ€chtigsten Koalitionspolitiker, dem sie nun als einzige Frau angehört und es mit zehn MĂ€nnern aufnehmen muss.

Stromsteuer: Was springt fĂŒr Verbraucher raus? 

Alle schauen dabei vor allem auf ein Thema: Kommt die Senkung der Stromsteuer fĂŒr alle? Das Kabinett hat Entlastungen bei den Energiepreisen zum 1. Januar 2026 auf den Weg gebracht. Die Netzentgelte, ein Bestandteil des Strompreises, sollen gesenkt und die Gasspeicherumlage fĂŒr Gaskunden abgeschafft werden. 

Bei der Stromsteuer soll die Absenkung fĂŒr die Industrie, Land- und Forstwirtschaft «verstetigt» werden. Sie soll aber - entgegen der AnkĂŒndigung im Koalitionsvertrag - nicht fĂŒr alle gesenkt werden, also nicht fĂŒr alle Betriebe sowie fĂŒr private Haushalte. Das löst breite Kritik bei WirtschaftsverbĂ€nden, Gewerkschaften und SozialverbĂ€nden aus - aber auch innerhalb der Union. Kritik kam unter anderem von Unionsfraktionschef Jens Spahn und NRW-MinisterprĂ€sident Hendrik WĂŒst (beide CDU). Dies sorgt wiederum fĂŒr VerĂ€rgerung in der SPD. 

Merz Ă€ußerte sich vor dem Treffen der Koalitionsspitzen zwar grundsĂ€tzlich offen fĂŒr eine mögliche Ausweitung der Stromsteuersenkung - aber nur, wenn die Gegenfinanzierung gesichert ist. 

Eine Senkung der Stromsteuer fĂŒr alle Verbraucherinnen und Verbraucher wĂŒrde nach Angaben des Bundesfinanzministeriums im kommenden Jahr rund 5,4 Milliarden Euro zusĂ€tzlich kosten. Eine Gegenfinanzierung dĂŒrfte schwierig werden. Die Koalition mĂŒsste bei anderen Vorhaben Abstriche machen.

Die Wirtschaft dringt auf VerlĂ€sslichkeit. «Die Unternehmen brauchen klare Perspektiven und mĂŒssen wissen, worauf sie in der Wirtschaftspolitik der Koalition vertrauen können», sagte DIHK-PrĂ€sident Peter Adrian der Deutschen Presse-Agentur. «Besonders bei Energie- und Arbeitskosten warten viele Firmen dringend auf Entlastungen.» 

BĂŒrgergeld: Wie viel kann gespart werden?

Sparen will die Koalition beim BĂŒrgergeld. Hier dĂŒrfte der Teufel im Detail stecken. 1,5 Milliarden Euro sollen es nach dpa-Informationen nach ersten PlĂ€nen im nĂ€chsten Jahr sein, spĂ€ter soll die Sparsumme auf 4,5 Milliarden Euro steigen. Die «Bild»-Zeitung berichtete zuerst darĂŒber. ZunĂ€chst sollen demnach Sanktionen verschĂ€rft werden. Dann solle eine grundsĂ€tzliche Reform mit einer Neuberechnung der RegelsĂ€tze folgen. 

Rund 32.900 Menschen mit BĂŒrgergeld wurden nach Angaben der Bundesagentur fĂŒr Arbeit (BA) in NĂŒrnberg zuletzt - im Februar 2025 - Leistungen wegen Verfehlungen gekĂŒrzt, nach 24.700 vor einem Jahr. Angesichts von 5,5 Millionen BĂŒrgergeld-Bezieherinnen und -Beziehern macht das nach Ansicht von Experten deutlich, dass hier keine enormen Einsparungen zu erzielen sind. Insgesamt sind laut BA im MĂ€rz 3,9 Milliarden Euro BĂŒrgergeld zu den sogenannten Leistungsberechtigten geflossen, was kaum eine VerĂ€nderung gegenĂŒber MĂ€rz 2024 darstellt. Im MĂ€rz 2023 waren es 3,5 Milliarden Euro. 

Rentenpaket

Auch um die Rente dĂŒrfte es im Koalitionsausschuss gehen. Mit Milliardensummen aus dem Portemonnaie der Steuerzahler soll das geplante erste schwarz-rote Rentenpaket zu Buche schlagen. «Dabei können wir es uns nicht leisten, dass die Rentenausgaben noch stĂ€rker als ohnehin steigen», hat ArbeitgeberprĂ€sident Rainer Dulger den KoalitionĂ€ren bereits ins Stammbuch geschrieben. Allerdings soll die Renten-Kostenspirale erst 2029 mit zunĂ€chst 4,1 Milliarden Euro beginnen. Bis auf 11,2 Milliarden Euro soll der Posten laut den GesetzesplĂ€nen von Sozialministerin Bas im Jahr 2031 steigen.

Bezahlt werden soll damit vor allem die geplante Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent ĂŒber das laufende Jahr hinaus - und damit weitere Rentenerhöhungen im Gleichschritt mit der Lohnentwicklung in Deutschland. Ohne ein stabiles Rentenniveau wĂŒrde sich der wachsende Übertritt der geburtenstarken Babyboomer-JahrgĂ€nge in die Rente so auswirken, dass die Renten nicht mehr so stark steigen wie die Löhne.

@ dpa.de