Deutschland, Kirche

Bischofskonferenz: BĂ€tzing tritt nicht zur Wiederwahl an

19.01.2026 - 15:12:04

Georg BĂ€tzing war in den vergangenen sechs Jahren das Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland. Mit seinem entschiedenen Reformkurs machte er sich aber auch Gegner - nun tritt er nicht mehr an.

Georg BĂ€tzing steht fĂŒr eine zweite Amtszeit als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz nicht zur VerfĂŒgung. Das teilte die Bischofskonferenz in Bonn mit. Der Limburger Oberhirte war 2020 an die Spitze der Bischofskonferenz gewĂ€hlt worden und hĂ€tte nach sechsjĂ€hriger Amtszeit Ende Februar bei der FrĂŒhjahrsvollversammlung der Bischöfe in WĂŒrzburg zur Wiederwahl antreten mĂŒssen. 

In einem Brief an die anderen Bischöfe teilte er nun mit: «Um im Vorfeld gute diesbezĂŒgliche Überlegungen zu ermöglichen, möchte ich Euch mitteilen, dass ich fĂŒr eine erneute Wahl nicht zur VerfĂŒgung stehe. Ich habe mich dazu nach Beratung und reiflicher Überlegung entschieden.» 

Woelki, Oster und Voderholzer als «Königsmörder»

BĂ€tzing war seit 2020 das Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland und aufgrund des in dieser Zeit laufenden Reformprozesses Synodaler Weg in den Medien sehr prĂ€sent. Zunehmend formierte sich innerhalb der Bischofskonferenz jedoch Widerstand gegen ihn. Der 64-JĂ€hrige ist entschiedener BefĂŒrworter eines Reformkurses in der katholischen Kirche. Er macht sich zum Beispiel dafĂŒr stark, dass Frauen Diakoninnen werden dĂŒrfen - eine Vorstufe zum Priesteramt. Auch will er sogenannte Laien - normale GlĂ€ubige ohne klerikales Amt - stĂ€rker an Entscheidungen beteiligen. Von vielen reformorientierten Kirchenmitgliedern etwa aus dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) wird BĂ€tzing dafĂŒr sehr geschĂ€tzt. 

Doch gleichzeitig zog sich BĂ€tzing mit diesem Reformkurs den Unmut konservativer Bischöfe wie Kardinal Rainer Maria Woelki aus Köln, Stefan Oster aus Passau oder Rudolf Voderholzer aus Regensburg zu. Der Kirchenrechtler Thomas SchĂŒller bezeichnete diese Drei in einer Reaktion auf den BĂ€tzing-RĂŒckzug als «eine Art Königsmörder». 

Aber auch im Lager der GemĂ€ĂŸigten gab es manchmal Irritation darĂŒber, dass sich BĂ€tzing mit markanten Äußerungen in umstrittenen Themenfeldern positionierte. BĂ€tzing habe mitunter zu ungestĂŒm versucht, seine theologische Agenda durchzusetzen, analysierte SchĂŒller. Zudem galt BĂ€tzing als nicht besonders gut vernetzt im Vatikan. 

Paderborner Erzbischof wird als Nachfolger gehandelt

Die PrĂ€sidentin den Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, bedauerte BĂ€tzings Entschluss. «Zugleich hat dieser Schritt meinen vollen Respekt», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. «Dem ZdK war er ein kollegiales, wahrhaftiges und hochengagiertes GegenĂŒber.» Stetter-Karp erinnerte an den Synodalen Weg, den BĂ€tzing gemeinsam mit dem ZdK organisiert hatte. Hier sei er zukunftsorientiert vorangegangen und habe zugleich mit Augenmaß agiert. 

Nach Ansicht von Kirchenrechtler SchĂŒller gehört es zu BĂ€tzings bleibenden Verdiensten, «am Synodalen Weg festgehalten zu haben und vor allem mit einer Stimme die rechtsextremistische Gefahr, die von der AfD ausgeht, in einer gemeinsamen und einstimmigen ErklĂ€rung der deutschen Bischöfe zu verurteilen», wie er der Deutschen Presse-Agentur sagte. «Das wird in Erinnerung bleiben und wirken.»

Als möglichen Nachfolger BĂ€tzings sieht der Experte den Paderborner Erzbischof Udo Bentz. Dieser werde, falls er tatsĂ€chlich gewĂ€hlt werde, vermutlich versuchen, einen vorsichtigen Reformkurs fortzufĂŒhren und gleichzeitig die fragmentierte Bischofskonferenz wieder stĂ€rker zu einen, so SchĂŒller.

@ dpa.de